Niklaus von Flüe beeindruckt die ganze Schweiz

OBWALDEN ⋅ Seit acht Wochen ist der mobile Pavillon «Niklaus von Flüe – Unterwegs» auf Tour durch die Schweiz und hat bereits in 17 Kantonen Halt gemacht. Es zeigt sich: Der Eremit kommt an – er ist wirklich für alle da.
19. August 2017, 05:00

Wer sich auf das Experiment im mobilen Pavillon «Niklaus von Flüe – Unterwegs» einlasse, sei nach der Reise in die eigene Gedankenwelt beeindruckt, teilweise gerührt und oft mitteilsam, erzählt Irene Nanculaf, Mediensprecherin des Projekts. «Häufig öffnen sich Besucher, erzählen von ihren Reflexionen. Ein Jugendlicher meinte überrascht: ‹Niklaus von Flüe hat einfach zugehört. Und ich habe erzählt.›» Es sei oft so, gerade bei anfänglich skeptisch eingestellten Besucherinnen und Besuchern, dass sie nach dem Erlebnis wesentlich entspannter seien. So habe ein zuerst gestresst wirkender Wanderer gesagt: «Es war eindrücklich. Die Augen von Bruder Klaus haben mir gesagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Wieder eine an­dere Besucherin sei im Innern ihrem Vater ein Stück nähergekommen, während eine andere bei der Begegnung mit Niklaus von Flüe ein tiefes Glücksgefühl empfunden habe. Die meisten Reaktionen seien positiver Natur. «Nur vereinzelt hat es auch kritische Stimmen gegeben, beispielsweise, dass wir Niklaus von Flüe falsch verstanden hätten», sagt Irene Nanculaf.

Es wird ganz bewusst nicht vom Heiligen gesprochen

Das mobile Erlebnis im Rahmen des Gedenkjahres macht Halt in allen Kantonen. Mittlerweile ist es seit acht Wochen unterwegs und war bereits in 17 Kantonen zu Gast. Regierungsrat Franz Enderli kann sich zur Halbzeit über den Projekterfolg freuen – Ziel erreicht: «Mit dem einzigartigen Projekt tragen wir Niklaus von Flüe nach aussen, machen seine Werte und sein weitgreifendes Wirken Menschen in der ganzen Schweiz zugänglich.»

Tatsächlich bestätigt Irene Nanculaf, dass man keinen Unterschied feststelle, ob man sich in einem katholisch geprägten Gebiet befinde oder in einem reformierten Kanton – Niklaus von Flüe kommt überall gut an. «Es wird in diesem Projekt ja auch ganz bewusst nicht vom Heiligen Bruder Klaus gesprochen, sondern es geht um den Menschen, den Mystiker und den Mittler», erklärt Irene Nanculaf. Oder wie es Franz Enderli, der auch Präsident des Trägervereins «600 Jahre Niklaus von Flüe» ist, zu Beginn des Gedenkjahres formulierte: «Niklaus von Flüe ist für alle da». Der ungewöhnliche Pavillon überrasche die Besucher durch seine tiefgründige Schlichtheit und rufe auf zur Selbstreflexion und zur Besinnung auf das Wesentliche, nennt Irene Nanculaf einen möglichen Grund, dass sich auch viele Leute auf Niklaus von Flüe einlassen, die sich bisher nicht sehr mit ihm befassten. «Den Besuchern wird keine herkömmliche Ausstellung geboten, sondern Zeit und Entschleunigung.»

Pavillon ist durchwegs ausgelastet

Während der Tournee haben sich bisher rund 1600 Personen auf das Erlebnis mit Niklaus von Flüe eingelassen, und sehr viele mehr haben sich vor Ort über das Thema informiert. Der Pavillon war durchwegs ausgelastet. Alle fünf Minuten wird eine Person hineingelassen, pro Stunde also zwölf Personen. Offen ist der Pavillon jeweils acht Stunden. «Wir haben ‹Zeit-Slots› und teilen den Wartenden mit, wie lange es dauert, bis sie dran sind – sie können sich auch einen späteren Zeitpunkt reservieren.» Bisher kam es nur selten vor, dass keine Lösung gefunden wurde, beteuert Irene Nanculaf. Über Solothurn und Freiburg gehts nun weiter durch die Westschweiz, das Wallis und das Tessin mit Abstechern in die letzten Deutschschweizer Kantone. Rechtzeitig zum Start der offiziellen Gedenktage kehrt der Pavillon zurück nach Sachseln, wo am Samstag, 23. September, ein vielseitiges dreitägiges Programm beginnt.

 

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ obwaldnerzeitung.ch


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