Zukunftssorgen trotz hohem Überschuss in Sarnen

FINANZEN ⋅ Die Jahresrechnung 2017 des Hauptortes schliesst mit gut 3 Millionen im Plus ab. Auch weist sie ein Vermögen pro Kopf von 1100 Franken aus. Trotz diesen guten Zahlen warnt Finanzchef Beat Odermatt.
13. April 2018, 07:41

Eigentlich dürfte sich der Sarner Finanzchef Beat Odermatt über die Zahlen, die er den Sarner Bevölkerung am 8. Mai an der Gemeindeversammlung vorlegen wird, riesig freuen. Diese zeigen auf, dass Sarnen eine für Steuerzahler nach wie vor attraktive Gemeinde ist. Aber auch eine, die mit ihren Einnahmen sehr haushälterisch umzugehen versteht. Ein augenfälliger Beweis für diese Tatsache ist das Vermögen pro Kopf der 10 400 Einwohner: Dank einem wiederum guten Jahresergebnis 2017 ist dieses um nochmals 72 Franken auf neu 1100 Franken pro Einwohner angestiegen.

Das ordentliche Jahresergebnis weist ein positives Resultat von 3,069 Millionen Franken aus. Von diesem Ertragsüberschuss wurde Geld zurückgestellt: als Vorfinanzierung zur Erhaltung der Gemeindestrassen 1,5 Millionen und 1,06 Millionen für Abschreibungen. Damit bleibt den Sarnern aber immer noch ein Ertragsüberschuss von einer guten halben Million Franken. Odermatts Kommentar dazu: «Dieser Gewinn ergab sich aus einmaligen Erträgen bei den Steuern und der Verschiebung von Projekten ins nächste Jahr, namentlich für Reservoir-Bauten und beim Hochwasserschutz Sarneraatal.» Was einem dabei als Betrachter auch in die Augen sticht, ist der grosse Wille zum Sparen. Was bei andern Gemeinden eher Seltenheitswert besitzt, war in Sarnen möglich: Der Sachaufwand blieb um 9,64 Prozent unter den budgetierten Kosten, und selbst der Personalaufwand unterschritt das Budget um 2,53 Prozent. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf knapp 3,45 Millionen Franken. Odermatt meinte: «Für mich ist sehr erfreulich, dass wir mit dem Schulhaus Stalden und dem angegliederten Schwanderhof ein Projekt realisieren konnten, das wir während Jahren immer wieder aufschieben mussten.» Ein Projekt, das alles in allem gegen 6 Millionen beansprucht hatte.

Paul Federers Vorschlag findet keinen Anklang

Alt Regierungsrat Paul Federer war am Orientierungsanlass vom Mittwoch als Parteivertreter anwesend. Ihn stimmte das gute Ergebnis mit «einmal mehr einmaligen» Steuereinnahmen optimistisch, wie er bemerkte. So gab er denn dem Gemeinderat eine Anregung mit auf den Weg: Er möge doch prüfen, ob Sarnen als gut situierte Gemeinde die kantonale Steuererhöhung, die schon bald Tatsache werden könnte, nicht mit einer gemeindlichen Reduktion um den gleichen Prozentsatz aufzufangen vermöchte.

Gegen eine solche Idee setzten sich sowohl Gemeindepräsident Jürg Berlinger als auch Finanzchef Beat Odermatt zur Wehr. Höchstes Ziel sei es, so Berlinger, den heutigen Steuersatz möglichst auch in den nächsten Jahren noch zu halten.

Odermatt belegte dann auch, wo und wie sehr der Schuh die Sarner drückt. «In den kommenden Jahren steht unsere Gemeinde vor grossen finanziellen Herausforderungen», sagte er. Müsste man bereits in diesem Jahr 100 Prozent als Beitrag an den innerkantonalen Finanzausgleich bezahlen, wären dies 3,6 Millionen Franken. «In diesem Fall aber hätten wir die Rechnung mit einem Mehraufwand von einer halben Million abgeschlossen», rechnete Odermatt vor. Weil dieses Szenario tatsächlich möglich sei und Sarnen in den kommenden Jahren grosse Investitionen bevorstünden, sei man gut beraten, mit den heutigen Reserven sorgsam umzugehen.

 

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Einwohnergemeindeversammlung Sarnen: 8. Mai, 19.30 Uhr, in der Aula Cher.


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