Winnetou-Westernstadt St. Louis entsteht in Malters

ENGELBERG ⋅ Das Altholz für die Westernstadt der «Winnetou»-Freilichtspiele stammt etwa aus der gleichen Zeit, in der die Geschichte von Karl May spielt. Eine Malterser Holzbaufirma sorgt für das echte Aussehen.
16. Mai 2017, 05:00

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@obwaldnerzeitung.ch

«Die Romantik, die Faszination des Wilden Westens und dass er immer an das Gute geglaubt hat in seinen Erzählungen – das hat mich immer fasziniert. Als Jugendlicher habe ich die Bücher von Karl May geradezu verschlungen.» Res Schöpfer, der 52-jährige Leiter der Abteilung Altholz in der Massholzbau GmbH, hat eine besondere Beziehung zum aktuellen Auftrag, den die Firma ausführen darf.

In ihrer Produktionshalle in Malters entstehen nämlich derzeit die Kulissen der Westernstadt für die Winnetou-Freilichtspiele, die im Sommer in Engelberg aufgeführt werden. Als Western-Fan, der zudem auf seinem Hof in Werthenstein acht Texas-Longhorn-Rinder hält, ist der Auftrag für ihn ganz speziell. «Es ist eine Herzenssache, da fliesst Herzblut rein. Es ist toll, dass wir gerade bei so einer Arbeit unser Können und Wissen über Altholz einbringen dürfen.»

Nur Altholz kann den gewünschten Effekt erzielen

Unter Schöpfers Leitung bauen zurzeit mehrere Mitarbeiter an den sechs Hausfassaden für die Westernstadt – unter anderem Bank, Sheriffsgebäude und Saloon. Die Pläne dafür stammen vom Bühnenbauer der Freilichtspiele. Bei der dargestellten Häuserzeile handelt es sich um eine Strasse in St. Louis. Die Stadt im US-Bundesstaat Missouri am westlichen Ufer des Mississippi spielte in Karl Mays Geschichten nämlich immer wieder eine wichtige Rolle. So erhält Old Shatterhand dort in «Winnetou 2» seinen Henrystutzen – das legendäre Gewehr, mit dem er 25 Mal schiessen kann, ohne nachzuladen. St. Louis ist auch Ausgangspunkt des Eisenbahnbaus zur Pazifikküste, für den Old Shatterhand zu Beginn der Winnetou-Geschichten als Vermesser arbeitet.

Gebraucht wird für die sichtbaren Teile der Häuserfassaden, die auch nach der aktuellen Produktion weiterverwendet werden können, vorwiegend Altholz. «Es stammt zum grössten Teil von zwei Gebäuden, die wir abgebaut haben: einer Scheune aus Entlebuch und einem Wohnhaus aus Schachen aus dem 18. Jahrhundert», erklärt Kari Baggenstos, Inhaber der Massholzbau GmbH. Zwar hat auch der 38-jährige Baggenstos Karl-May-Bücher gelesen und die Filme geschaut, sein Bild von einer Westernstadt ist aber eher in Alaska und Ka­nada geprägt worden, wo er viel von Goldgräbern und Siedlergeschichten mitbekommen habe. «Unsere Kulissen sehen wirklich aus wie die legendäre, kanadische Goldgräberstadt Dawson City», sagt er mit einem Schmunzeln. Tatsächlich – die verwitterten Kulissen der fast fertigen Häuser (noch fehlen Details wie Bemalung) wirken, als wären hier Wyatt Earp oder Billy the Kid ein und aus gegangen. «Mit Neuholz wäre es schlicht nicht möglich, dieses Aussehen und diese Struktur hinzukriegen», so Baggenstos.

Aufbau der Freilichtbühne liegt absolut im Zeitplan

Obwohl seine Firma, die sich mit 14 Mitarbeitern primär mit Umbauten und Sanierungen befasst, viel mit Altholz arbeitet, sei der Kulissenbau der erste Auftrag dieser Art. Die Herausforderung besteht für die Firma deshalb auch nicht im Umgang und der eigentlichen Arbeit mit dem Altholz. «Stabilität, Transportfähigkeit, einfache Montage und Lagerfähigkeit sind hier gefragt», sagt Baggenstos. Das sei im Moment alles noch wichtiger als das fixfertige Aussehen. Noch vor Ende Monat werden die zerlegten Kulissen per Lastwagen nach Engelberg gefahren und dort mit dem Bauunternehmer vor Ort aufgerichtet. Und wenn die Freilichtspiele dann laufen würden, sei man sicher stolz, mit der täuschend echten Kulisse zum Erfolg beigetragen zu haben. Er schätze auch sehr, dass die Verantwortlichen die Holzarbeiten – und auch vieles andere – hier in der Schweiz beziehen würden. «Das ist absolut nicht selbstverständlich», lobt Kari Baggenstos.

Weit fortgeschritten sind laut Florian Niffeler, Geschäftsführer der Western & Open Air Theater GmbH, welche die Freilichtspiele organisieren, auch die Arbeiten an der Freilichtbühne in Engelberg. Das Gelände sei fertig gestaltet, jetzt folge die Humusierung und das Ansäen. Die Flussmündung müsse noch mit Lehm abgedichtet werden. «Wir liegen trotz des ungünstigen Aprilwetters im Plan. Winnetou wird mit seinem Kanu sicher durch den Fluss fahren können», schmunzelt Niffeler. Fertig sei auch das Pueblodorf, das ebenfalls noch vor Monatsende aufgestellt wird. Ab dem 1. Juni beginnen dann die Proben mit den Schauspielern.

Hinweis

Weitere Infos, Spielplan und Vorverkauf: www.winnetou.ch

Letzte Statisten werden noch gesucht

Die Produktionsverantwortlichen suchen noch fünf männliche Statisten im Alter zwischen 25 und 50 Jahren mit dunklen Augen für die Besetzung als Kiowa-Indianer. Idealerweise mit Wohnsitz in der Zentralschweiz. Verfügbarkeit für die Proben: 1. Juni, etwa 15. bis 20. Juni und 28. Juni bis 2. Juli sowie 7. bis 14. Juli, jeweils ab 17 Uhr. Präsenz an 26 Vorstellungen gemäss Spielplan auf www.winnetou.ch. Theatererfahrung wird nicht zwingend vorausgesetzt. Interessenten wenden sich an info@winnetou.ch.

Für die 26 Aufführungen (9 Nachmittags- und 17 Abendvorstellungen) der Karl-May-Freilichtspiele in Engelberg vom 15. Juli bis 13. August 2017 rechnen die Veranstalter mit mindestens 35 000 Besuchern. Der Vorverkauf laufe sehr gut. Bereits sind über 8000 Tickets verkauft, dazu kommen zahlreiche Reservationen und Kontingente von Hotels und Veranstaltern. Besonders gut laufen die Vorstellungen an Freitagen und Samstagen. Es ist auch anzunehmen, dass die Premiere bald ausverkauft sein wird.


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