15 Tonnen wöchentlich: Auch Obwaldens Fleischkonsum schadet der Umwelt

SARNEN ⋅ «Durch Fleischkonsum beeinflussen wir die Umwelt und den Klimawandel täglich!», stellt Maturandin Miriam Mende fest. Mit ihrer Umfrage zeigt sie auf, wie sehr selbst Obwaldens Bevölkerung damit Schaden anrichtet.
03. Februar 2018, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Ziel meiner Maturaarbeit war, mittels einer eigenen Umfrage herauszufinden, wie viel Fleisch Obwaldens Bevölkerung im Durchschnitt konsumiert und welche Folgen ihre Essgewohnheiten auf die Umwelt haben», sagt die Sachsler Gymnasiastin Miriam Mende. Mit ihrer Untersuchung «Klimawandel auf dem Fleischteller Obwaldens» hat sie ein glattes «Sehr gut» erhalten. Aus gutem Grund: Zum einen legt sie sorgfältig recherchierte Fakten auf den Tisch, die aufhorchen lassen. Zum andern weist sie auf eindrückliche Weise nach, wie wenig die Obwaldner Bevölkerung über den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Klimawandel Bescheid weiss.

Anstoss gab ein Zeitungsartikel

«Ein Artikel aus dieser Zeitung mit dem Titel ‹So können Fleischesser die Umwelt schonen› hat mich auf das Thema aufmerksam gemacht», erklärte Mende bei der Präsentation ihrer Maturaarbeit dem Publikum. Darin wurde über die negativen Folgen des Konsums vor allem von Rindfleisch auf das Klima berichtet. Während ihres Austauschjahrs in den USA habe sie zudem festgestellt, dass bei Themen wie Massentierhaltung und Klimawandel viele Leute lieber schwiegen als offen darüber zu reden. «Aus all diesen Gründen fasste ich den Entschluss, dem Phänomen auf den Grund zu gehen und zwar in Obwalden», begründet sie ihre ganz persönliche Motivation.

«Viele Menschen denken, dass hauptsächlich Abgase für den Klimawandel verantwortlich sind, dabei geht ganz vergessen, dass auch unser Fleischkonsum zur Klimaerwärmung beiträgt», sagt Miriam Mende. Immerhin 18 Prozent der von Menschen produzierten Klimagase entstünden bei der Fleischproduktion, vor allem durch die Rinder. Sie produzieren während des Wiederkäuens im Pansen Methangas, das sie dann ausstossen. Methan ist ein Treibhausgas und erwärmt die Luft. Für die Treibhauskonzentration in der Atmosphäre ist es rund 25 Mal schädlicher als das viel geschmähte Kohlenstoffdioxid CO2. Damit sei die Tierhaltung – namentlich eben jene von Rindern – an der Klimaerwärmung direkt beteiligt.

«Wie viel aber trägt die Obwaldner Bevölkerung zum Klimawandel bei?», lautete ihre Frage bei der Präsentation. Mit ihren Antworten lässt sie dann das Publikum staunen. Erst rechnet sie vor: «Ein Rind stösst pro Jahr 50 Kilogramm Methan aus. Multipliziert man dies mit den in Obwalden etwa 2014 gehaltenen 18'047 Rindern, kommt man auf die unglaubliche Zahl von 902'350 Kilogramm Methangas pro Jahr.»

Mit aufwendigen Umfragen bei 145 Schülern und ihren Eltern und Bekannten erhält die Maturandin konkrete Zahlen zum Fleischkonsum. Diese rechnet sie mit modernen Methoden auf Obwaldens Bevölkerung hoch. Zum Beispiel dies: Alle Einwohner des Kantons Obwalden konsumieren pro Woche 14'985 Kilo Fleisch. Vorab Geflügel, dahinter folgen Rind, Schwein und andere Tierarten. Damit werden allein in diesem kleinen Kanton pro Jahr über 23 Millionen Liter Wasser verbraucht und 18'200 Kilo Kohlendioxid ausgestossen.

Und hier rechnet die Gymnasiastin weiter: Bei einem Ersatz der Hälfte des Fleischkonsum durch eine vegetarische Alternative würde man beim Wasserverbrauch 45 Prozent einsparen und den Kohlendioxid-Ausstoss um 42 Prozent senken. Ihr Fazit: «Ich betone, dass wir nicht Vegetarier werden müssen, um die Umwelt zu schützen; ein einziger vegetarischer Tag pro Woche würde jährlich so viel Treibhausgas einsparen wie die Autofahrten von 3,7 Milliarden Kilometern verursachen.»

Was aber Miriam Mende am meisten erschreckt: wie ungenügend der Wissensstand der Bevölkerung zum Thema ist. Nur 10 der 145 Befragten wussten, welche Auswirkungen die Herstellung eines einzigen Kilogramms Rindfleisch für die Umwelt hat. Und die Maturaarbeit gipfelt in einer Forderung der Schülerin: «Es besteht aktueller Handlungsbedarf, die Obwaldner Bevölkerung besser über die Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Fleischkonsum zu informieren.» Nur wenn man mehr wisse, werde man dem eigenen Fleischkonsum kritischer gegenüberstehen und so die Umwelt schützen.


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