SVP schafft den Sprung in die Obwaldner Regierung

WAHLEN ⋅ Christian Schäli (CSP) und Daniel Wyler (SVP) haben die letzten freien Sitze im Regierungsrat erobert. Michael Siegrist (CVP) konnte den zweiten Sitz seiner Partei nicht verteidigen – wegen 29 Stimmen Unterschied.
Aktualisiert: 
08.04.2018, 19:00
08. April 2018, 13:20

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Ein Raunen ging durch die Menge im Sarner Rathaus, als am Sonntag kurz vor 13 Uhr das Resultat des zweiten Wahlgangs der Gesamterneuerungswahlen für die Obwaldner Regierung bekannt wurde. 29 Stimmen – das war der Abstand vor Michael Siegrist (CVP), mit dem Daniel Wyler als erster SVP-Vertreter in die Regierung einzog. Kaum für Überraschung sorgte dagegen der Sieg von Christian Schäli (CSP), der aufgrund seines guten Resultats im ersten Wahlgang als Favorit galt. Bei einer Wahlbeteiligung von 42,5 Prozent wurde der Kernser mit einem Vorsprung von fast 1500 Stimmen auf Daniel Wyler gewählt. Ausser in Engelberg, wo der Einheimische Wyler die Nase vorn hatte, holte Schäli in allen Gemeinden am meisten Stimmen und freute sich sichtlich über das Resultat: «Ich kann es noch gar nicht richtig fassen.»

Er habe sich im Wahlkampf nie verstellt, so Schäli. «Das mag ein Grund sein, warum es so gut gereicht hat.» Seine steile politische Karriere (der 43-Jährige wurde erst 2015 Kantonsrat) habe er nicht von langer Hand geplant. «Dass ich in die Regierung will, weiss ich erst seit letztem September.» Auch Josef Stalder, mit Schäli Co-Präsident der CSP, zeigte sich hocherfreut. «Christian war ein sympathischer Kandidat, der hinsteht und seine Meinungen vertritt.»

«Gewonnen ist gewonnen»

Umso enttäuschter war Michael Siegrist, der zwar seit dem ersten Wahlgang aufholen, den zweiten Regierungssitz der CVP jedoch nicht verteidigen konnte. «Das Argument, die SVP gehöre als zweitstärkste Partei im Parlament nun in die Regierung, kombiniert mit Daniel Wyler als valablem Kandidaten war wohl ausschlaggebend», analysierte er. Besonders schmerzlich war Siegrists Resultat in Alpnach, wo er von 2008 bis 2012 Gemeindepräsident war. «Ich hätte mehr Stimmen erwartet. Aber als Gemeindepräsident muss man Entscheide fällen, die nicht allen passen.» Im Wahlkampf hatte Wyler und nicht Siegrist die Wahlempfehlung der FDP erhalten. «Dass die FDP die Kandidaten davor nicht angehört hat, fand ich etwas speziell», so Siegrist. Im ersten Wahlgang war CVP-Kantonsrat Jürg Berlinger ohne die Unterstützung seiner Partei angetreten. Die CVP sei jedoch nicht intern gespalten, betonte Parteipräsident Bruno von Rotz. «Das war nach dem ersten Wahlgang bereinigt. Ich denke, Michael Siegrist konnte schliesslich alle Stimmen der CVP-Basis auf sich vereinen.» Warum es der grössten Partei im Kanton nicht mehr zu einem zweiten Sitz reichte, konnte von Rotz nicht abschliessend sagen: «Ich verstehe das Wahlergebnis nicht wertend, weder für Michael Siegrist noch für die CVP. Es ist ein Zufallsresultat.»

Das liess SVP-Präsidentin Monika Rüegger nicht gelten. «Gewonnen ist gewonnen.» Auch ein knappes Resultat reiche, sagte auch Landschreiberin Nicole Frunz Wallimann: «Eine Nachzählung gäbe es nur dann, wenn Hinweise auf Unregelmässigkeiten vorlägen. Solche bestehen aber in keiner Weise.» Dass der SVP der Sprung in die Exekutive im fünften Anlauf gelang, begründete Rüegger unter anderem mit dem Kandidaten. «Daniel Wyler bringt alle nötigen Fähigkeiten mit und wird über Parteigrenzen hinweg akzeptiert.» Das Ende der Oppositionsrolle werde die SVP nicht verändern: «Wir halten weiter konsequent an unserer Politik fest.» Dass er nun neben Schäli und den bereits im ersten Wahlgang gewählten Bisherigen Josef Hess (parteilos), Christoph Amstad (CVP) und Maya Büchi (FDP) Regierungsverantwortung übernehmen wird, sei «eine Riesenfreude und eine Herausforderung», sagte Daniel Wyler. «Es gibt einige Aufgaben zu lösen im Kanton.»

Hinweis
Die Wahlfeier für Daniel Wyler findet am Dienstag um 19 Uhr im Hotel Bellevue-Terminus in Engelberg statt.

Video: Regierungsrat Daniel Wyler im Interview

Der frischgewählte Obwaldner SVP-Politiker Daniel Wyler über seine Wahl in den Regierungsrat und darüber, auf der Strasse von Wählern angesprochen zu werden. (Franziska Herger, 8.4.2018)

  • Der neugewählte SVP-Regierungsrat Daniel Wyler lässt sich gratulieren. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 8. April 2018))
  • Der neugewählte SVP-Regierungsrat Daniel Wyler lässt sich gratulieren. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 8. April 2018))
  • Der unterlegene Kandidat Michael Siegrist im Gespräch mit einer Journalistin. (© Izedin Arnautovic (Sarnen, 8. April 2018))

Christian Schäli und Daniel Wyler wurden im zweiten Wahlgang in die Obwaldner Regierung gewählt.

 


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