Musikalische Projekte schwingen obenaus

SACHSELN ⋅ Seit 2014 richten Ob- und Nidwalden gemeinsam Werkbeiträge an Kunstschaffende aus. Mit Roland von Flüe, Andreas Gabriel und Severin Barmettler gewinnen dieses Jahr gleich drei Musiker das Preisgeld von insgesamt 30000 Franken.
01. Dezember 2017, 08:03

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Seit 2014 verfolgen die Kantone Ob- und Nidwalden gemeinsam das Ziel, Kulturschaffende aus ihrer Region mit Werkbeiträgen unmittelbar und personenbezogen zu fördern», erklärte Marius Risi, Leiter des Obwaldner Amts für Kultur und Sport, an der Übergabefeier im Sachsler Hotel Kreuz. Und er freute sich, dass er gleich zwei Siegerprojekte vorstellen und den Gewinnern hohe Geldbeiträge übergeben konnte. Risi zur Auswahl: «Für 2017 bezog die Ausschreibung alle Kultursparten mit ein, dennoch schwingen letztlich zwei Projekte aus der Sparte Musik obenaus.»

In der Tat: Die fünfköpfige Fachjury unter dem Präsidium von Markus Brülisauer (Geschäftsführer Haus der Volksmusik Altdorf) hat sich dafür entschieden, den grossen Werkbeitrag von 20000 Franken dem in Sachseln geborenen und in Hünenberg lebenden Saxofonisten und Klarinettisten Roland von Flüe zuzusprechen. Der zweite Werkbeitrag in der Höhe von 10000 Franken geht an die heute in Luzern wohnhaften Nidwaldner Volksmusiker Andreas Gabriel und Severin Barmettler. Zu den Auswahlkriterien führt Risi aus: «Die Jury begutachtete und beurteilte die eingegangenen Gesuche in Bezug auf ihre Eigenständigkeit, auf das Entwicklungspotenzial und auf ihre thematische und künstlerische Relevanz.» Ebenso ins Gewicht gefallen seien beim Entscheid die Realisierbarkeit und der konkrete Bezug zu mindestens einem der beiden Kantone.

Von Flüe: Musikalische Grenzbetrachtungen

Der 56-jährige Jazzmusiker und Komponist Roland von Flüe erhält einen Werkbeitrag für sein Projekt «Borderlines/Grenzbetrachtungen». Marius Risi dazu: «Dabei ist er von der heimischen Topografie inspiriert und nimmt sich konkret vor, die Horizont­linie zwischen dem Stanserhorn und dem Graustock in Musik umzuwandeln.» Ausgehen würde der Jazzmusiker von einer kühnen These des Obwaldner Volksliedforschers Alfred Leonz Gassmann (1876–1962). Dieser habe einst behauptet, dass die Melodien eines Volkes von den Sil­houetten ihrer Heimatberge beeinflusst seien.

Jurypräsident Markus Brülisauer ist von der Idee von Flües überzeugt. «Der Zufall will es, dass gerade die Grenzlinie zwischen Obwalden und Nidwalden, vom Stanserhorn bis zum Graustock – mit Höhenmetern und markanten Stellen – eine musikalische Kantonsgrenze ist», pointiert er. Das in der Topografie gefundene Material sowohl kompositorisch als auch improvisatorisch zu verarbeiten, besitze hohe Innovationskraft. Von Flüe selber nennt sein Vorhaben, mit dem er urschweizerische Weltmusik schaffen will, «Jazzmusik mit imaginärer Folklore».

Gabriel und Barmettler: Entdecker

Das zweitrangierte Projekt hat Andreas Gabriel (35-jährig und ursprünglich aus Obbürgen) zusammen mit seinem Kollegen Severin Barmettler (30-jährig, aus Emmetten stammend) eingegeben. Ein volkskundliches Rechercheprojekt mit dem Titel «Un­entdeckte Unterwaldner Volks­musik» sei es, verriet Marius Risi. Die Musiker planen, in privaten Unterwaldner Häusern nach altem und vergessenem Notenmaterial zu suchen. Auf diese Weise möchten sie verschiedene Musikstücke musikalisch wiederbeleben. Jurypräsident Markus Brülisauer ist voll Vorfreude, wenn er sagt: «Man darf davon ausgehen, dass in Schubladen und auf Estrichen noch einige Notenbüchlein auf ihre Entdeckung warten.» Nur: So ein Projekt brauche Zeit. Seien dann aber die Schätze einmal gehoben, würden sie von den Musikern bestimmt neu arrangiert und auch aufgeführt. Der Jurypräsident formuliert seine Hoffnung gar noch konkreter: «Vielleicht wird sogar der eine oder andere neue-alte Hit à la ‹Schäfli-Schottisch› oder ‹Grüezi wohl, Frau Stirnimaa› des legendären Gabriel Käslin ausgegraben!» Die beiden Gewinner seien ja bekannt für ihren zeitgenössischen Umgang mit Volksmusik und den Respekt für ihre Wurzeln.


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