Wie kommt die Axenstrasse in eine Kirche auf Hawaii?

SCHWYZ ⋅ Eine Zeichnung der Axenstrasse in einer Kirche auf Hawaii: Was die Stanserin Edith Zaugg (60) auf einer ihrer Reisen antraf, kann sie noch heute kaum glauben.

27. November 2016, 07:00

Im Januar 1998 war es, als Edith Zaugg mit einer Freundin auf Reisen ging. Unter anderem besuchten sie mehrere Hawaii-Inseln, darunter Big Island. Aber nicht malerische Strände blieben der heute 60-jährigen Stanserin in besonderer Erinnerung, sondern ein Kunstwerk in einer Benediktinerkirche in der Ortschaft Captain Cook. «Ich habe es fast nicht glauben können, was ich da sah. Eine Malerei der Axenstrasse, die mich an ein Foto aus einem Album meines Vaters erinnerte», sagt sie. Zu Hause folgte die Probe. Und tatsächlich: die gleiche Perspektive. Als sie vor vier Wochen in der «Zentralschweiz am Sonntag» einen Artikel über die 150-jährige Geschichte der Verbindungsstrasse der Kantone Schwyz und Uri las, dachte sie wieder an dieses Erlebnis. Für die Zeitung nimmt Edith Zaugg nochmals die Alben hervor. Und kommt wieder zum selben Schluss: Der Urheber der Malerei in der St. Benedict Roman Catholic Church muss sich an eine Fotografie der Axenstrasse gehalten haben.

Im Hintergrund auf dem Foto sind Flüelen und der Bristenstock zu erkennen. Vorne wird die Stigmatisierung des heiligen Franz von Assisi thematisiert. Praktisch dieselbe Stelle findet sich auf Fotos in Zauggs Familienalbum, teilweise mit ihrem Vater im Teenageralter darauf. «Ich habe damals Fotos und Ansichtskarten mit diesem Bildausschnitt an das Pfarramt in Captain Cook geschickt, allerdings nie eine Antwort erhalten», sagt Zaugg. Wer heute die Website der besagten Kirche besucht, stösst rasch auf ein Foto dieser Wandmalerei. In der Bildlegende heisst es, dass der Maler die Axenstrasse in der Nähe von Luzern abbilde und sich dabei etwas der künstlerischen Freiheit bedient habe. Sein Name: Vater John Berchmans Velghe.

Belgier brachte Axenstrasse auf die Insel

Der belgische Pfarrer und Missionar lebte zwischen 1899 und 1904 auf Hawaii und schmückte das Innere der Kirche mit weiteren Malereien. Sie wird deshalb auch «the painted church», die bemalte Kirche, genannt. Da nur die wenigsten Einheimischen lesen konnten, nutzte der Belgier die Malerei, um biblische Szenen zu vermitteln. Für Edith Zaugg war es ein eindrückliches Erlebnis, die Malerei zu sehen, aber längst nicht der einzige Moment, wo sie in der Fremde auf Vertrautes traf. Die Postangestellte mit der Leidenschaft fürs Reisen weiss auch von einer Postkarte aus Nordindien mit Häusern im Appenzeller Stil zu berichten. Oder von einem Hirten in der Pampa von Chile, der über unsere vier Landessprachen Bescheid wusste. Als Nächstes zieht es die Stanserin auf die Seychellen. Ob sie am Strand im Indischen Ozean wieder auf Vertrautes trifft, den Gesang der Wiesenberger Jodler etwa? «Man weiss nie», sagt Edith Zaugg und schmunzelt.

Stephan Santschi


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