Stier Bolero ist der «Mister 2017»

OBWALDEN ⋅ Wettstreit und Geselligkeit hielten sich bei der kantonalen Viehschau die Waage. Rund 3000 Besucher bestaunten gestern in Sarnen 900 Rinder, Kühe und Stiere. Züchter Paul Rohrer gewann erneut mit einem stolzen Muni.
07. Oktober 2017, 05:00

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Braunvieh ist ein bekannter Anblick auf Schweizer Weiden, von Touristen fotografiert, von Einheimischen oft ignoriert. Aber ganze 900 Stück Braunvieh auf einmal, das sieht man nicht alle Tage. Rücken an Rücken drängten sich Rinder, Kühe und Munis an der kantonalen Viehschau auf dem Gelände der Reithalle in Sarnen. Lautes Muhen, Glockengeläut und Ländlermusik kündigten den «Bauernsonntag» schon von weitem an.

Jungzüchterin Janice Durrer aus Kerns präsentiert in Sarnen drei Kühe und drei Rinder ihres Vaters. Rechnet sie sich gute Chancen aus? «Ja», sagt die 15-Jährige ehrlich und lacht. «Sonst wären wir wohl nicht hier.» Am Züchten fasziniere sie die Arbeit mit dem Vieh. «Das besondere an meinen Tieren ist, dass sie etwas schöner sind als die anderen.» Auch Paul Rohrer aus Sachseln hofft, dass sein dreijähriger Stier Bolero die Experten überzeugt. Wie es sich anfühlt, zu gewinnen, weiss der Züchter vom letzten Jahr, als sein Muni Carlo zum «Mister 2016» gekürt wurde. «Man ist natürlich stolz, aber der Sieg ist nicht alles», so Rohrer. «Trotzdem bin ich ein bisschen nervös.»

Obwaldner Züchter können mit Konkurrenz mithalten

Immer mehr Züchter fahren ihre Transporter auf das Gelände und führen die mehr oder weniger willigen Tiere zu den zugewiesenen Standplätzen. Ab und zu büxt ein Rind aus und wird flink wieder eingefangen. Das ehemals grüne Feld wird schnell matschig. Mit Bürsten und warmem Wasser bringen die Bauern ihr Vieh auf Hochglanz. In der Morgensonne steigt Dampf von den Hunderten Tieren auf, die schliesslich, nach etwa einer Stunde, in Reih und Glied für die Begutachtung durch die Experten bereitstehen.

Doch wie sieht die perfekte Kuh aus? Beat Horat, Experte aus dem schwyzerischen Schindellegi, hat genaue Vorstellungen: «Sie muss lang sein, mit einem breiten ­Becken, normaler Tiefe, einem hoch aufgehängten Euter, einer gut verwachsenen Bauchwand und stabiler Fessel.» Die Obwaldner Ausstellung sei immer stark, so Horat. «Die hiesigen Züchter können mit den umliegenden Kantonen mithalten.» OK-Präsident Walti Windlin aus Kerns ist überzeugt: «Wir haben gute und schöne Kühe hier. Und vor allem auch interessierte ­Bauern, die mitmachen.»

Auch der Ennetbürger Bauer «Oberleh» Marti Zimmermann begutachtet das Vieh der Obwaldner Konkurrenz mit Wohlwollen. «Heuer ist viel Fleisch an den Kühen. Man wetteifert natürlich miteinander.» Daher hat der 81-Jährige auch keine Zeit für die Festwirtschaft: «Ich gehe nach Hause mein eigenes Vieh putzen, damit es bereit ist für die Nidwaldner Viehschau.» Diese findet heute Samstag in Oberdorf statt. Walti Windlin freut sich dafür umso mehr auf die Geselligkeit. «Ab Mittag ist es vorbei mit dem Wettstreit, und man kann zusammensitzen.»

«Elke» ist die Schönste, mit dem schönsten Euter

Doch zuerst muss geklärt werden, wer denn nun die Schönste ist. Tagessiegerinnen beim Original Braunvieh sind die Kuh Alfa von Thomas Schrackmann aus Sarnen sowie das Rind Vroni von Roland Bucher aus St. Niklausen. Beim Braunvieh gewinnen Stefan Burch aus Wilen mit dem Rind Joya und Silvan Michel aus Melchtal mit der Kuh Elke. Elke trägt in ihrer Abteilung auch den Sieg für das schönste Euter davon. Und Züchter Paul Rohrer hängt seinem letztjährigen Erfolg gleich den nächsten an: Sein Stier Bolero gewinnt die Wahl zum «Mister 2017».

OK-Präsident Walti Windlin spricht von einem gelungenen Anlass: «Es lief super. Das Wetter war gut, es gab keine Unfälle, und die Bauern sind zufrieden.» Er freute sich auch über die rund 3000 Besucher. «Es ist wichtig, dass wir Bauern uns auch der Bevölkerung zeigen können.»

Hinweis

Die Rangliste und weitere Bilder finden Sie hier.

  • Janice Durrer an der Viehschau mit «fremden» Kühen. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 6. Oktober 2017))
  • Oberleh Marti. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 6. Oktober 2017))
  • Auch die Kleinsten fanden Gefallen an den Kühen. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 6. Oktober 2017))

Zirka 900 Tiere waren an der kantonalen Viehschau in Sarnen zu bewundern.


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