Sie leitet neu das Museum Bruder Klaus

SACHSELN ⋅ Die Obwaldnerin Carmen Kiser hat ihre Arbeit als neue Leiterin des Museums Bruder Klaus aufgenommen. Zur Eröffnung will die Geschichtsvermittlerin unter dem Titel «Schulterblicke» nochmals aufs Gedenkjahr 2017 zurückblenden.
10. Februar 2018, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Ich habe grosse Hochachtung vor meinen Vorgängern im Museum Bruder Klaus, die diesem Haus – jeder für sich und auf seine Weise – ihren Stempel aufgedrückt und hier wunderbare Sachen gemacht haben», sagt die neue Leiterin Carmen Kiser. Doch im gleichen Atemzug fügt sie hinzu: «Es darf aber auch weitergehen, und so ist es für mich gut, dass ich jetzt da bin.» Gefragt, welche Schwerpunkte sie zu setzen gedenke, ist Carmen Kiser um eine Antwort nicht verlegen: «Selber werde ich nicht unbedingt in den Vordergrund treten.» Ihr Fachgebiet, auf das sie sich stark konzentrieren wolle, sei die Vermittlung der Museumsinhalte an die Besucher und dies ganz stark auch an Familien mit Kindern.

Die 40-jährige Carmen Kiser ist vom Schloss Lenzburg, wo sie während neun Jahren im Museum Aargau in der Geschichtsvermittlung mitgearbeitet hat, in ihre Obwaldner Heimat zurückgekehrt. Darüber freue sie sich sehr, sagt sie und erklärt: «Seit meinem Studium habe ich mir immer gewünscht, irgendeinmal ein überschaubares Museum zu leiten und die vielfältigen Herausforderungen, die dies mit sich bringt, zu bewältigen.» Die neue Leiterin bringt alle Voraussetzungen mit, die es für die anspruchsvolle Aufgabe braucht: Sie besitzt ein Lehrdiplom für Primarschulen, studierte Ethnologie und schloss an der Universität Sydney Museologie mit dem Masters ab.

Grosse Erfahrungen sammelte sie in ihrer neunjährigen Tätigkeit im Kanton Aargau. «Zuletzt war ich dort fürs Projekt ‹Gesichter der Geschichte› verantwortlich», erzählt Carmen Kiser. «Auf einem Industriepfad sollen Erwachsene und Jugendliche via Smartphone-App Geschichte intensiver als je zuvor erleben können.» Auch bei ihrer neuen Aufgabe in Sachseln werde es ihr stets darum gehen, den Besuchern die Inhalte des Museums attraktiv näher zu bringen. «Mich interessiert es, wie ich in einem Haus, das sich vor allem auch mit Kunst etabliert hat, ganz verschiedene Sparten noch mehr zusammenbringen könnte», formuliert die neue Leiterin ihre Absicht. Ganz konkret suche sie Schnittstellen, über die sie Kunst, historische Fakten und Objekte als Gesamtheit zeigen und Besuchern Geschichten dazu erzählen könne.

Eröffnung mit «Schulterblicken»

«Bruder Klaus wird in diesem Haus immer wichtig sein», ist Kiser überzeugt. Um das Erinnern an den Eremiten gehe es auch in ihrer Eröffnungsausstellung am kommenden Palmsonntag. «Ich gebe ihr den Titel ‹Schulterblicke› und lasse nochmals zurück schauen auf kreative Arbeiten, die im Gedenkjahr 2017 entstanden sind», kündet die neue Museumsleiterin an. Wie will sie dies tun? Beispielsweise lässt sie auf die jungen Musiker zurückblicken, die 2017 Kompositionen zu Bruder Klaus schufen. «Man wird ihre Musik hören und die Musiker sollen vor allem auch in Gesprächen zu Wort kommen», sagt Carmen Kiser. Ein weiteres «Schaufenster» will sie dem Künstler Rochus Lussi widmen, der eine 1:1-Kopie der ältesten Lindenholzstatue von Bruder Klaus (1504) angefertigt hat. Gezeigt wird auch die Dokumentation dieses Werkprozesses durch den Fotografen Christian Hartmann. Auch einen temporären Leseraum mit den vielen Publikationen, die letztes Jahr entstanden sind, möchte die Leiterin einrichten. «Zu sehen sind dort auch die Skizzen, die Mariann Wenger für ihren Bruder Klausen-Comic gezeichnet hat», verspricht die Nachfolgerin von Urs Sibler.

Dazu sind auch Werkstätten geplant für Kinder in Begleitung Erwachsener: «Kinder dürfen mit Modelliermasse Museumsobjekte kopieren», sagt Carmen Kiser. Das Interesse von Kindern liege ihr sehr am Herzen. «Ich bin ja selber Mutter von interessierten ‹Museums-Mama-Buben›», schmunzelt sie und postuliert dann: «Ich wünsche mir, dass im Frühjahr die Ausstellung Veranstaltungen ergänzt und nicht umgekehrt.»

Das Haus selber im Mittelpunkt

«In meiner ersten klassischen Sonderausstellung im Herbst mit dem Arbeitstitel ‹Haussichten› möchte ich dann das Ignaz von Flüe Haus in den Mittelpunkt rücken», blickt sie voraus. Dieses Haus, in dem das Museum untergebracht sei, habe eine lange Geschichte und erzähle selber ganz viele spannende. Über frühere Bewohner wie Heinrich Federer. Über die Architektur. Ja gar von Gespenstern sei die Rede!

«Ich werde die Besucher auf eine Entdeckungstour schicken, dabei müssen sie die Schätze, die es in diesem Haus gibt, fast ein wenig suchen», verrät sie ihren Plan. Dazu möchte sie auch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler einladen. Einheimische und Auswärtige, die bereit sind, sich auf eine aktuelle Auseinandersetzung mit dem einzigartigen Haus und seinen Räumen einzulassen.

Hinweis

Das Museum Bruder Klaus in Sachseln hat zurzeit Winterpause und öffnet wieder am Palm­sonntag, 25. März, um 11 Uhr unter der Leitung von Carmen Kiser mit dem Frühlingsprogramm «Schulterblicke».


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