Wanderwegnetz soll kürzer, aber attraktiver werden

OBWALDEN ⋅ Der nach 20 Jahren überarbeitete Richtplan für die Wanderwege kommt vor den Kantonsrat. Die Frage nach der Auswirkung auf die Grundeigentümer führte im Vorfeld zu Verzögerungen.
05. Dezember 2017, 08:20

Der bestehende Richtplan für das Obwaldner Wanderwegnetz ist über 20 Jahre alt. Seit der Genehmigung 1995 haben sich die Obwaldner Wanderwege beträchtlich verändert: Alp- und Forststrassen wurden ausgebaut, neue Schutz- und Nutzungspläne erlassen, und Naturereignisse und veränderte landwirtschaftliche Nutzung haben die Landschaft beeinflusst. Morgen Mittwoch entscheidet der Kantonsrat daher über den angepassten Richtplan – ein Jahr später, als ursprünglich geplant. Bereits im Oktober 2016 sollte der Richtplan vors Parlament kommen. Doch in der vorberatenden Kommission für Richtplanung regte sich Widerstand. Es kam die Frage auf, weshalb der Kanton einen angepassten Richtplan überhaupt brauche und welche Auswirkungen die Anpassung auf die Grundeigentümer habe.

Diese Fragen hat die Regierung nun beantwortet. In Obwalden gebe es rund 15000 Wanderer, schreibt der Regierungsrat in seinem Bericht. Im Jahr 2014 kamen zusammen mit auswärtigen Wanderern so 770000 Wandertage zusammen, wobei die Wanderer rund 21 Millionen Franken ausgaben. 2017 gab es in Obwalden durch das Wandern rund 165 Vollzeitstellen. Zentrale Voraussetzung für das wirtschaftlich bedeutsame Wandern sei ein attraktives Wanderwegnetz, schreibt der Regierungsrat. So habe man etwa mit der Anpassung das Ziel verfolgt, zusammenhängende Wegnetze zu erstellen und Wegabschnitte mit Hartbelag durch attraktive Abschnitte mit Naturbelag zu ersetzen. Entstanden ist ein Richtplan, der 1085 Kilometer Wanderwege enthält, rund 82 Kilometer weniger als der bisherige. 113 Kilometer wurden neu in den Richtplan aufgenommen, 195 Kilometer dagegen gestrichen.

Einwendungen wegen Ersatzpflicht der Eigentümer

Auf die Grundeigentümer habe der Richtplan keine direkten Auswirkungen, erläutert die Regierung. Denn Richtpläne legen nicht konkrete Projekte, sondern nur eine generelle Planungsabsicht der Behörden fest. Die konkrete Planung von Wanderwegen findet in separaten Verfahren statt, bei denen sich die Grundeigentümer einbringen können. Anstoss für die Einwendungen der Richtplanungskommission ist gemäss Kommissionspräsident Hans-Melk Reinhard denn auch ein anderer gewesen. «Die Ersatzpflicht von Grundeigentümern, wenn sie einen Fuss- oder Wanderweg etwa auf einer grösseren Strecke befestigen, wird für die Grundeigentümer teilweise unbefriedigend gehandhabt», erklärt der FDP-Präsident.

Bis zu 70000 Franken für Wegweiser pro Gemeinde

Die Regierung hält dagegen fest, bisher sei in allen Fällen der Ersatzpflicht eine einvernehmliche Lösung gefunden worden. Weiter argumentiert sie, die Ersatzpflicht entstehe auch unabhängig von der Genehmigung des angepassten Richtplans, da sie bundesrechtlich verankert ist. Kommissionspräsident Reinhard gibt dagegen zu bedenken: «Bei einem Teil der 113 neu in den Richtplan aufgenommenen Wanderwegkilometer werden die Grundeigentümer ersatzpflichtig, wenn sie diese mit einem Hartbelag versehen.» Konkret sind es 31 Kilometer der 91 auf bestehenden Wegen geplanten Wanderwegkilometer, die aufgrund ihrer Breite für einen Asphalt- oder Betonbelag in Frage kämen.

Man habe daher die Chance gepackt, mit der Genehmigung des Richtplans auch gleich die Handhabung der Ersatzpflicht zu konkretisieren, sagt Reinhard. Die von der Kommission beantragten Anmerkungen zum Bericht der Regierung halten etwa fest, dass die Ersatzpflicht verhältnismässig anzuwenden sei, dass sie erst ab einer Wegstrecke mit über 30 Minuten Gehzeit gelte und dass die Erneuerung von Hartbelag keine Ersatzpflicht auslöse. Die Anmerkungen würden mit der Genehmigung durch den Kantonsrat verbindlich und wären zukünftig in die kantonale Vollziehungsverordnung aufzunehmen. «Darüber hinaus steht die Kommission einstimmig hinter dem angepassten Richtplan», sagt Reinhard: «Ich rechne daher auch mit einer Genehmigung im Kantonsrat.»

Wird der Richtplan gutgeheissen, soll das überarbeitete Wanderroutennetz in den kommenden Jahren mit neuen Wegweisern signalisiert werden. Die Signalisation ist Aufgabe der Gemeinden. Der Regierungsrat geht je nach Gemeinde von Kosten bis zu 70000 Franken für die Neusignalisation aus.

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch


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