Früher bediente Markus Degen Gäste, nun fährt er sie mit der Bahn auf den Pilatus

OBWALDEN ⋅ 40 Jahre war der gebürtige Basler Markus Degen mit grosser Leidenschaft im Gastgewerbe tätig. Jetzt wechselte der Wahl-Obwaldner die Branche und wurde vom Gastronom zum Pilatus-Wagenführer.
12. September 2017, 05:00

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Isch dä früehner nid i dr ‹Chrone› gsi?», will eine Frau von ihrem Mann wissen. Das ältere Ehepaar sitzt in einem Triebwagen der Pilatus-Zahnradbahn und hat mit vielen Touristen die Fahrt von Alpnachstad auf Pilatus Kulm vor sich. Der Wagenführer schliesst die Türen und begibt sich in den Führerstand, wo er die Gäste zur Fahrt mit der steilsten Zahnradbahn der Welt begrüssen kann.

«Es könnte schon der Degen von der ‹Krone› sein», beantwortet schliesslich der Mann die Frage seiner Frau. Und tatsächlich: Beim Triebwagenführer im legeren roten Pilatus-T-Shirt handelt es sich um den heute 59-jährigen gebürtigen Basler Markus Degen. Auch der ‹Kronen›-Verdacht stimmt: Degen kam 1984 als Rezeptionist zum Direktionsehepaar Bruno und Uschi Bachmann ins Sarner Viersternehotel.

Tausende Kilometer auf dem Sarnersee gerudert

Seither ist er dem Kanton Obwalden treu geblieben. «Mit dem Heimatkanton Basel bin ich nach wie vor stark verbunden», betont Degen im Gespräch mit unserer Zeitung, «doch ich liebe den See. Und die eher sanft aufragenden Obwaldner Berge geben mir ein Gefühl der Geborgenheit.» Auf dem Sarnersee ist er in seiner Freizeit jährlich bis zu 2600 Kilometer mit dem Skiff gerudert. «Rudern ist für mich eine Art Meditation», betont er. Von 2004 bis 2014 präsidierte Degen denn auch den Ruderclub Sarnen.

Bevor er die Branche wechselte, war er während rund 40 Jahren im Gastgewerbe tätig. Bereits seine kaufmännische Lehre absolvierte er von 1977 bis 1980 im Hotel International Basel. «Schon damals erkannte ich, dass man im Gastgewerbe nur erfolgreich arbeiten kann, wenn man Leidenschaft und viel Herzblut einsetzt. Das gilt heute noch», ist Degen überzeugt. Und bereits in der Lehre seien seine Arbeitszeiten länger als die der Altersgenossen gewesen. «Meinem Vater durfte ich gar nicht verraten, wie lange ich arbeitete, denn als Lehrer verkörperte er in Sachen Arbeitszeit genau das Gegenteil», blickt Degen zurück.

In all den Jahren hat sich Degen ständig weitergebildet. In seiner beruflichen Tätigkeit standen die Bereiche Getränke und Lebensmittel im Vordergrund. Im Sarner Hotel Krone arbeitete er erst als Rezeptionist, ab 1987 als Food and Beverage Manager (Speisen und Getränke). Von 1996 bis 2004 übte er gleichenorts die Funktionen Vizedirektor, Maître d’hotel, Chef de Réception und Personalchef für 52 Mitarbeiter aus. Er verliess 2004 die «Krone» nach 20 Jahren mit dem Direktionsehepaar Bachmann. Anschliessend war Degen im Seehotel Sternen in Beckenried und im Roche Forum in Buonas ZG und von 2011 bis 2016 als stellvertretender Leiter Hotellerie und Gastronomie sowie F&B-Manager auf Pilatus Kulm tätig.

Nach elf Tagen Fahrschule die Prüfung bestanden

Ende 2016 zog Markus Degen nach über 40 Jahren Tätigkeit im Gastgewerbe einen Schlussstrich. «Aber als 58-Jähriger fühlte ich mich noch zu jung, Pensionär zu sein.» Auf Pilatus Kulm hatte er in den sechs Jahren als Verantwortlicher für den Bereich Speisen und Getränke eine zusätzliche Aufgabe zu erfüllen: Die Organisation der Transporte vom Tal auf den Berg und umgekehrt. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit mit dem Bahnpersonal – und plötzlich reifte der Gedanke, Triebwagenführer bei der Zahnradbahn zu werden. «Die Sache klappte, ich bestand nach elf Tagen Fahrschule die Prüfung vor dem Bundesamt für Verkehr», berichtet Degen. Schon vielen wird es wie dem eingangs erwähnten Paar ergangen sein, denn seit Mai ist er im Einsatz. «Mir gefällt der Job, es macht mir Spass, täglich Fahrgäste aus aller Welt zu sehen und regelmässig auch ein kurzes Gespräch zu führen und Fragen zu beantworten.» Wie lange er diesen Job ausüben will, ist für ihn völlig offen.

Seit vielen Jahren pflegt der Single Markus Degen ein ganz spezielles Hobby, den Bordeaux. Er hat sich nicht nur viel Wissen über diesen Wein – regelmässig auch vor Ort – angeeignet, er ist auch Besitzer einer stattlichen Sammlung edler Bordeaux-Weine. Bei einem guten Essen mit Kollegen über Wein zu diskutieren und ihn zu geniessen, das bleibt neben dem Rudern auch nach dem Berufswechsel eine grosse Leidenschaft. «Selbstverständlich nicht, wenn ich am folgenden Tag Dienst habe», versichert Degen schmunzelnd.


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