Parlament will Holzhäuser fördern

OBWALDEN ⋅ Minergie ist gut und recht, aber Holzhäuser weisen ebenfalls eine hervorragende Energiebilanz auf. Der Kantonsrat will deshalb auch Holzbauten mit Fördergeldern unterstützen. Die Regierung ist aus zwei Gründen skeptisch.
09. Oktober 2017, 05:00

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

Eine solch breit und fraktionsübergreifend unterstützte Motion sieht man nicht alle Tage: 39 Kantonsräte haben ihre Unterschrift unter das Begehren von Peter Wälti (CVP, Giswil) gesetzt. Dieser verlangt, dass der Kanton den Bau von energiesparenden Holzhäusern finanziell unterstützt.

Wältis Argumentation: Wer energetisch sinnvolle Bauten erstellt, erhält bereits heute Fördergelder von Kanton und Bund – bekanntes Beispiel hierfür sind Minergiegebäude. Bei den meisten Minergiestandards wird aber nur die Energiebilanz nach dem Bau berücksichtigt, nicht aber beispielsweise die Frage, welche Materialien beim Bau benutzt werden und ob die Beschaffung und Verarbeitung dieser Materialen ökologisch überhaupt sinnvoll ist. Dies will Wälti ändern. Entscheidend sei eine Gesamtenergiebetrachtung (Stichworte Graue Energie und Treibhausgase). Es zeige sich, so Wälti, dass Vollholzhäuser teilweise energetisch viel besser abschneiden als herkömmliche ­Minergiehäuser.

Der Bund würde nicht mitmachen

Wälti schlägt deshalb vor, dass der Kanton ab 2018 auch ökologische Holzbauten ins Förderprogramm aufnimmt. Zudem soll es einen Bonusbeitrag geben für Bauherren, die Schweizer Holz verwenden: 150 Franken pro Kubikmeter. Gemäss Regierung ist ein solcher Bonus für Schweizer Holz aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht möglich. Abgesehen davon findet sie das Anliegen toll. Trotzdem empfiehlt sie dem Kantonsrat, die Motion abzulehnen. Dies vor allem aus zwei Gründen: zu kompliziert und zu teuer.

Das Energieförderprogramm des Kantons stützt sich auf das HFM 15 – das harmonisierte Fördermodell der Kantone im Energiebereich. Dieses Grundlagenpapier dient den Kantonen als Wegleitung, wie und wann Fördergelder für energiesparende Gebäude fliessen sollen. Indem sich der Kanton ans HFM 15 hält, kriegt er auch die maximalen Förderbeiträge des Bundes. Wenn ein Kanton zusätzliche Förderprogramme einrichten möchte, darf er das tun – vom Bund ist dabei allerdings keine Hilfe zu erwarten.

Der Vorschlag von Peter Wälti, so schreibt die Regierung nun in ihrer Antwort auf die Motion, sei zwar begrüssenswert, aber er sei nicht Teil des HFM 15. Und hier liegt das Problem: Der Kanton Obwalden müsste – mit Hilfe von Fachorganisationen und Experten – ein völlig neues und eigenständiges Reglement erstellen, um ökologische Holzbauten speziell zu fördern. Dies sei mit einem erheblichen administrativen und finanziellen Aufwand verbunden, schreibt die Regierung. Sobald ein solches Förderprogramm in Kraft treten würde – laut Regierung wäre dies ohnehin frühestens auf 2019 machbar –, belasten dann noch zusätzlich die jährlichen Fördergelder die Kantonskasse. Bei zehn geförderten Holzbauten pro Jahr, so die grobe Schätzung der Regierung, würden jährlich etwa 150 000 Franken ins neue Förderprogramm fliessen – also etwa gleich viel wie ins herkömmliche Förderprogramm für Minergiebauten, wobei es für Letztere zusätzlich Bundesbeiträge gibt.

So sinnvoll die Idee Wältis auch sei: In der «heutigen finanziell sehr angespannten Lage» müssten Prioritäten gesetzt und «zusätzliche Aufgaben mit grösster Zurückhaltung angegangen werden», resümiert der Regierungsrat in seiner Antwort auf die Motion.

«Das wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal»

Auf Anfrage zeigt sich CVP-Kantonsrat Peter Wälti – selbst beruflich in der Bauplanung tätig – «enttäuscht von der Antwort der Regierung». Zwar könne er deren Argumente teilweise nachvollziehen. Doch trotz der angespannten Finanzen: Hier könne der Kanton Obwalden eine Pionierrolle einnehmen. «Eine solche Förderung von Holzbauten gibt es noch nirgends in der Schweiz. Das wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal.» Den adminis­trativen Aufwand schätzt er zudem einiges geringer ein, als von der Regierung dargelegt.

Wälti zeigt sich überzeugt, dass andere Kantone – und später auch der Bund – diesem Beispiel Obwaldens folgen würden. Seine Motion sei nicht einfach eine spontane Idee, sondern während zwei Jahren gewachsen, dahinter stecke viel Arbeit. Er hoffe, so Wälti, dass das Parlament trotz der abschlägigen Antwort der Regierung die Motion weiterhin unterstützt und sie überweist. Schliesslich gelte es auch, «an die nachfolgenden Generationen zu denken».

Behandelt wird der Vorstoss an der nächsten Kantonsratssitzung vom 27. Oktober.


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