100'000 Franken in eigenen Sack

SCHWYZER STRAFGERICHT ⋅ Ein ehemaliger Mitarbeiter des Bezirks musste sich am Donnerstag vor Gericht verantworten: Er hat den Bezirk Küssnacht um 98'539 Franken betrogen.
15. September 2017, 12:19

 

Nadine Annen

Das Schwyzer Strafgericht hat am Donnerstag den ehemaligen Mitarbeiter der Bezirksverwaltung der mehrfachen qualifizierten und mehrfachen geringfügigen qualifizierten Veruntreuung, des gewerbsmässigen Betrugs, der mehrfachen Urkundenfälschung, der einfachen versuchten Urkundenfälschung und der mehrfachen ungetreuen Amtsführung schuldig gesprochen. Beim Strafmass ist das Gericht in diesem abgekürzten Verfahren dem zuvor von Staatsanwaltschaft und Verteidigung ausgemachten Antrag gefolgt: eine Geldstrafe von 330 Tagessätzen a 120 Franken, insgesamt also 39600 Franken, aufgeschoben auf eine Probezeit von zwei Jahren, sowie eine Busse von 500 Franken. Bei Nichtbezahlen der Busse beträgt die Ersatzfreiheitsstrafe fünf Tage. Der Angeklagte muss zudem die Verfahrenskosten von rund 4500 Franken bezahlen.

Der Mann war in seiner Position berechtigt, Rechnungen bis zu 2000 Franken eigenständig zu prüfen und zu visieren und sodann der Bezirksrechnung zur Zahlung weiterzuleiten. Auch war er berechtigt, Aufträge eigenständig an Dritte zu vergeben. Diese Kompetenzen hat er ausgenutzt, um sich selbst zu bereichern.

124 betrügerische Handlungen nachgewiesen

Während rund drei Jahren zwischen 2012 und 2015 bestellte er 57-mal Waren im Wert von insgesamt 20574.70 Franken im Namen des Bezirks, liess diese an seinen Arbeitsort liefern und nahm sie für den Privatgebrauch mit nach Hause. In neun weiteren Fällen kaufte er in verschiedenen Geschäften für insgesamt 2739.70 Franken Waren für seinen Privatgebrauch ein und stellte die Beträge dem Bezirk als «Barauszahlung» in Rechnung.

Des Weiteren hat er in 57 Fällen beim 58. blieb es beim Versuch – Rechnungen in der Höhe von insgesamt 75 224.60 Franken für nie erbrachte oder erworbene Dienstleistungen und Waren sowie Quittungen für Honorar- und Spesenabrechnungen mit der Unterschrift des jeweiligen Leistungserbringers gefälscht und an die Bezirkskasse gestellt. An das Geld kam er, indem er jeweils zuvor Gründe angab, Bargeld zu benötigen und anschliessend angab, dieses den Leistungserbringern bar ausgezahlt zu haben.

«Darf nicht bagatellisiert werden»

In ihrer Begründung für den Strafantrag erklärte die Staatsanwaltschaft, dass es sich angesichts des Zeitraums um eine verhältnismässig kleine Deliktsumme handle: «Er hätte auch grösseren Schaden anrichten können», wurde festgehalten. Das Vergehen sei deshalb nur als leicht einzustufen, dennoch dürfe es «nicht bagatellisiert werden», so die Staatsanwaltschaft weiter.

Dass der Angeklagte nicht vorbestraft war, seine Tat bereut und von Anfang an geständig und kooperativ war, die Zivilforderung anerkannt und mit dem Zurückzahlen der Schadenssumme bereits begonnen hat und sich wegen seiner Kaufsucht psychologisch behandeln lasse, wirke strafmindern. Zudem sei der Verlust der Arbeitsstelle beim Bezirk bereits ein «sofort spürbarer Denkzettel» gewesen, hält die Staatsanwaltschaft fest. Rund 40000 Franken hat der Verurteilte seinem ehemaligen Arbeitgeber bereits zurückbezahlt. Der Rest folge in Raten a 100 bis 300 Franken pro Monat, gab er gestern vor Gericht an.


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