Unwetter: Lagerteilnehmer übernachteten in Turnhalle

OB-/NIDWALDEN ⋅ So haben sich die Pfadi Kreuzlingen und die Jungwacht Buttisholz den Nationalfeiertag in ihrem Lager in Giswil wohl nicht vorgestellt. Der Sturm verwüstete ihre Zeltstätten. Auch andernorts spürte man das Unwetter.
02. August 2017, 22:19

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Das Unwetter am Dienstagabend wütete vor allem in Giswil heftig – mit intensivem Hagelschlag und schweren Sturmböen. In Giswil wurden Windspitzen von bis zu 122 Kilometern pro Stunde gemessen. Innert Kürze gingen laut SRF Meteo 20 Millimeter Regen nieder. Und dies ausgerechnet in der Gemeinde, in der zwei Jugendgruppen ihre Zeltlager aufgebaut hatten. Diese wurden dermassen in Mitleidenschaft gezogen, dass die Feuerwehr Giswil sich entschloss, die rund 120 Jugendlichen zu evakuieren.

Betroffen von dem Unwetter waren die Pfadi Kreuzlingen und die Jungwacht Buttisholz. Sie mussten die Nacht vom 1. auf den 2. August in der Turnhalle verbringen. «Glücklicherweise kam bei dem Unwetter aber niemand zu Schaden, es lief alles glimpflich ab», blickt der Giswiler Feuerwehrkommandant Peter Abächerli zurück.

«Es geht uns gut. Wir haben den Sturm überstanden und essen gemeinsam in unserer Notunterkunft Znacht», vermeldete die Pfadi Kreuzlingen bereits am Dienstagabend gegen 20 Uhr auf ihrer Homepage. Sie beendete ihr Lager am Mittwoch, einen Tag früher als geplant. Auch die Jungwacht Buttisholz gab Entwarnung. Die drei beschädigten Zelte hätten bereits wieder aufgebaut werden können. In den Zelten hätten sich während des Sturms keine Personen aufgehalten, heisst es auf ihrer Homepage. «Die Kids sind nach einem kurzen Fussmarsch gesund, munter und motiviert zurück auf dem Lagerplatz. Das Lagerprogramm kann normal weitergeführt werden.»

Giswiler Feuerwehr rückte zwölfmal aus

Auch sonst hielt das Unwetter sämtliche 40 verfügbaren Feuerwehrleute in Giswil am Dienstagabend auf Trab. Sie mussten zwischen 18 und 21 Uhr zu zwölf Einsätzen ausrücken, dies wegen überfluteter Keller oder umgestürzter Bäume, welche Strassen und Wege blockierten. «Ich musste direkt von einer 1.-August-Feier zu einem Einsatz», sagt Peter Abächerli. Dafür habe es dieses Jahr wegen des nassen Bodens keine Waldbrände gegeben.

Auch im übrigen Kantons­gebiet und in Nidwalden gab’s Feuerwehreinsätze, zum Beispiel in Buochs-Ennetbürgen, um einen Baumstamm in der Engelbergeraa zu sichern. In Dallenwil, Stansstad, Ennetmoos, Stans, Lungern und Alpnach rückten die Feuerwehren vergebens aus. «Es wurden uns via Polizei verschiedene Brände gemeldet. Diese entpuppten sich aber als Höhenfeuer, zu welchen jeweils sehr viele Anrufe eingegangen sind», erzählt Urs Röthlisberger, der stellvertretende Feuerwehrinspektor für Nid- und Obwalden. «Es wäre darum wün­schenswert, dass uns die Verantwortlichen jeweils im Voraus via Polizei über solche Höhenfeuer informieren würden.» Zu einem richtigen Löscheinsatz sei es nirgends gekommen.

Zwischen Giswil und Kaiserstuhl stürzte wegen des Sturms ein Baum auf die Fahrleitung und das Gleis der Zentralbahn. Die Strecke Luzern–Brünig–Interlaken Ost war für den Bahnverkehr am Dienstag ab 18.30 Uhr bis Betriebsschluss unterbrochen. Es verkehrten Bahnersatzbusse zwischen Giswil und Meiringen. Seit Mittwochmorgen fahren die Züge wieder fahrplanmässig. «Wir konnten den Abschnitt wieder vollständig in Stand stellen», sagt Thomas Keiser, Mediensprecher der Zentralbahn (ZB), auf Anfrage. Trotz regelmässiger Forstarbeiten könne man ein solches Ereignis nie ganz ausschliessen. Auf dem übrigen ZB-Streckennetz sei es zu keinen Störungen gekommen.

Wind blies Kulisse der Freilichtspiele um

Nachdem der Engelberger Golfplatz am Dienstag zum zweiten Mal heimgesucht und vom wild gewordenen Sulzbach mit Tonnen von Geröll zugeschüttet worden war, erwischte es am Dienstagabend auch noch das Gelände der «Winnetou»-Freilichtspiele. Rund 20 Freiwillige hatten alle Hände voll zu tun, damit die Vorstellung am Mittwochabend stattfinden konnte. «Der Sturm war so stark, dass die Kulisse der Westernstadt trotz aller Sicherungen umgekippt ist. Glücklicherweise war sie nicht sehr beschädigt, und unsere Schreiner konnten sie rechtzeitig reparieren», sagt Florian Niffeler, Geschäftsführer der organisierenden Western & Open Air Theater GmbH. Das viele Wasser habe zudem auf dem Gelände vor der Bühne und auf den Gehwegen tiefe Ablaufrinnen verursacht, die von den Helfern von Hand wieder zugeschüttet werden mussten.


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