Statt Brot liegt nun Garn im Regal

SARNEN ⋅ Der leere Laden kam ihr wie gerufen. Mit 82 Jahren hat Cécile Küchler ein Atelier in der Poststrasse eröffnet. Dort verkauft sie ihre Handarbeiten, webt und gibt Kurse.
01. Dezember 2017, 05:00

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@ obwaldnerzeitung.ch

Atelier Cécile heisst der kleine Laden in der Poststrasse 4 direkt neben dem Café Pic. Vorher war hier die Bäckerei Röthlin zu Hause. «Ich musste nichts verändern, alles war bereits da», freut sich Cécile Küchler. In den Holzgestellen stapeln sich feine Leinentücher, Tischsets, Einkaufstaschen, Tischläufer, Säcke zur Brot- und Nussaufbewahrung, Seidenschals, Wolldecken, alles handgewobene Handarbeiten. Schon seit längerem habe sie ein geeignetes Ladenlokal gesucht, erzählt die bejahrte «Jungunternehmerin». Irgendwann sah sie den Hinweis an der Tür, dass der Laden zu vermieten sei.

Bislang führte sie ihre Handweberei in der Schwendi. «Ich wollte unter die Leute», begründet sie ihren Entschluss, mit 82 Jahren ein Geschäft zu eröffnen. Viele positive Reaktionen erhalte sie auf ihren Laden: «Mitten im Dorf, richtig schön, und die Farben», höre sie immer wieder.

Beim Einrichten half die versierte Tochter

Beim Einrichten des Ladens hat ihr Tochter Esther geholfen, die derzeit einen Kurs in Innendekoration absolviert. Statt Broten liegen nun Rollen verschiedenster Garndicke und Farben und sauber gefaltete Tücher in leuchtenden Farben auf den Gestellen aus Holz. Aus dem benachbarten Café kommt die Pächterin durch die Hintertür ins Geschäft. Eine Kundin habe sie gebeten, einen Dekoartikel zu kaufen. Das Atelier war gerade nicht geöffnet, als sie diesen entdeckt hatte.

Einige kämen seit der Geschäftseröffnung vor vier Wochen, um sich im Laden umzusehen. Cécile Küchler hofft nun, dass der Umsatz zu Weihnachten anzieht. Wer den Weg ins Atelier findet, weiss, dass handgearbeitete Ware aus Baumwolle, Seide oder Leinen ihren Preis hat. Ein Handtuch kostet 40 Franken. «Es hält aber auch entsprechend lang», gibt die Ladeninhaberin zu bedenken. Die Qualität des Garns sei sehr gut, erklärt sie. Und auch das ist möglich: Kunden können auf Farben und Muster Einfluss nehmen.

Krabbeldecken in leuchtenden Farben

Der Webstuhl klappert im Rhythmus: Schiff durchschieben, Kamm anschlagen, Tritt wechseln und wieder von vorn. Das Einrichten der derzeitigen Arbeit hat einen Tag Zeit gekostet. ­Cécile Küchler webt auf ihrem kleineren Webstuhl Krabbel­decken in Rot, Gelb, Blau, Orange und Pink. «Kinder mögen doch Farben», schmunzelt sie. Der grosse Webstuhl werde zurzeit von einer Handarbeitslehrerin genutzt, die sich in einem Kurs bei ihr einen Teppich webe. «Sie gibt ihr Wissen direkt in ihrem Unterricht weiter und bringt das Weben einem Schüler bei», erzählt ­Cécile Küchler.

In diesem Jahr hat sie eigentlich das 35-Jahr-Jubiläum ihres Hobbys. Ursprünglich war das Erbstück, ein Webstuhl der Schwiegermutter, «schuld» daran, dass sie mit dem Weben begann. Die vier Kinder waren auf dem Weg in die Eigenständigkeit, ein guter Zeitpunkt für etwas Eigenes. Damals lebten die Küchlers in Küssnacht. Dort führte die gebürtige Genferin, die im Aargau aufgewachsen ist, dreieinhalb Jahre lang einen Laden, in welchem sie ihre Sachen verkaufte.

Wenn der Webstuhl klappert, fühlt sich Cécile Küchler einfach wohl: «Man kann den Gedanken nachhängen und bekommt neue Ideen», erzählt sie. Was das für Ideen sind? «Ich sollte Teppiche weben, das Garn muss verarbeitet werden», antwortet sie.

Hinweis

Atelier Cécile, Poststrasse 4, ­Offen Mittwoch und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr.


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