Schiedsrichter verteilen nicht nur Strafen

ENGELBERG ⋅ Rund 70 Kinder standen am Sonntag am Swiss Ice Hockey Day in Engelberg auf dem Eis. Sie lernten dabei nicht nur den Eishockeysport kennen, sondern auch gleich noch einen Profi-Schiedsrichter.
07. November 2017, 07:59

Andrea Hurschler

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Dass ihm die Herzen zufliegen, ist sich David Obwegeser nicht gewohnt. Als Profi-Eishockeyschiedsrichter wird er stets mit Argusaugen beobachtet – und oft auch hart oder sogar unfair kritisiert. Die Kinder am Swiss Ice Hockey Day waren ihm gegenüber aber viel positiver gestimmt. Nach dem Nachmittag, den sie zusammen mit Trainern des EHC Engelberg-Titlis und eben David Obwegeser auf dem Eis mit diversen Spielen und Übungen verbracht hatten, applaudierten sie ihrem Stargast und klopften mit den Stöcken aufs Eis. Bei der Autogrammstunde standen die Kids vor seinem Tisch Schlange. «Das ist wirklich sehr ungewohnt», lacht der National-League-Schiedsrichter über das Interesse an seiner Person. «Aber genau dafür ist dieser Tag da», sagt der frühere Spieler des EHC Engelberg-Titlis. «Hier komme ich mit den Kindern in Kontakt, und sie merken, dass Schiedsrichter nicht nur Strafen verteilen.» Obwegeser lacht mit den Kindern, fragt nach ihren Namen und erzählt von seinem letzten Einsatz beim Match EHC Kloten gegen ZSC Lions. Nicht zuletzt wegen dieser Sympathie holt sich auch Sarina stolz ein Autogramm auf ihr EV-Zug-Leibchen. Obwegeser reiht seine Unterschrift neben Lino Martischini und Tobias Geisser. «Manchmal regt mich der Schiedsrichter schon etwas auf», gibt die Nachwuchstorhüterin vom EHC Engelberg-Titlis unumwunden zu, «aber dass heute ein Profischiedsrichter da ist, ist schon cool.»

Der nationale Swiss Ice Hockey Day soll möglichst viele Kinder für den Eishockeysport motivieren. Von den gut 70 Kindern im Sporting Park waren rund 40 Nachwuchsspieler oder Hockeyschüler des EHC Engelberg-Titlis, der Rest schnupperte erstmals Eishockeyluft. «Wir sind sehr zufrieden mit dem heutigen Anlass, insbesondere, weil wir so viele neue Kinder begrüssen durften», sagt Rob Furger, Co-Präsident des EHC Engelberg-Titlis.

Der Schiedsrichter soll nicht im Mittelpunkt stehen

Einst profitierte auch David Obwegeser von den Strukturen des Vereins. Er lebte im Internat der Stiftsschule und spielte in seiner Freizeit zuerst bei den Novizen, später in der 1. Mannschaft. Hier begann auch seine Karriere als Schiedsrichter. Er besuchte auf Anraten seines Teamkollegen und Lehrers Björn Infanger einen Schiedsrichterkurs und besserte mit den ersten Einsätzen sein Taschengeld auf. 2006 schloss er die Matura ab und verliess Engelberg in Richtung Zürich. Die Schiedsrichterkarriere nahm ihren Lauf und soll ihn einst hoffentlich sogar an eine Weltmeisterschaft führen. Fürs Selberspielen hat der 32-Jährige keine Zeit mehr. Nebst seinem 90-Prozent-Job als Quality Engineer in der Medizinaltechnik pfeift er als Linienrichter rund drei NL-Spiele pro Woche. «Mein Ziel ist es, ein Spiel zu leiten, ohne im Mittelpunkt zu stehen», sagt Obwegeser. In Engelberg waren aber für einmal alle Augen auf ihn gerichtet, und er bewies den Kindern mit seiner aufgestellten, natürlichen Art, dass Schiedsrichter ganz normale Menschen sind.


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