Patentjäger: 100 Jahre Jagd und Hege

OBWALDEN ⋅ Der Patentjäger-Verein feiert seinen 100. Geburtstag. 1917 hatten sich 50 Männer an der Landsgemeinde erfolgreich gegen die sogenannte «Herrenjagd» gewehrt. Heute sind ihnen dafür 440 Patentjäger dankbar.
18. Mai 2017, 05:00

Romano Cuonz

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«In seiner 100-jährigen Tätigkeit hat sich der Patentjäger-Verein stets für die Anliegen der Obwaldner Jägerschaft starkgemacht, dafür gebührt ihm grosser Dank», hält Landstatthalter Paul Federer gleich zu Beginn der 123-seitigen Jubiläumschronik fest. Und er betont auch, wie notwendig es war – und eben immer noch ist –, dass Jagd einerseits Traditionen wahrt, sich aber andererseits auch lebendig und offen gegenüber Neuerungen zeigt. Ein Beispiel dafür, dass dies den Hubertusjüngern nicht immer leichtgefallen ist, ist die Rückkehr des Luchses. Auch eines von vielen Themen in der Festschrift.

Am Anfang stand ein harter Kampf

Seite für Seite, Bild um Bild erzählt diese Schrift dem Leser spannende und oftmals auch überraschende Berichte zur Jagdgeschichte. Autor und Redaktor René Ming, acht Mitarbeiter und die Layouterin Regina Halter vermögen darin aufzuzeigen, wie wichtig das Waidwerk der Obwaldner Jäger zu allen Zeiten war. Aber auch, welch immense und unverzichtbare Hegearbeit Patentjäger – und mit ihnen immer auch Jagdbehörden – in all den Jahren für die Obwaldner Natur geleistet haben.

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges nahm der Kantonsrat Anlauf, ein in Obwalden schon fast «heiliges» Recht der Landleute anzufechten: Die Patentjagd sollte durch eine für den Staat einträglichere Revierjagd ersetzt werden. Da jedoch hatten die Behörden die Rechnung ohne einige Sachsler Jäger gemacht. Noch vor der Landsgemeinde rüsteten sie sich mit vielen Gleichgesinnten zum Gegenangriff gegen die sogenannte «Herrenjagd». Dank dem gewieften Landsgemeinderedner und Lungerer Kantonsrat Johann Gasser-Gasser feierte die Patentjagd auf dem Landenberg einen sagenhaften Erfolg: Nur gerade elf Stimmen waren für die Revierjagd. Die Begeisterung bei den Jägern war so gross, dass sie noch im gleichen Jahr – am 9. September 1917 – mit 25 Männern den Obwaldner Patentjäger-Verein gründeten. Zu ihrem ersten Präsidenten wählten sie den Giswiler Stationsvorstand Karl Gehrig. Schon neun Jahre später führten die Jäger in Lungern – diesmal nach heftigen Auseinandersetzungen im Verein – auch das erste Jagdschiessen durch. Die Festschrift erzählt spannend von vielen Problemen, über die die Obwaldner Jäger damals teils heftig diskutierten: Ein Dorn im Auge waren ihnen freilaufende Haus-, Hof- und Jagdhunde. Zu reden gab etwa der Abschuss von Krähen und Elstern an Sonn- und Feiertagen. Gegen die Einführung von Schontagen wurde stark opponiert, auf der andern Seite wollten pflichtbewusste Jäger der allerorts «en gros» betriebenen Wilderei mit strengen Vorschriften energisch zu Leibe rücken.

Steinbock, Luchs und Wildsau

Die Jubiläumsschrift ist in ihrer Themenwahl äusserst vielseitig: So zeigt eine Zahlenübersicht, dass 1932 hundert Patente gelöst und von den Jägern 36 Gämsen, 8 Rehe, 199 Hasen und 127 Füchse geschossen worden sind. Ganz anders die Zahlen 2016: Da wurden inklusive Winterjagd 767 Patente gelöst. Dabei erlegten die Jäger 188 Hirsche, 143 Gämsen, 217 Rehe, jedoch nur noch 7 Hasen. Auch in neuerer Zeit plagen die Jäger einige Sorgen. Dazu gehört etwa die Zunahme der 1971 in Obwalden erstmals wieder eingesetzten Raubkatze Luchs oder umgekehrt der markante Rückgang des Gämswildes, den man im ganzen Alpenraum beobachtet. Dass früher ausgerottete Tierarten wie Hirsch, Steinbock, Bartgeier oder gar Wildschwein in Obwalden wieder vorkommen – und teils gar gejagt werden dürfen –, freut die Hubertusjünger. Auch anderen erfreulichen Themen bietet die Chronik viel Raum: etwa dem gutausgebildeten Jagdhundewesen und der Bedeutung des Eidgenössischen Jagdbanngebiets Huet­stock als neue Heimat des Steinwildes. Oder der faszinierenden Arbeit von Tierpräparatoren in Giswil und Melchtal und der unverzichtbaren Tätigkeit der Hegegemeinschaft. Ein Kapitel gehört den Obwaldner Jagdhornbläsern, die schon an mancher Hubertusmesse – übrigens auch beim Jubiläumsakt in Giswil – für viel Freude sorgten.

Hinweis

100-Jahr-Feier Obwaldner Patentjäger-Verein, 20. Mai, 17.30 Uhr: Hubertusmesse in der Kirche Rudenz, Giswil. 19 Uhr: Feier in der Mehrzweckhalle Giswil. Dort wird auch die Festschrift verkauft.


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