Wandern für Frieden bleibt nötig

FLÜELI-RANFT ⋅ Die Internationale Kolping-Friedenswanderung wurde vom früheren Sachsler Pfarrer Josef Eberli lanciert. Zur 50. Auflage kehrten 280 Männer und Frauen hierher zurück. Einer war gar immer dabei.
19. Juni 2017, 08:05

Romano Cuonz

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Ein überaus imposantes Bild: Da wandert und kraxelt eine gewaltige Schar von 280 Männern und Frauen hinter einem Fahnenträger langsam und sachte die Hügel von Sarnen nach Flüeli-Ranft hin­auf. Alte und Junge. Aus der Schweiz, aus Deutschland, Österreich, Litauen, Luxemburg, Italien, Rumänien und Tschechien stammen sie. Wenn lebhaft diskutiert wird, entsteht ein Wirrwarr von Sprachen. Und dennoch sind alle miteinander befreundet: Man gehört zur grossen europäischen Kolping-Familie.

Bernhard Leifeling– er gehört zum deutschen Leitungsteam für die Friedenswanderung – erzählt: «Adolf Kolping (1813–1865), ein Priester in Köln, hat 1849 einen Gesellenverein gegründet. Dieser verbreitete sich bald in der ganzen Welt.» Sein wichtigstes Ziel habe der sozial engagierte Mann einmal mit dem Satz «Nur bessere Menschen machen die Zeiten besser» umschrieben. «Kolping baute Brücken: zwischen Kirche und Menschen und zwischen Menschen untereinander.» Und genau da – so ergänzt der Obwaldner OK-Präsident der 50. Kolping-Friedenswanderung, Erwin Heymann– habe 1968 der damals junge Sachsler Pfarrer Josef Eberli eingesetzt. «Um nach all dem Leid der Kriege ein starkes Zeichen für den Frieden zu setzen, lud er alle Kolpingbrüder und -schwestern zur ersten mehrtägigen Wanderung für den ­Frieden auf den Spuren des Friedensheiligen Bruder Klaus von Sachseln bis Einsiedeln ein.»

Heuer nun wollte man den 50. Geburtstag der Idee darum von Donnerstag bis Sonntag wieder mit Wanderungen in Obwalden feiern. Wie sich der lange Zug der Flüeli-Kapelle und dem Geburtshaus von Bruder Klaus nähert, ist einer besonders stolz und auch sehr erleichtert: ­Fahnenträger und Wanderleiter Sepp Sigrist.«Für die vielen ­älteren Leute war es schon eine Strapaze», sagt er. Weil man Schritt für Schritt im Gänsemarsch gegangen sei, hätten es alle ohne grosse Probleme geschafft. Mitgewandert ist auch der Oltner Logistiker Franz Bremgartner, der die 50 Friedenswanderungen in einem Buch beschrieben hat. Um die zahl­losen Bilder zur Dokumentation zusammenzutragen, reiste er durch halb Europa. Während dieser Arbeit sei ihm eines klar geworden: «Lange bevor Politiker eine Europäische Union schufen, versuchten wir dies auf Friedenswanderungen schon zu tun!»

Unvergessliche Freundschaften

Hört man als Zaungast ein wenig mit, was die Friedenswanderer bei Älplermagronen und Apfelmus so plaudern, ist ein Wort überall und immer wieder zu ­hören: Freundschaft! Etwas aber kann nur einer der vielen Freunde, nämlich der 82-jährige Dachdeckermeister Paul Schwarze aus Bochum, von sich behaupten: «Ich habe alle 50 Wanderungen mitgemacht, das war nötig, weil ja der Krieg auf der Welt seither nie aufgehört hat.» Lina Kalibataité und Alge Suliakaite aus ­Litauen stimmen ihm bei. Das Wandern sei aber schon etwas hart für sie, sagt Alge: «In Litauen war es 12 Grad kühl, und hier gleich 28 Grad!» Die Juristin Lina ist seit ihrem Studium bei Kolping. Ihre echte Begeisterung für den in Litauen wenig bekannten Bruder Klaus sei aber erst auf dieser Wanderung entstanden.

Annette Schroeder aus Luxemburg wandert mit Kolping, seit sie Kind war. «Mein Vater Pool hat damals die Friedenswanderung von der Schweiz nach ganz Europa ausgeweitet», sagt die Bankfachfrau voll Stolz. Mit ihm Feuer und Flamme für die Wanderungen war auch sein Freund Ed Wagner. Der stämmige Landwirt aus Luxemburg – er wandert noch immer mit – ist überzeugt: «Wenn sich in Europa und auf der Welt etwas bewegen soll, muss sich unsere über Grenzen hinweg freundschaftliche Art zu denken durchsetzen!» Die Kauffrau Gabriela Bremgartner aus Olten unterhält sich lebhaft mit Annie Piepel, einer Gesundheitsfachfrau aus dem deutschen Salzberg. «Schon als kleines Kind nahm ich in der Kolpingfamilie an Spielnachmittagen und Familienausflügen teil, ich wuchs da einfach hinein.» Später habe sie dank Kolping ihren Mann und auch andere Kulturen und Freunde in vielen Ländern kennen gelernt. «Kolping lässt mich über den Gartenzaun hinwegschauen, das macht es so spannend», hält sie fest.

Und Piepel ergänzt: «Auch ich bin als Kind in der Flohschar dazugekommen und seither immer dabei gewesen. Seit 33 Jahren wandere ich mit.» Es sei unglaublich, wie viele gute alte Freunde sie auch heuer getroffen habe. «Für mich sind die ruppigen Anstiege ein Abenteuer, weil ich aus einer platten Landschaft komme.» Dabei kommt auch Margrit Lind aus Ostfriesland ausser Atem. Doch oben bilanziert sie beim urchigen Essen, was alle Wanderer bewegt: «Allein können wir nicht viel bewirken, aber gemeinsam vermögen wir für den internationalen Frieden und die Gerechtigkeit ein starkes Zeichen zu setzen.»


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