Kanton Obwalden will Verlustgeschäft vermeiden

LANDVERKAUF ⋅ Wenig Rendite, dafür viel Kritik brachte die Parzelle Bachmattli der Regierung ein. 2,4 Millionen hatte sie gekostet, nun wird sie verkauft. Auf dem Land soll ein öffentlicher Reitplatz entstehen.
Aktualisiert: 
10.11.2017, 19:00
10. November 2017, 09:18

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch
Die Geschichte der Alpnacher Parzelle Bachmattli erhält ein neues Kapitel: Der Kanton als Eigentümer will einen Teil des Landes in Schoried verkaufen, wie er am Freitag mitteilte. Konkret sei der Verkauf von rund einem Drittel der 3,5 Hektaren geplant, sagte Volkswirtschaftdirektor Niklaus Bleiker auf Anfrage. Käufer sind Remo und Bianca Obrist-Bettermann, Eigentümer des Wohnhauses auf der Parzelle. Sie möchten auf dem Land einen Pferdestall mit einem gedeckten öffentlichen Reitplatz bauen.

Bianca Obrist zeigte bereits 2010 Interesse an der Liegenschaft, als diese im Pfändungsverfahren gegen den verstorbenen Eigentümer Siegfried Zwimpfer versteigert wurde. Den Zuschlag erhielt jedoch der Kanton – für 2,4 Millionen, bei einer betreibungsamtlichen Schätzung auf 200'000 Franken. Das führte zu Kritik: SVP-Kantonsrat Peter Seiler (Sarnen) vermutete in einer Anfrage, die Regierung spekuliere auf eine Umzonung zu Bauland. Und Klaus Wallimann (CVP, Alpnach) mahnte an die Wirtschaftlichkeit, als das Land auf einen Buchwert von 420'000 Franken abgeschrieben wurde. Die Regierung begründete, man habe mit dem Kauf Steuerschulden des verstorbenen Landbesitzers sichern wollen, und hielt sich über ihre Absichten für das Land bedeckt. Ein Verkauf sei mittelfristig nicht geplant. Das hat sich nun offenbar mit der Anfrage der Obrists geändert.

In der Staatsrechnung 2016 hatte die Parzelle noch einen Buchwert von 216'000 Franken. «Wir hatten bisher keine grosse Rendite aus dem Land», sagt Bleiker. Die restliche Landfläche will der Kanton dem jetzigen Pächter verkaufen – mit Ausnahme von 619 Quadratmetern, die bei der letzten Teilrevision der Alpnacher Ortsplanung zu Bauland umgezont wurden. Hier sei man mit einem geeigneten Käufer in Kontakt, so Bleiker. Er hofft, mit den Veräusserungen «einen angemessenen Betrag» in der Nähe der damals bezahlten 2,4 Millionen zu erreichen. «Ein Verlustgeschäft wird es hoffentlich nicht.»

Kanton hatte auf mehr Bauland gehofft

Bleiker bestätigt, dass der Kanton auf eine grössere Baulandeinzonung als die 619 Quadratmeter gehofft hatte. «Uns war jedoch klar, dass der Grüngürtel zwischen Schoried und dem Dorf erhalten bleiben muss.» Der Kanton habe sein damaliges Begehren zu spät eingereicht, erklärt dazu Gemeindepräsident Heinz Krummenacher.

Der Gemeinderat begrüsst die Pläne der Regierung und die damit einhergehende Überlagerung mit einer Spezialzone für hobbymässiges Reiten. Hauptgrund ist der Erhalt der Grünfläche und des Landwirtschaftslandes. Die Obrists betreiben schon heute hobbymässig eine Reitanlage und können dafür Land eines anstossenden Bauern als Weide nutzen. Diese Fläche würde nach dem Kauf nur verlagert.

Die überlagerte Zone bedeutet, dass die Anlagen abgebaut werden müssen, wenn das Gebiet einmal nicht mehr für den Reitsport genutzt wird. «Das ist für uns momentan nicht relevant. Wir leben im Hier und Jetzt», meint Bianca Obrist auf Anfrage. Gelinge das Vorhaben, werde man ortsübliche Öffnungszeiten und Tarife festlegen. Eine Spezialzone für den Pferdesport ist auch in Kägiswil geplant. An dem Kompetenzzentrum für Reitsport wollten sich auch die Obrists beteiligen. Doch das Projekt stiess im Juni auf grossen Widerstand aus der Bevölkerung (wir berichteten). Ob die Pläne in Schoried ein Ersatzprojekt seien, dazu wollte sich Obrist nicht äussern.

Zuständig für die Genehmigung der überlagerten Zone in Schoried ist die Alpnacher Stimmbevölkerung. 2018 soll das Geschäft vors Volk kommen. Gemeindepräsident Krummenacher ist zuversichtlich: «Die Dimensionen sind mit Kägiswil nicht vergleichbar, und die Landwirtschaftsfläche bleibt erhalten. Wenn die Leute das realisieren, werden sie dem Projekt nicht abgeneigt sein.»


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