Sozialhilfequoten steigen leicht an

OB-/NIDWALDEN ⋅ Je rund 400 Personen erhielten 2016 in den Kantonen Ob- und Nidwalden wirtschaftliche Sozialhilfe. Die Sozialhilfequoten liegen unter dem Zentralschweizer Durchschnitt.
29. November 2017, 08:03

Martin Uebelhart

martin.uebelhart@nidwaldnerzeitung.ch

Verglichen mit dem Vorjahr stieg die Sozialhilfequote 2016 in Nidwalden von 0,9 auf 1 Prozent an. Laut Lustat Statistik Luzern, welche die Erhebungen für die ganze Zentralschweiz macht und gestern die neuesten Zahlen veröffentlichte, hat die Quote ein Niveau erreicht wie letztmals im Jahr 2010. Im Kanton Obwalden war die Quote vorübergehend leicht gesunken, 2016 erhöhte sie sich wieder auf 1,1 Prozent. Sie liegt damit weiterhin in der Bandbreite zwischen 1,0 und 1,2 Prozent, in der sie sich in den vergangenen zehn Jahren bewegte. Sowohl in Obwalden wie in Nidwalden liegen die Quoten unter dem Zentralschweizer Durchschnitt von 1,9 Prozent. Nidwalden weist weiterhin die tiefste Sozialhilfequote aller Zentralschweizer Kantone aus.

Als Sozialhilferisiko ortet Lustat ein tiefes Bildungsniveau. Personen ohne Berufslehre, Hochschulstudium oder eine andere nachobligatorische Ausbildung bezögen überdurchschnittlich oft Sozialhilfe. In Nidwalden liegt deren Quote bei 1,5, in Obwalden bei 1,8 Prozent. Ein Bildungsabschluss erleichtere nicht nur den Zugang zum Arbeitsmarkt, sondern erhöhe auch die Arbeitsplatzsicherheit und sichere in der Regel ein ausreichendes Erwerbseinkommen. Bei Personen mit einem Hochschulabschluss oder einer höheren Berufsbildung sei die Wahrscheinlichkeit besonders gering, wirtschaftliche Sozialhilfe beziehen zu müssen. In Obwalden liegt die Quote bei 0,2 Prozent, in Nidwalden bei 0,1. Ein tieferes Bildungsniveau sei ein Grund für eine höhere ­Sozialhilfequote bei der ausländischen Wohnbevölkerung im Vergleich zu jener mit Schweizer Nationalität, hält die Medienmitteilung von Lustat weiter fest. In Obwalden beträgt die Quote bei den Ausländern 3,3 Prozent, bei den Schweizern 0,7 Prozent. In Nidwalden sind es 3,5 respektive 0,6 Prozent.

Erhöhtes Sozialhilferisiko für Alleinerziehende

Die Sozialhilfequote von Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren lag 2016 in Obwalden bei 1,2 Prozent. 27,5 Prozent dieser Sozialhilfeempfänger gingen einer Arbeit nach, die meisten davon in Teilzeit. In Nidwalden lag die Quote bei den Personen im erwerbsfähigen Alter bei 1,0 Prozent. Knapp 30 Prozent von ihnen waren erwerbstätig.

Kinder und Jugendliche haben das grösste Risiko eines Sozialhilfebezugs. In beiden Kantonen waren rund drei von zehn unterstützten Personen minderjährig. Schaut man nicht die Personen, sondern die Haushalte an, zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche nicht generell einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind. Betroffen sind sie insbesondere dann, wenn sie mit nur einem Elternteil zusammenleben. 1,5 Prozent der Obwaldner Privathaushalte bezogen Sozialhilfe, 1,1 Prozent waren es in Nidwalden. Während die Quote bei verheirateten Paaren mit Kindern in beiden Kantonen bei 0,7 Prozent lag, war dieser Anteil in Haushalten mit einem alleinerziehenden Elternteil um ein Vielfaches höher (NW: 9,7%; OW 12,7%). Das Einkommen alleinerziehender Mütter und Väter reiche oft nicht aus, um den Lebensbedarf der Familie zu decken, hält Lustat dazu fest.

Sozialhilfe überbrückt vorübergehende Notlagen

Am seltensten beziehen Personen der Altersgruppe über 64 Jahre Sozialhilfe. Rentner haben bei Bedarf Anrecht auf Ergänzungsleistungen, sodass sie nur in Ausnahmefällen auf wirtschaftliche Sozialhilfe angewiesen sind.

Sozialhilfe dient in erster Linie der Überbrückung vorübergehender Notlagen. Die meisten Fälle werden innerhalb eines Jahres abgeschlossen. Vielfach hat sich dann die berufliche Situation der Personen verbessert oder die Sozialhilfe wird durch eine andere Sozialleistung, etwa eine IV-Rente, abgelöst. Bei einem Teil der Fallabschlüsse endete die Zuständigkeit der betroffenen Sozialdienste.


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