Von Bergen und Bahnen unter blauem Himmel

ENGELBERG ⋅ Anton Reckziegel prägte mit seinen farbenprächtigen Plakaten das Bild vom Reiseland Schweiz. Das Talmuseum widmet ihm ab Samstag eine Ausstellung.
07. Dezember 2017, 07:33

Blauer Himmel, schneebedeckte Berge, wilde Sturzbäche, Bahnen, die sich durch meterhohen Schnee kämpfen. Solche Motive finden sich auf Anton Reckziegels Plakaten. Um 1900 war er der ­bekannteste Plakatmaler der Schweiz. Mit seinen Plakaten, Ansichtskarten, Prospekten und Panoramen trug er wesentlich zur Entwicklung der Werbung bei und prägte die Vorstellung Schweizer Landschaftsidylle.

Ihm widmet das Talmuseum Engelberg eine Ausstellung mit seinem schweizweiten Schaffen, verquickt diese aber mit der Gegenwart: Die historischen Plakate Reckziegels werden 18 Plakatentwürfen der Studenten der Visuellen Kommunikation der Hochschule der Künste Bern HKB gegenübergestellt, heisst es in der Medienmitteilung des Museums. Die Aufgabe lautete, sich mit den veränderten Anforderungen an die zeitgenössische Tourismuswerbung auseinanderzusetzen.

Reckziegel wurde lange übersehen und verschmäht

Trotz seines intensiven Wirkens in der Schweiz von 1893 bis 1909 wurde der Maler und Lithograf aus Böhmen, heute Tschechien, lange Zeit übersehen oder bewusst verschmäht. Nach dem Zweiten Weltkrieg galten seine Arbeiten als überholt. Man sah in ihm laut Medienmitteilung «einen seriellen Fleissarbeiter, der mit der nachfolgenden Grafikergeneration nicht mithalten konnte». Eine Ausstellung des Alpinen Museums 1998 in Bern mit seinen Werken relativierte seinen Stellenwert.

1893 arbeitete Reckziegel als Werbezeichner in Aarau. Fünf Jahre später war er Chefzeichner einer Lithografischen Kunstanstalt in Bern. Ab 1899 warb er für die Stansstad-Engelberg-Bahn und für Engelberg. Heute gilt er als Wegbereiter der Werbegrafik und als einer der erfolgreichsten Entwerfer Schweizer Reiseplakate in den Anfängen dieses Reklamezweigs. (pd)

Hinweis

Ausstellung «Reklamekunst und Reiseträume» vom 10. Dezember bis 4. März. Öffnungszeiten unter www.talmuseum.ch


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