Nach 12 Jahren ist Engelberg wieder im Regierungsrat vertreten

OBWALDEN ⋅ Nach einer zwölfjährigen «Pause» ist Engelberg wieder im Regierungsrat vertreten. Ein Meilenstein, der zusammen mit einer SVP-Premiere gefeiert wurde.
12. April 2018, 05:00

Robert Hess

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Mit einem knappen Vorsprung von 29 Stimmen auf CVP-Kandidat Michael Siegrist wurde der 58-jährige SVP-Kantonsrat Daniel Wyler am Wochenende in den Obwaldner Regierungsrat gewählt. «Es wären 30 Stimmen Vorsprung gewesen», bedauerte der seit vielen Jahren in Engelberg wohnhafte gebürtige Basler Jürg Kirchhofer an der Wahlfeier vom Dienstagabend im Gespräch mit unserer Zeitung. Des Rätsels Lösung: «Die Air France musste am Wochenende in Marrakesch überraschend am Boden bleiben und ich kam deshalb nicht mehr rechtzeitig an die Urne. Nicht auszudenken, wenn Dani Wyler diese eine Stimme gefehlt hätte!»

Ob 29 oder 30 Stimmen: Dem seit 2002 in Engelberg wohnhaften Ostschweizer Juristen und Direktor Daniel Wyler war es egal: «Gewonnen ist gewonnen», hatte er das Ergebnis bereits kurz nach seiner Wahl kommentiert. Freude herrschte auch in vielen Variationen an der Wahlfeier für Wyler im Engelberger Hotel Bellevue-Terminus, die von der Einwohnergemeinde organisiert und von der Musikgesellschaft und einem volkstümlichen Trio umrahmt wurde.

«Wir sind hoch erfreut, dass Engelberg nach 12-jähriger Wartezeit seinen lang ersehnten Sitz in der Obwaldner Regierung zurückerobert hat, nachdem Elisabeth Gander die Regierung verlassen hatte», erklärte Talammann Alex Höchli zu Beginn der Wahlfeier. «Und dass unser Mitbürger seine Partei, die SVP, nach 18-jähriger Wartezeit erstmals in die Regierung bringt, freut natürlich besonders seine mitpolitisierenden ‹Fraue und Manne› im ganzen Obwaldner Land», so Höchli. Namens der Einwohnergemeinde überreichte er dem Neugewählten einen alten Stahlstich, den «wir jeweils das Fenster nach Engelberg nennen».

Umsetzbar und mehrheitsfähig

Die Grüsse und Gratulation des Regierungsrates überbrachte Frau Landammann Maya Büchi. Noch stehe nicht fest, «welches Departement du leiten wirst, doch wichtig ist, dass du die mit diesem Amt zugewiesenen Aufgaben zum Wohl der Menschen im Kanton ausführen wirst». In unserer politischen Kultur dürfe man «intensiv diskutieren, seine Meinung vertreten, aber vor allem gilt es, umsetzbare und mehrheitsfähige Lösungen zu finden». Als Geschenk hatte Büchi wie schon bei Christian Schäli ein selber angefertigtes Steinmanndli mitgebracht: «Aus fünf Steinen, symbolisch für die Kollegialbehörde, die nur gemeinsam als Ganzes erfolgreich funktioniert.»

Das Steinmanndli erwies sich aber als recht kurzlebig. Die Freude von SVP-Präsidentin Monika Rüegger, dass für ihre Partei mit der Wahl von Wylers «ein langer und steiniger Weg mit vielen Rückschlägen, Wahlniederlagen und vielen Hürden erfolgreich zu Ende gegangen ist», war sichtlich riesengross. Die Folge könnte eine unvorsichtige Bewegung gewesen sein, die genügte, um das im Bereich des Rednerpultes aufgestellte Steinmanndli auf den Boden zu befördern und in Einzelteile zu zerlegen. Im Saal trug man es mit Humor und Fassung, denn die fünf Steine lassen sich wieder leimen. Offenbar hatte aber die SP-Frau Elisabeth Brun besonderes Bedauern mit dem zerlegten Manndli und schmückte es – kaum beachtet – mit einem grün-roten Kräuterarrangement.

Selbstverständlich kommentierte später auch Wyler das Missgeschick. Nach dem Dank an seine Wähler scherzte er: «Ausgerechnet die Parteipräsidentin legt mir die ersten Steine als Regierungsrat in den Weg!» Von «seiner» Präsidentin liess sich der Ostschweizer neben einem Engelberger Bild ein Obwaldner Mundartwörterbuch schenken, «damit er mit seinem Dialekt vielleicht auch versteht, was man in Lungern sagt». Ein Rezept dazu präsentierte auch Bürgerpräsident Sepp Infanger, der Wyler einen kleinen Baum schenkte. «Wenn du im Laufe der Zeit wie dieser Baum in Engelberg richtig Wurzeln schlägst, brauchst du kein Wörterbuch mehr!»


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