24 Betrugsfälle und andere Geschichten

BUCH ⋅ Brandstifter, vermisste Kinder, ungeklärte Todesfälle: Marcel Bolfing war jahrelang als Polizist und als Schadeninspektor Betrügern auf den Fersen. Jetzt schrieb er ein Buch über seine Erlebnisse.
27. Oktober 2017, 08:54

Wie dreist Kriminelle vorgehen, weiss Marcel Bolfing (86). Er war Polizist, Schadeninspektor und selbstständiger Berater, spezialisiert auf Versicherungsbetrug. «Ich habe während meiner beruflichen Laufbahn über 1000 Fälle bearbeitet», sagt er.

In seinem Buch «Der Alltag als Krimi» rollt Bolfing 24 Geschichten auf und erklärt, wie er Betrügern auf die Schliche kam. Ein Fall, über den auch die Presse ausführlich berichtete, war der Brand eines grossen Fitnesscenters. Der Inhaber, ein Schweizer Meister in einer Kampfsportart, inszenierte ein perfektes Alibi. Dieses zerplatzte dank Marcel Bolfings Spürsinn wie eine Seifenblase. Mit Recherchen vor Ort und abgehörten Telefonaten flog der Promi als Schwindler auf. Das hoch verschuldete Fitnessstudio wurde von einem Helfer angezündet, während er mit zwei Freunden auf einer Insel weilte. «Die erhoffte Million Schadenersatz blieb ein Traum, dem er in seiner Zelle noch Jahre nachtrauern konnte», sagt Bolfing.

«Schillernde» Betrugsfälle

Doch auch mit «brillanten» Betrügereien kennt sich der Diamantgutachter und ehemalige Versicherungsdetektiv aus: Aufgrund einer hohen Schadensumme von 180 000 Franken beauftragte eine Versicherung Bolfing, den Fall einer gestohlenen Tasche mit wertvollem Schmuck zu überprüfen. Pikant: Die Frau hatte nur zwei Monate vor dem angeblichen Diebstahl den Schmuck im Wert von 200 000 Franken gegen Diebstahl versichern lassen.

Er habe viele Familiendramen erlebt, Doppelmörder befragt, ein Job-Angebot der Mafia erhalten und politische Machenschaften aufgedeckt. Wie ist es, wenn man permanent mit Betrügern zu tun hat, die Krankheiten simulieren oder Autounfälle und Einbrüche vortäuschen? «Ohne den Rückhalt meiner Frau Heidy hätte ich diesen Beruf nicht ausüben können», sagt Marcel Bolfing rückblickend. «Ich glaube an das Gute und habe den Menschen immer ohne Vorurteile zugehört.» Besonders am Herzen liegt ihm, dass sich junge Menschen nicht aus purem Leichtsinn die Zukunft verbauen. Darum sensibilisiert der Autor im zweiten Teil seines Werks Jugendliche und Eltern dafür, wie schnell aus einem Lausbubenstreich eine Schuldenfalle werden kann.

 

Edith Meyer

kanton@luzernerzeitung.ch


Hinweis

Das Buch «Der Alltag als Krimi» von Marcel Bolfing ist im Buchhandel erhältlich.


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