Witzige Hommage an Lisel von Moos

STALDEN ⋅ Beppi Baggenstos inszeniert in seinem Innerschweizer Alptheater das Singspiel «Heimatärdä» mit prächtigen Melodien von André von Moos: Hühnerhaut- und Heimwehtheater, farbig und gespickt mit amüsanten Gags.
17. Juni 2017, 05:00

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

 

1993, am Eidgenössischen Jodlerfest in Sarnen, sorgte unter anderem ein Festspiel für Begeisterung und grossen Beifall aus der Jodlerszene. In diesem Singspiel mit dem passenden Titel «Heimatärdä» erzählt die Sachsler Mundartdichterin Lisel von Moos eine bodenständige Bauerngeschichte mit einfach allem, was in einem urchigen Landtheater dazugehört. Ihr Sohn – der damals noch junge Jodler André von Moos – steuerte neue Lieder und Juize bei. Vor allem diese Kompositionen – etwa das wehmütig- melodiöse «Aelggilied» – wurden landesweit zu Evergreens.

«Ich habe alle Hochachtung vor dieser Musik, das sind ein- fach wundervolle Melodien», schwärmt Theatermann und Regisseur Beppi Baggenstos. Vor allem wegen der Musik habe er beschlossen, dieses «Hühnerhaut- und Heimwehtheater» auf seiner Alpbühne nochmals aufleben zu lassen. Wie es sich gehört: vor passender Bergkulisse mit einem Blick ins Freie, der vom Stanserhorn bis zu den Berner Alpen reicht.

Auf die aktuelle Zeit «umgemodelt»

Auch bei dieser Neuinszenierung sei er sehr darauf bedacht gewesen, die Musik unverändert zu lassen, betont Baggenstos. «Peter Berchtold hat sie lediglich für die bei uns einmal mehr brillant aufspielende Obwaldner Huismuisig arrangiert.» Das Stück selber – nun in neuer Fassung – trägt unverkennbar die Handschrift von Baggenstos. «Weil Zuschauer vor 24 Jahren noch andere Dinge amüsant fanden als heute, habe ich den Grundtext nach meiner Art umgemodelt», sagt er. In der Tat. Da begegnet man zahlreichen witzig-komisch gezeichneten Charakteren: etwa Willy Zumstein als Pfannenflicker Ferdi. Der führt doch in seiner Tasche tatsächlich einen uralten Telefonapparat als Handy mit. Viel Applaus auch für den urkomischen Erfinder Karitoniwisi (Marcel Dillier), der mit grossem Erfolg skurrile Maschinen – eine verrückter als die andere – vorführt. Natürlich: alle selfmade by Beppi Baggenstos! Auch die burschikose Schwingerin Christel (Laura Meier), die es den Haslibergerinnen ganz schön zeigt, ist samt blauem Auge wortwörtlich umwerfend. Oder Gastarbeiter Hans (Carsten Becker) mit uraltem Motorrad und fast lupenreinem Schwäbisch. Die Kräuterfrau Babette schliesslich besingt in einem der schönsten Lieder wie «Erika bei Liebeskummer» und «Bibernell gegen Schleim» helfen. Herrlich naiv – und immer mit kabarettistischem Augenzwinkern gezeichnet – sind auch die Mägde (Anni von Moos und Lina Wirz) oder, schrill gekleidet, die reiche Bauerntochter (Flavia Berwert).

Bei der Geschichte bleibt Beppi Baggenstos näher an Lisel Götschis Vorlage: Der Zank zwischen dem ehrgeizigen Bauern und Lokalpolitiker Chlais (Beat Barmettler) und seinem Sohn Guschti (Christoph Imfeld) bleibt im Mittelpunkt. Zum grossen Kummer seiner Mutter (Marianne Friedrich) und seiner weitsichtigen Tante Sofie (Annemarie Wieland, die immer wieder mit ihrer prächtigen Jodelstimme glänzt) zieht Guschti in die weite Welt. Dazu singt er mit gebrochenem Herzen: «Bi verzwifled und äleinig, weiss nid uis nu i.» Das Stück nähme wohl ein furchtbares Ende, hätte der lebensfrohe Schafscherer (Peter Loup) nicht noch ein gar hübsches Töchterchen mit blonden Zöpfen. Diese Klärli (Nathalie Dillier) schickt dem Bauernsohn Brief um Brief in die Fremde. Und so kommt es dann – just zum 50. Geburtstag des herrschsüchtigen Bauern – zu einem Happy End samt im Chor gesungenem Liebeslied.

Hinweis

Die Vorstellungen sind alle bereits ausverkauft, aber es können einzelne Zusatzplätze unter Telefon 079 378 72 10 reserviert werden.


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