Berufsbildner-Forum: Zukunft ist teils unvorstellbar

OBWALDEN ⋅ Die Digitalisierung verändert Berufsbilder und damit auch die Berufsbildung. Die Schweiz brauche sich davor nicht zu fürchten, lautet das Fazit des 5. Berufsbildner-Forums Obwalden.
02. Dezember 2017, 09:09

Daniel Schwab, Apimedia

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Die Veränderung ist in der heutigen Zeit die grösste Konstante. Oder: «Was gestern galt, gilt heute nicht mehr und morgen erst recht nicht», wie es Regierungsrat Franz Enderli am Berufsbildner-Forum Obwalden vom Donnerstagabend einleitend formulierte. Über 150 Verantwortliche für Berufsbildung – so viele wie noch nie seit Einführung des ­Anlasses im Jahr 2012 – waren in die Aula der Kantonsschule Obwalden gekommen, um einen Einblick in die Berufsbildung der Zukunft zu erhalten. Sehr zur Freude von Thilo Briel vom organisierenden Amt für Berufsbildung. Enderli dankte den Anwesenden in der Aula der Kantonsschule Obwalden für ihren harten Job, den sie tagtäglich mit Herzblut verrichten.

Deutlich mehr Senioren in der Zukunft

In seinem Inputreferat zeigte der aus Sarnen stammende Zukunftsforscher Georges T. Roos auf, welche Auswirkungen die ­Digitalisierung auf unser Privat- und Berufsleben haben könnte. «Was in den nächsten 20 Jahren auf uns zukommt, können wir uns noch gar nicht vorstellen.» Dannzumal werde die Schweiz wohl 10 Millionen Einwohner ­haben, wobei jeder Vierte älter als 65 Jahre sein wird. Roos geht davon aus, dass die Hälfte der heutigen Primarschüler dereinst in Berufen arbeitet, die es heute noch nicht gibt. Und viele der heutigen Jobs dürften dann automatisiert sein. Eine weitere nachdenklich stimmende Prognose: «Computer werden in naher Zukunft 80 Prozent der Funktionen erfüllen, die heute Ärzte erbringen.»

3D-Drucker statt Handwerker?

Keine Frage: Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Doch sie wird nicht alle Berufe und Branchen in gleichem Mass treffen, wie die anschliessende Podiumsdiskussion deutlich machte. Coni Ettlin, Inhaberin des Reisebüros Feriezyt, registriert bis jetzt keine Umsatzrückgänge: «Nicht alle Jungen buchen online. Viele schätzen es nach wie vor, eine direkte Ansprechperson zu haben.» Auch Matthias von Ah, Geschäftsführer der Gasser Felstechnik, kann sich nicht vorstellen, dass Häuser dereinst nur noch mit dem 3D-Drucker gebaut werden. Für den Präsidenten des Baumeisterverbandes Unterwalden ist aber klar, dass Planung und Ausführung in den nächsten Jahren näher zusammenrücken werden. «Veränderungen gab es immer, heute finden sie einfach viel schneller statt», gab Josef Widmer, stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, zu bedenken. Auf die Frage, ob er denn auch im Digitalisierungszeitalter noch gut schlafe, meinte Widmer: «Ja, sicher. Die Schweiz ist mit ihrem Berufsbildungssystem bestens auf die Zukunft vorbereitet.»

Zudem ist er überzeugt, dass das Handwerk auch in 30 Jahren noch goldenen Boden haben wird. Dessen ist sich Thomas Müller, Leiter Berufsbildung bei Maxon Motor, weniger sicher. In seinem Betrieb stellt er fest, dass immer mehr Lernende nach der Lehre in einen anderen Beruf ziehen. Generation Y eben. So werde es auch immer schwieriger, gute Leute im Betrieb zu halten.

Seine Hoffnung: «Dass sie irgendwann wieder zu uns zurückkommen.» Der Generation Y gehört auch Miriam Sager an. Die Fachfrau Gesundheit wünscht sich neben der unvermeidbaren technischen Entwicklung auch Anpassungen in den Arbeitszeitmodellen. «In meinem Freundeskreis kenne ich niemanden, der stur von Montag bis Freitag arbeiten möchte», sagt sie. «Wir wollen nicht angebunden sein.»


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