Ein Künstler mit einem Herz für behornte Kühe

SCHWYZ ⋅ Alfons Bürgler hat die IG Hornkuh Schwyz ins Leben gerufen. Im nächsten Jahr soll über sein Anliegen abgestimmt werden. Aber warum setzt sich ein 81-jähriger Künstler für behornte Kühe ein?

19. März 2017, 08:56

Alfons Bürgler gehört nicht zu jenen Leuten, die im Alter von über achtzig Jahren ihren wohlverdienten Ruhestand geniessen. Dass ein Künstler nicht mit 65 Jahren in Pension geht, ist nicht weiter ungewöhnlich – dass er sich für Kuhhörner einsetzt, aber schon eher.

Rund vierzig Personen gehö­ren der IG Hornkuh Schwyz an. In den vergangenen Jahren wurden schweizweit Interessensgemeinschaften gegründet, welche finanzielle Anreize für die Haltung von Hornkühen anstreben – neben Schwyz gibt es unter anderem auch im Kanton Uri eine entsprechende Organisation. In Form der Hornkuh-Initiative wird voraussichtlich nächstes Jahr über diese Forderung abgestimmt. Zu den Unterschriftensammlern gehörte auch Alfons Bürgler aus Steinen.

«Eine Entfernung widerspricht der Natur»

In der Schweiz sind ungefähr neun von zehn Kühen enthornt, im Kanton Schwyz dürfte der Anteil horntragender Kühe laut Alfons Bürgler noch etwas höher sein. Aber weshalb setzt sich ein Künstler, der weder in einer Bauernfamilie aufgewachsen noch selber Bauer ist, so vehement für behornte Kühe ein? «Meine Mutter starb kurz nach meiner Geburt. Als Säugling bekam ich anstelle der Muttermilch jeweils die Milch von Kühen – natürlich von behornten. Vielleicht wurde ich so vom Virus gepackt», sagt Alfons Bürgler und lächelt.

Hauptsächlich gehe es ihm aber um die Würde des Tieres: «Die Hörner gehören zur Kuh, eine Entfernung widerspricht der Natur und somit den Bedürfnissen des Tiers.» Für Bürgler bringt die Tatsache, dass er als Nicht-Bauer nicht unmittelbar von der Materie betroffen ist, erhebliche Vorteile. «Ich kann zu meiner Meinung stehen, ohne mich mit dem Nachbarbauern zu verkrachen.» Es stellt sich trotzdem die Frage: Wie wichtig sind die Hörner für die Kuh wirklich? Die Ini­tianten der Hornkuh-Initiative argumentieren unter anderem damit, dass gemäss dem schweizerischen Tierschutzgesetz niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Letztlich können wissenschaftliche Studien aber nur bedingt über die Auswirkungen der Enthornung Aufschluss geben. Alfons Bürgler sagt sodann auch: «Es ist eine Glaubensfrage.»

Bauernverband und Bundesrat sind dagegen

Nicht verwunderlich also, dass das Anliegen der Hornkuh-Befürworter auf erheblichen Widerstand stösst. Der Schweizer Bauernverband wird die Initiative nicht unterstützen. Auf kantonaler Ebene hat sich die Bauernvereinigung des Kantons Schwyz ebenfalls gegen das Anliegen gestellt.

Und auch der Bundesrat sprach sich im Februar dieses Jahres deutlich gegen die Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere» aus – so der Wortlaut. Da eine Umverteilung, nicht etwa eine Erhöhung der Beiträge gefordert wird, sieht der Bundesrat die Gefahr, «dass andere wichtige Themen in Bezug auf das Wohlergehen der Tiere in den Hintergrund gedrangt werden». Davon lässt sich Bürgler aber nicht beeindrucken. Bis zur Abstimmung wird er sich weiter für die Hornkühe einsetzen.

 

Matthias Niederberger

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Hinweis
Mehr Informationen finden Sie unter: www.hornkuh.ch


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