«Pendel kann wieder zurückschlagen»

OBWALDEN ⋅ Bruno von Rotz, Präsident der kantonalen CVP, schlief nach dem Wahlsonntag und dem Sitzverlust nicht gut. Dass die SVP nun auch in der Regierung vertreten ist, findet er aber richtig.
10. April 2018, 08:12

Interview: Markus von Rotz

markus.vonrotz@obwaldnerzeitung.ch

Bruno von Rotz, Ihr Kandidat Michael Siegrist unterlag mit nur 29 Stimmen. Erwarteten Sie ein so knappes Ergebnis?

Ich hatte das Gefühl, es sei fast wie bei einem Cup-Final, wo es auf beide Seiten kippen kann. Es war relativ ruhig im Vorfeld und sehr schwierig einzuschätzen.

Und haben Sie die Nacht auf Montag gut geschlafen?

Nein, gar nicht, es hat mich beschäftigt. Ich würde lügen, wenn ich etwas anderes sagen würde. Es tauchten Fragen auf wie: Was man hätte besser machen können. Michael Siegrist hat in fünf Gemeinden zugelegt. Es gibt immer viele mögliche Erklärungen, aber leider nie die alleinentscheidende.

Sie wussten am Sonntag nicht, warum es Michael Siegrist nicht gereicht hat. Wissen Sie es jetzt?

Nein, nicht wirklich – ich hoffte, dass Sarnen als letzte Gemeinde den Ausschlag zu unseren Gunsten geben könnte. Auch aufgrund der demografischen Zusammensetzung im Hauptort. Dass Daniel Wyler dort im ersten Wahlgang noch am zweitmeisten Stimmen holte, schrieben wir der speziellen Konstellation mit den Kandidaten Spichtig und Berlinger zu. Wir waren in Sarnen auf dem besten Weg, Siegrist überholte am Sonntag Wyler.

Sind Sie nach wie vor überzeugt, dass er der Richtige war? Immerhin stimmten am Parteitag fast gleich viele Leute für Dominik Rohrer.

Wir waren im Evaluationsverfahren erst mit sechs Leuten im Gespräch, am Schluss noch mit zweien. Wir wären auch mit mehr Personen in die Nomination gestiegen, wenn es gewünscht worden wäre. Vom Profil her denke ich, dass Rohrer wie Siegrist gute Kandidaten waren, wenn auch mit unterschiedlich gelagerten Fähigkeiten und Erfahrungen.

Macht die CVP einen Fehler, wenn sie parteiintern auswählen lässt? Die SVP macht es in Ob- und in Nidwalden vor, dass man mit einem von der Parteileitung vorgeschlagenen Kandidaten in der Regel gut fährt.

Ich glaube nicht, dass wir das so wie die SVP handhaben möchten. In der CVP haben wir ganz tolle Leute und eine Häfeli-Deckeli-Aktion möchte ich nicht. Es gibt immer Verlierer, aber unser Verfahren ist sauber und soll gemäss meinem demokratischen Verständnis auch in Zukunft so ablaufen.

War die CVP wirklich wieder so geeint, wie Sie am Sonntag sagten? Als wählerstärkste Partei in vier von sieben Gemeinden, darunter etwa Sarnen oder Sachseln, müsste sie einen zweiten Sitz behalten können.

Für einen Regierungsrat braucht es auch Stimmen aus anderen Parteien, allein schafft keine Partei eine Wahl. Die Frage stellt sich, ob unser Kandidat bekannt genug war, um auch Leute anderer Parteien zu mobilisieren.

Können Sie der Wahl von Daniel Wyler etwas Positives abgewinnen im Sinne, dass nun alle wesentlichen Kräfte in die Regierung eingebunden sind?

Ich denke, das ist absolut eine Chance und ist gut für die anstehenden Geschäfte. Man wird sehen, wie sich das entwickelt und wie die SVP sich verhält. Wichtig ist für mich, dass eine Mehrheit der Bevölkerung das so wollte – allein mit den SVP-Stimmen hätten sie es ja auch nicht geschafft.

Bis 1994 hatte Ihre Partei die absolute Mehrheit in der Regierung. Nun stellen alle Parteien nur mehr einen Regierungsrat, einer ist parteilos. Sind nun dauernd Pattsituationen zu erwarten, oder wie schätzen Sie die aktuelle parteipolitische Verteilung für die Arbeit der Regierung ein?

Da wird sich nicht viel ändern, man kann auch nicht von einem Rechtsrutsch reden. Alle aktuellen Regierungsräte sind berechenbar – je nach anstehendem Geschäft. Wir schauen nun nach vorne, nach der Wahl ist vor der Wahl.

Das heisst vor der Ständeratswahl ...

Ja, da treten wir auf jeden Fall wieder mit Erich Ettlin an.

Abschliessend gefragt: Tröstet es Sie, dass die CVP auch in verschiedenen anderen Kantonen Wähler und Sitze verliert und es darum nicht nur an Ihnen und Ihren Leuten liegen kann?

Nein, das ist überhaupt kein Trost. Der Trend geht aktuell in Richtung rechts-links, was wir schlecht beeinflussen können. Aber das Pendel kann auch wieder zurückschlagen, obwohl das vielleicht ein paar Jahre braucht. Doch spätestens, wenn man mit links-rechts nicht mehr zu Einigungen kommen kann, hat die Mitte wieder eine Chance. Ich nehme nur ein nationales Beispiel: In der AHV-Debatte hat man uns immer weisgemacht, man habe eine neue Lösung in der Schublade – aber offenbar hat man den Schlüssel für diese Schublade noch nicht gefunden.


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