Tempo 30 ist der Preis für die Entlastung

ALPNACH ⋅ Bald entscheiden die Stimmbürger, ob es im Dorfzentrum künftig langsamer wird. Neben Tempo 30 sollen dies etwa erhöhte Fussgängerstreifen bewirken. Ohne solche Massnahmen ist der A8-Vollanschluss und damit die Entlastung des Dorfes Geschichte.
17. April 2018, 05:00

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Am 10. Juni stimmen die Alpnacher über die flankierenden Massnahmen zum Vollanschluss Alpnach Süd der A8 ab – und damit indirekt auch gleich über den Vollanschluss selber, wie der Gemeinderat wiederholt betont hat. Denn: Die Massnahmen auf der Brünigstrasse sind zwingende Voraussetzung für die Umweltverträglichkeit des Projekts. Nur mit ihnen baut der Bund den Vollanschluss, der den Verkehr durch das Dorf halbieren soll.

Die Departementsvorsteherin Regula Gerig schreibt im neuesten «Alpnacher Blettli», man habe eine pragmatische Lösung gefunden. Doch was heisst das genau? Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Martin Schünemann, Leiter Bau, Infrastruktur und Wer­ke bei der Gemeinde, man habe vier Bundesanforderungen zu erfüllen gehabt. Das Ziel bei allen war: die Durchfahrt durchs Dorf unattraktiv machen, damit das Dorfzentrum durch den 11,6 Millionen Franken teuren Vollanschluss auch tatsächlich entlastet wird.

  • Signalisation: Schilder auf der Autobahn A8 Richtung Süden werden künftig darauf aufmerksam machen, dass nach Alpnach Nord noch eine weitere Ausfahrt Alpnach Süd zum Industriegebiet führt. Zuständig ist das Astra.
  • Lastwagenfahrverbot: Künftig gilt zwischen dem Kreisel Hofmätteli als Tor zum Dorfkern und einer Stelle am nördlichen Dorfeingang rund 120 Meter ennetder Kleine-Schliere-Brücke, die mit einer neuen Verkehrsinsel das andere Tor bilden soll, ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen. Der Zubringerdienst ins Dorf, nach Alpnachstad und Niederstad sowie die Durchfahrt für Schwerverkehr und Traktoren, die auf der Autobahn nicht gestattet sind, bleibenweiter möglich. «Durch die ‹Tore› merken die Autofahrer, dass sie jetzt im Dorf sind», erklärt Schünemann.

Bushaltestellen neu vor der Kirche geplant

  • Tempo 30 im Dorf: Drei Jahre, nachdem die Alpnacher die Einführung von Tempo-30-Zonen auf den Gemeindestrassen im Juni 2015 ablehnten, soll es nun auf der Hauptstrasse langsamer werden. Vom Restaurant Allegro (ehemals Alpina) bis zirka 50 Meter hinter der Brücke über die Kleine Schliere erstreckt sich der rund 475 Meter langegeplante Abschnitt. Ursprünglich sollte er nur bis zur Brücke reichen. «Die Verlängerung macht Sinn, denn in diesem Bereich haben wir viel Freizeitverkehr undviele Fussgänger,und die Sichtbarkeit über die Kuppe der Brücke ist nicht optimal», führt ­Schünemann aus.
  • Bauliche Massnahmen zur Unterstützung des Tempo-30-Abschnitts, damit Autofahrer sich in einer schmaleren Strasse wähnen und automatisch abbremsen: An fünf Stellen entlang der Brünigstrasse, nämlich am Kreisel Hofmätteli, an beiden Enden des Tempo-30-Abschnitts, vor der Kantonalbank und vor dem ehemaligen Restaurant Sonne sollen leicht erhöhte und mit einem Schachbrettmuster markierte Fussgängerstreifen entstehen. Wo Tempo 30 gilt, soll zudem der Mittelstreifen wegfallen und durch seitliche Farbbänder ersetzt werden, die optisch die Strasse verengen. Um das Zen­trum ebenfalls optisch zu betonen, soll die Brünigstrasse vor der Pfarrkirche mit einem andersfarbigen Belag versehen werden. In diesen Bereich ist auch geplant, die beiden Bushaltestellen zu verschieben, die sich heute im Bereich des «Allegro» befinden. «Die Stelle ist sicherer», erklärt Schünemann. An den Einfahrten von der Schulhausstrasse, der Pfisternstrasse, der Alten Landstrasse, der Dammstrasse und der Kleinen Schlierenstrasse in die Brünigstrasse ist zudem geplant, das Trottoir durchzuziehen, um den Wechsel zu Tempo 30 zu betonen.

Die Massnahmen kosten Alpnach 465000 Franken

Das Massnahmenpaket kostet 605000 Franken, der Kanton beteiligt sich mit 140000 Franken daran. Gleichzeitig mit diesem Kredit stimmen die Alp­nacher auch über den Baukredit für den geplanten Kreisel Industrie an der Kreuzung Hofmätteli-, Industrie- und Untere Gründli­strasse ab. Der Kreisel soll den Mehrverkehr regulieren, der durch den Vollanschluss auf der Hofmättelistrasse entstehen würde, und die Sicherheit des Langsamverkehrs erhöhen. Die Kosten von 920000 Franken teilen sich Kanton und Gemeinde hälftig, wobei die Kantonsbeteiligung in den nächsten Wochen noch vom Regierungs- und Kantonsrat genehmigt werden muss.

Der Baustart für den Vollanschluss sei frühestens Anfang 2020, sagt Regula Gerig auf Anfrage, zumal gegen das Astra-­Projekt noch Einsprachen von Anwohnern hängig seien. «Den Kreisel können wir idealerweise davor realisieren, die flankierenden Massnahmen ganz am Schluss.» Vorausgesetzt natürlich, die Alpnacher sagen im Juni Ja. Regula Gerig will keine Prognose wagen. «Gegen Tempo 30 auf der Hauptstrasse besteht sicher einige Skepsis in der Bevölkerung.» Mit der Abstimmung 2015 sei die heutige Vorlage aber nicht zu vergleichen. «Diesmal geht es für Alpnach um mehr als Tempo 30.»

Hinweis

Am Mittwoch, 2. Mai, um 19.30 Uhr findet im Singsaal Alpnach eine Informationsveranstaltung zu allen Vorlagen statt, die im Juni an die Urne kommen.


Anzeige: