Er macht den besten Most des Landes

WETTBEWERB ⋅ Peter Stutzers Apfelschaumwein wurde zum besten Gärmost gekürt. Sein Erfolgsrezept: die Experimentierfreudigkeit.
21. April 2017, 07:22

Der Korken ploppt, die Kohlensäure schäumt schön bis zum Glasrand, der Geschmack: fruchtig frisch. Peter Stutzers Apfelschaumwein ist trotz seines Alkoholgehalts von 7,5 Prozent leicht bekömmlich. Oder wie es die Profis umschreiben: «Angenehme Süsse, harmonisch, aromatisch, edel, schöne Perlage.» So urteilten zumindest die Juroren über Stutzers Apfelschaumwein Holunder am 25. Schweizer Süssmost-Qualitätswettbewerb des Obstverbandes im März. Dieser wurde aus den total rund 600 eingeschickten Mustern in der Kategorie Gärmost zum besten des Landes gekürt. «Ich bin aus allen Wolken gefallen», beschreibt der Küssnachter Pensionär den Moment an der Preisverleihung in St. Gallen. «Elf Muster habe ich eingeschickt. Ich hätte aber nie mit einem Sieg gerechnet.»

Erst vor rund neun Jahren hat der bald 70-Jährige mit dem Mosten begonnen. Davor war er Bäcker und führte ein Möbelgeschäft. Nach einem Besuch an einer Messe in Friedrichshafen hat es ihm aber den Ärmel reingezogen: «An einem Stand trank ich einen Apfelmost Cassis. Der Geschmack war unglaublich. Da sagte ich mir: ‹So was muss ich auch ausprobieren.›» Seither experimentiert der unverheiratete Stutzer mit verschiedensten Most-Variationen: Apfel-Quitten, Apfel-Kirschen, Apfel-Aronia oder Apfel-Holunder. Samstags verkauft er seine Kreationen am Markt in Schwyz und jeweils am ersten Sonntag im Monat ­sogar in Münsingen, wo seine Stammkundschaft oftmals schon auf ihn wartet. Zudem besitzt er frei stehende Stände in Udligenswil, Adligenswil und im zürcherischen Knonau. «Die Leute wollen ein Aha-Erlebnis, man muss ihnen immer etwas Neues bringen.»

Für den Most «nur die besten Früchte»

Mittlerweile produziert Stutzer je nach Wetter 5000 bis 10000 Liter Süss- und Gärmost im Jahr. Im August oder September beginnt er mit der Lese des von den Bäumen gefallenen Obstes. «Die Früchte von den Bäumen zu schütteln, das gibt es bei mir nicht. Nur die besten und reifsten Früchte werden verarbeitet.»

Da seine rund 150 Säulenbäume nicht für die ganze Produktion reichen, erntet er auch bei zwei befreundeten Maschwander Bauern. Alles Weitere – das Abfüllen, Pasteurisieren und Etikettieren – übernimmt fortan die Kleinmosterei in Udligenswil. Wobei: Wenn der Apfelmost mit den anderen für den Geschmack entscheidenden Zutaten kombiniert wird, ist Peter Stutzer nicht weit weg. Man müsse die Most-Variationen immerwährend probieren und wieder abschmecken, damit der Säure- und Zuckergehalt stimme. «Ein guter Most muss saftig sein und das perfekte Säure- und Süsseverhältnis aufweisen.» Wenn Stutzer über seine Passion spricht, sprudeln seine Worte aus ihm wie der Most aus der Flasche: kräftig und mit einer gewissen Natürlichkeit – unverblümt. Schliesslich ist Stutzer auf einem Bauernhof zwischen Haltikon und Küssnacht aufgewachsen, wo ihn das Mosten von klein auf begleitet hat. Denn auch schon sein Vater habe zu Lebzeiten leidenschaftlich den edlen Saft hergestellt. So erstaunt es wenig, dass Peter Stutzer den Anschein macht, als habe er das Feingefühl fürs Mosten im Blut.

Erstaunlicher ist die Experimentierfreudigkeit, die Peter Stutzer auch mit seinen bald 70 Jahren an den Tag legt. Denn auch für den nächsten Schweizer Süssmost-Qualitätswettbewerb möchte er extra einen neuen Most kreieren. Welche Früchte er kombiniert, das möchte er aber nicht verraten. Schliesslich sollen die Juroren wieder von einem neuartigen Geschmack überrascht werden.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch


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