Schwere Töffs zaubern Lichterparade in Engelberg

ENGELBERG/HERGISWIL ⋅ Goldwing-Töfffahrer aus ganz Europa treffen sich gegenwärtig in Engelberg. Mit dabei ist auch Walter Mösch aus Hergiswil. Seine Liebe zu diesem Töff begann vor über einem Vier­tel­jahr­hun­dert – ganz zufällig.
25. Juni 2017, 05:00

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Engelberg wird in diesen Tagen von schweren Töffs in Beschlag genommen. Am späten Freitagabend rollten gegen 300 Goldwing-Fahrer mit ihren teils originell beleuchteten Gefährten durchs Dorf – bestaunt von zahlreichen Schaulustigen, die reihenweise ihre Handys zückten. Die Lichterparade nach dem Eindunkeln war einer der Höhepunkte des 22. internationalen Goldwing-Club-Treffens im Klosterdorf. Fahrer aus über 20 Nationen sind auf dem Campingplatz Eienwäldli stationiert, nehmen die Töffs ihrer Kollegen unter die Lupe, fachsimpeln, fahren über Zentralschweizer Pässe und rund um die Seen. Gestern fand zudem die Nationenparade auf Engelbergs Strassen statt.

Unter den Goldwing-Enthusiasten ist auch Walter Mösch aus Hergiswil. Der 65-Jährige ist seit über einem Vierteljahrhundert der Faszination verfallen. «Ein Goldwing-Töff ist etwas Spezielles, ausgestattet mit allen Annehmlichkeiten, fast wie bei einem Auto: Rückwärtsgang, Sitz-, Fussheizung, GPS. Es ist ein gediegenes Fahren, ein Genuss, ich möchte nichts anderes.» Das hat natürlich seinen Preis. Rund 35 000 Franken blätterte Walter Mösch vor zwei Jahren für seine neue Maschine hin. «Goldwing ist eine der teuersten, aber auch komfortabelsten Marken, dafür ist man gerne bereit, einen solchen Preis zu bezahlen.» Das präge auch die Szene. «Goldwing-Fahrer sind meistens schon etwas älter und verfügen über das nötige Kleingeld.» Mit Rockern, wie man sie von der Harley-Szene kennt, habe man auch nicht viel gemeinsam. «Wir sind grundsätzlich gemütlich unterwegs, rund 400 Kilo schwere Maschinen sind für ein schnelles Beschleunigen nicht so einladend.»

Lieber in die Ferien als über die Pässe

Zum Goldwing-Töfffahren sei er gekommen wie die Jungfrau zum Kind, erinnert er sich an sein Schlüsselerlebnis 1991 zurück. «Ein Kollege verkaufte mir seine Goldwing-Maschine, als er nach Florida auswanderte.» Der Funke war gesprungen, eine neue Leidenschaft entfacht. Zwischen 8000 und 10 000 Kilometer legt Mösch seither jährlich auf dem Töffsessel zurück.

Passfahrten an den Wochenenden machen ihn weniger an. Mit seiner Maschine fährt er dafür regelmässig in die Ferien – sei es nach Slowenien, Luxemburg, Belgien oder Italien, von wo er mit dem Töff Ausflüge macht. In seiner 26-jährigen Goldwing-Karriere habe er schon rund 160 000 Kilometer zurückgelegt.

Ihm sei bewusst, dass er ein risikoreiches Hobby betreibe, doch sei er in all den Jahren zum Glück vor Unfällen verschont geblieben. «Ich bin ein defensiver Fahrer, bin verantwortungsbewusst unterwegs.» Am meisten Respekt habe er vor einem Auto, das ihn seitlich «abschiesst». Und brenzlig könne es auch werden, wenn sich ein Auto nur wenige Meter vor einem Töff einreihe und dann verlangsame. Goldwings des japanischen Herstellers Honda seien übrigens sehr leise Gefährte. «Das Radio, wenn auf Lautsprecher geschaltet, hört man besser als den Motor.»

Häufig ist er alleine unterwegs. Doch mehrmals im Jahr reist er an die internationalen Goldwing-Club-Treffen. Das letzte fand in Slowenien statt. «Das Hobby verbindet. Wir können uns austauschen und erleben eine tolle Zeit.» Immer wieder beeindrucken ihn diese Anlässe im Ausland. «In Italien wurden für uns die ganze Autobahn und in Wien eine grosse Fussgängerzone gesperrt. Das ist in der Schweiz in diesem Ausmass nicht der Fall.» Ans Aufhören denkt der Hergiswiler Gemeinderat, der als Angestellter einer Immobilienfirma bald pensioniert wird, noch lange nicht. «Solange ich noch gesund bin, fahre ich Töff», ist für Walter Mösch klar. Der Goldwing-Club führt alle zwei Jahre ein internationales Treffen durch. Dass heuer ­Engelberg erkoren wurde, ist OK-Präsident Markus Hurter zu verdanken. «Als ehemaliger Gleitschirmflieger kenne ich Engelberg seit 30 Jahren. Ich erinnerte mich an den wunderschönen Campingplatz Eienwäldli, der für unser Treffen ideal ist.» Hurter ist überzeugt: «Engelberg mit seinem hohen Bekanntheitsgrad ist für unsere in- und ausländischen Teilnehmer der perfekte Austragungsort.»


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