Nicht nur ein Haus für Gebrechlichkeit und Tod

OBWALDEN ⋅ Mehr Zusammenarbeit haben sich die Betagteneinrichtungen auf die Fahne geschrieben. Studien würden Berichten über Missstände in solchen Institutionen widersprechen, sagte ein Fachmann.
20. Mai 2017, 10:39

Curaviva Obwalden, der Verband der kantonalen Betagteninstitutionen, traf sich am Dienstag in der Seniorenresidenz am Schärme in Sarnen zur Jahresversammlung. Die statutarischen Geschäfte waren schnell erledigt. In ihrem Jahresbericht brachte Präsidentin Theres Meierhofer (Erlenhaus Engelberg) ihre Freude über die gute Zusammenarbeit mit allen Partnern im Gesundheitswesen zum Ausdruck. Dazu gehörten nicht nur die verschiedenen Dienstleistungsorganisationen im Gesundheitsbereich, sondern auch der Kanton und die Einwohnergemeinden.

Meierhofer würdigte den gemeinsamen Beschluss der Obwaldner Gemeinden, die Verantwortung für Pflege, Betreuung und Begleitung von betagten Personen auch in Zukunft gemeinsam mit den sieben Betagten­institutionen zu übernehmen: «Die kostendeckende Restfinanzierung der Pflegekosten durch die Einwohnergemeinden ist eine Errungenschaft, zu der wir Sorge tragen müssen – im Interesse der betagten Menschen in unserem Kanton.»

Gemeinsames Handeln bekräftigt

Im vergangenen Jahr hat sich Curaviva Obwalden nicht nur nach aussen vernetzt, sondern auch nach innen orientiert. An einem Workshop der Trägerschaften und Betriebsleitungen wurden Strategie, Kultur und die Aufbauorganisation des Verbands dis­kutiert und das gemeinsame Handeln bekräftigt. Vor diesem Hintergrund stellten sich an der Versammlung alle Vorstandsmitglieder und die Präsidentin zur Wiederwahl. Neu in den Verbandsvorstand gewählt wurde Herbert Gasser, der neue Betriebsleiter im Eyhuis in Lungern. Die Kosten für die Verbandsarbeit beliefen sich 2016 auf 18 976 Franken und waren durch die Mitgliederbeiträge in der Höhe von 3000 Franken pro Institution mehr als gedeckt.

Mit guten Geschichten entgegenhalten

In einem Referat nahm Markus Leser, Leiter Fachbereich Alter von Curaviva Schweiz, Stellung zu aktuellen Negativschlagzeilen in den Medien. «Die einseitigen Berichte über Missstände in Pflegeheimen stehen im Widerspruch zu allen Studien und Befragungen mit Bewohnern, ihren Angehörigen und den Pflegenden», zeigte Leser auf. «Die Betagteninstitutionen haben in der Gesellschaft vor allem deshalb ein negatives Image, weil sie immer mit Gebrechlichkeit und Tod in Verbindung gebracht werden.» Das hohe Alter sei jedoch eine wichtige Lebensphase, die es differenziert zu beleuchten gelte. Er forderte die Verantwortlichen auf, selbstbewusst Geschichten aus ihrem Alltag zu erzählen – Geschichten, die betagte Menschen ermutigen, dem Lebens­ende gelassen entgegenzugehen. Ganz wichtig seien dabei auch tröstliche Abschiedsrituale, wie sie in Obwalden in vielen Institutionen gepflegt würden. «Pflegeheime sind viel besser als ihr Ruf.» Mit dieser Überzeugung schloss die Präsidentin die Versammlung. Das könne man durchaus auch in Zeitungen lesen. Allerdings nicht auf der Frontseite, sondern in den Todesanzeigen. (pd)


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