Die Bienen schwärmen von der neuen Imker-«Hochschule»

OBWALDEN ⋅ Der Bienenzüchterverein hat mit grossem Einsatz seinen alten Lehrbienenstand erneuert und ausgebaut. Zur Einweihung unter dem Motto «Grossi Biäschwärmerii» ist die ganze Bevölkerung eingeladen.
18. Mai 2017, 09:07

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Hunderte emsiger Bienen schwärmen an einem der ersten warmen Tage im Mai aus, suchen Nektar vor den Fluglöchern des Obwaldner Lehrbienenstandes im Foribach. Nicht weniger fleissig sind jetzt eine Frau und zwei Männer, alle Imker. Da ist Brigitte von Flüe, die Präsidentin des Obwaldner Bienenzüchtervereins. Neben ihr steht Hans Vogler, der diesen Ort viele Jahre lang mit Kursen belebt hatte. Bei ihnen ist auch Alois Kiser, ein gelernter Schreiner vom Ramersberg, der jetzt Hunderte Arbeitsstunden in den Um- und Neubau des Lehrbienenstandes investiert hat. Eben wirft er noch einen letzten zufriedenen Kontrollblick auf das grosse Gemeinschaftswerk.

Am 20. Mai soll ein einmaliges Fest gefeiert werden: An diesem Tag wird der passionierte Imker und Kollegi-Pater Beda Szukics den völlig erneuerten Lehrbienenstand einweihen. Dazu laden die Bienenzüchter Sponsoren, Naturliebhaber, Bienenfreunde, Gross und Klein, Jung und Alt ein.

Fast alles neu machte dieser Mai

«Weil das Dach des alten Standes nicht mehr dicht war und die immer grössere Zahl von Imkerinnen und Imkern an den Hocks nicht mehr genügend Platz fand, hat unser Verein nach langen Diskussionen einem kostspieligen Bauvorhaben zugestimmt», erzählt die Präsidentin. Der Schulungsraum sei abgerissen und mit Mondholz aus Alois Kisers eigenem Wald ganz neu – ja praktisch doppelt so gross – wieder aufgebaut worden. Dazu kamen erstmals auch eigene sanitäre Anlagen und eine Küche. An die auf 50000 Franken geschätzten Kosten steuerte der Verein aus seinem Vermögen 10000 Franken bei. Unverzichtbar war Fronarbeit, die zahlreiche motivierte Vereinsmitglieder unter der Bauleitung von Alois Kiser und Ernst Huser geleistet haben. Diese sei mit 10000 Franken zu beziffern.

«Doch selbst damit wäre unser Neubau nicht möglich gewesen, wenn das Bienlein nicht landauf, landab unzählige Freunde hätte», ist Brigitte von Flüe klar. Tatsächlich kamen die darüber hinaus benötigten 30000 Franken bald einmal als Sponsorengelder zusammen. «Weil auch der Kanton und die Gemeinde Sarnen uns Imkern grosszügig und unbürokratisch entgegenkamen, konnten wir mit dem Bau getrost beginnen», sagt Brigitte von Flüe. Beim Bau sei dann alles rund gelaufen. Was bedeutet: Schon ab diesem Sommer können zwei neue, gutausgebildete Berater – Irene Burch, eine engagierte Imkerin vom Melchtal, und Bruno Zumbühl, ein früherer Giswiler Lehrer – im neuen geräumigen Lokal zu Beratungsabenden und Kursen einladen.

Der erste Lehrbienenstand entstand aus Abbruchholz

Einer, der sich über den schönen neuen Lehrbienenstand auch freut, ist der 65-jährige Lungerer Hans Vogler. Bevor er kürzlich in den Ruhestand getreten ist, hatte er hier in 25 Jahren rund 300 Imker ausgebildet. An zahllosen Abenden wusste er Rat, wo immer Probleme auftraten. In Österreich hatte er eine Schule besucht und 1990 ein staatliches Diplom als Imker erworben. Bald übernahm er wichtige Aufgaben bei den Obwaldner Bienenzüchtern. So kennt er ihre Geschichte wie kein Zweiter. «Unser Lehrbienenstand ist 1975 für damals hohe 25000 Franken errichtet worden», erzählt er. «Mit Abbruchholz der Wiler Kuranstalt Friedenfels und über 1500 Fronstunden Einsatz.» Dass der wichtige Treff entstand, hätten die Imker der Beharrlichkeit des damaligen Präsidenten Alois Amrein und dem guten Geist des Benediktiner-Bruders Luitfried (Kollegi-Imker) zu verdanken. Im Sommer 1976 fand dann die Einweihung statt.

Vogler bleiben die vielen Stunden, in denen er Kinder und Jugendliche mit Bienen vertraut gemacht hat, in besonderer Erinnerung. «Zu uns kamen viele Schulklassen oder Ferienpass-Kinder, ja mit dem Lama-Trekking gar Kinder aus der Stadt – alles in allem rund 1800.» Mit allen habe er Honig aus Waben genommen, geschleudert und abgefüllt. «Die Honigschnitte, die alle Kinder am Schluss des Kurses geniessen durften, ist für sie wohl einmalig und unvergesslich geblieben», ist er überzeugt. «Die Arbeit mit Kindern ist unsere beste Werbung, denn viele von ihnen kommen später als Erwachsene zurück, um das Imkern von Grund auf zu erlernen.» Vogler schmunzelt: «Dass in den vielen Jahren nur drei Kinder gestochen worden sind, beweist, wie friedlich Bienchen sind.» Wer daran zweifelt, müsste an der Einweihung des neuen alten Lehrbienenstandes unbedingt teilnehmen: Bei einem Rundgang im Bienenhaus oder in der Ausstellung erfährt man viel Wissenswertes zur Biene, diesem wunderbaren kleinen Lebewesen.

Hinweis: Eröffnung neuer Lehrbienenstand des Bienenzüchtervereins Obwalden: Samstag, 20. Mai, Hubelweg in Sarnen. 10.30 Uhr: Einsegnung. 11 bis 17 Uhr: Ausstellung, Kinderprogramm und Festwirtschaft. www.bienen-ow.ch


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