Neue Wohngruppe für Menschen mit Demenz

GISWIL ⋅ Seit ein paar Tagen hat die Betagtensiedlung d’r Heimä auch eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz. Am Wochenende wird diese offiziell eröffnet.
07. November 2017, 05:00

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Es ist drei Uhr nachmittags in der neuen Wohngruppe für Menschen mit Demenz. Nach und nach versammeln sich die Bewohnerinnen um den Tisch. Pflegefachfrau Elisabeth Burch bietet Fruchtsalat und Kaffee an. Sie ist Stationsleiterin. «Gruppenleiterin», verbessert sie, «wir sind ja eine Wohngruppe.» Wichtig ist ihr und ihren Mitarbeitern, dass sich die Bewohner zu Hause fühlen. «Sie sollen leben können, wie sie es gewohnt sind, möglichst nah am Leben von daheim», drückt es Geschäftsführer Daniel Kiefer aus.

Im September 2016 erteilte ihm der Stiftungsrat den Auftrag, eine Wohngruppe für Menschen mit Demenz einzurichten. «In einem kleinen Haus ist es eine Herausforderung, eine solche Abteilung einzurichten», betont Kiefer. Acht von fünfzig Plätzen gehören nun in die Wohngruppe. Es habe eine Rochade gegeben. Sowohl im Hinblick auf den Einsatz des Personals als auch auf die baulichen Anpassungen des Hauses habe das einige Überlegungen verlangt. Eine Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern, Pflegeleitung und Geschäftsführer befasste sich mit den nötigen Planungen.

«Die Räumlichkeiten sind ja nicht beliebig vergrösserbar», erklärt Kiefer. Der Aktivierungsraum aus dem Untergeschoss musste ein Stockwerk höher verlegt werden, um Platz zu machen für die neue Wohngruppe mit Gemeinschaftsräumen wie einer Wohnküche, einer Stube und einem Nähzimmer und persönlichen Zimmern. Von der Küche aus gelangen die Bewohner ebenerdig in den Garten mit Kleintieren. Die Eingangstür ist geschlossen, denn Menschen mit Demenz können sich häufig nicht mehr orientieren. Der Garten wurde in einem Sozialprojekt vom Giswiler Gartenbauunternehmen Enz mit allen Lehrlingen neu gestaltet. Ein Rundweg hilft, wieder heimzufinden in die Wohngruppe. Dass dieser mit einem speziellen Belag aus weichem, rutschfestem Kunststoff sein solle, war eine Idee eines Mitarbeiters und trägt zur Sturzprophylaxe bei. Eingesperrt fühlt sich hier niemand.

Leben fast wie in der eigenen Vergangenheit

Die Gartentüren sind mit einem elektrischen Alarm ausgerüstet, der auf die Armbänder der Bewohner reagiert. Viel Mühe gaben sich die Planer auch mit der Einrichtung, die möglichst aus der Zeit der Sechziger sein sollte, in der die Bewohner jung waren. «Sie stammt zum Teil von unserem Estrich im Haus, und Angehörige spendeten uns Möbel aus einem Nachlass einer Bewohnerin», erzählt Beatrice Rast, Leiterin Pflege und Betreuung. «Zum Teil war uns gar nicht bewusst, welche Schätzchen wir unterm Dach hatten.» Ein Sekretär, ein Schuhschrank, ein Telefontischchen oder eine Standuhr vermitteln den Eindruck einer guten Stube von früher.

Das hat seinen Grund. «Demente Menschen leben in ihrer eigenen Welt. Sie gehen zum Teil bis in ihre Kindheit zurück», erklärt Rast. «Wir versuchen, sie abzuholen. Biografiearbeit ist für uns ein grosses Thema.» Sie nennt ein Beispiel: «Da ist eine Frau, die heim will, um für ihre Kinder zu kochen.» In der Wohngruppe kann sie das Essen zubereiten helfen. Eine Bewohnerin hilft eifrig beim Abwasch. Eine andere habe bereits die Nähmaschine in Beschlag genommen, sie war früher Schneiderin.

Das Personal samt Servicemitarbeitern wurde bereits geschult im Umgang mit Menschen mit Demenz und wird laufend weitergebildet. Alle in der neuen Wohngruppe meldeten sich freiwillig für ihren Einsatz. «Ich schätze die persönliche Beziehung zu unseren Bewohnern, dass man mehr Zeit hat, auf sie einzugehen», sagt Elisabeth Burch.
Hinweis

Am Freitag, 10. November, ab 16.30 Uhr, wird die Wohngruppe eröffnet. Am Samstag Einsegnung mit Pfarrer Walter Eberli, ab 10 Uhr. www.betagtensiedlung.ch


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