Wolfsbeobachtung: Wichtige Fotofalle wurde gestohlen

SCHWYZ ⋅ Im Ybrig soll wiederholt ein Wolf gesichtet worden sein. Bei der Suche nach einem Beweis gab es aber einen Rückschlag.
12. Oktober 2016, 05:00

Im Ybrig im Kanton Schwyz geht der Wolf um – und er könnte sehr bald zum Politikum werden. In der von der Landwirtschaft geprägten Bevölkerung ist das Raubtier unerwünscht. Bereits jagen sich die Gerüchte, dass der Wolf in der Region Schafe gerissen haben soll. Dazu fehlen bislang allerdings Beweise.

Wolfssichtungen umgehend melden

Wildhüter Pius Reichlin relativiert: «In keinem der Fälle konnte abschliessend nachgewiesen werden, dass es ein Wolf war. Man weiss nicht einmal, wie die Tiere gestorben sind.» Denn erstens machten sich unverzüglich Füchse an den Kadavern zu schaffen und zweitens waren die Überreste schon zu alt, um noch Speichelspuren eines Räubers nachweisen zu können, so Reichlin weiter.

Es gehe nicht an, dass man dem Wolf einen Riss zuschreibe, der nicht von ihm stammt, denn in der Summe könnte dies sein Todesurteil sein. Pius Reichlin unterstreicht, dass man Wolfssichtungen umgehend dem zuständigen Wildhüter melden solle. Wer Bilder oder Videos mache, soll diese auch gleich mitliefern und beschreiben, wo, wann und von wem diese gemacht worden sind.

Wolfsbeobachtungen soll es schon mehrere im Ybrig gegeben haben – so etwa Anfang Oktober (Ausgabe vom 8. Oktober). Der Wolf konnte dabei in Studen in der Nähe des Schulhauses gefilmt werden. Um an sichere Daten zu gelangen und herauszufinden, wie viele Wölfe sich allenfalls in der Region herumtreiben, liess die Koordinationsstelle Grossraubwild (Kora) im Gebiet Sihlsee-Ybrig bis Hoch-Ybrig Anfang September insgesamt elf Foto­fallen aufstellen.

Wie nun bekannt wurde, stellte sich bei der ersten Kontrolle am 30. September heraus, dass eine davon gestohlen worden ist, Täter unbekannt. Laut Wildbiologe Florin Kunz fehlte ausgerechnet jene, die am vielversprechendsten Ort aufgestellt wurde. Auch das Motiv müsse im ganzen Streubereich vom «Nachtbubenstreich» bis zu einem «bewussten Zeichen an die Obrigkeit» gesucht werden.

Fachleute sehen keine Gefahr

Derweil stufen Fachleute Begegnungen mit dem Wolf als ungefährlich ein. Falsch wäre, bei einer Begegnung wegzurennen, denn das weckt den Jagdinstinkt des Tieres. «Es gibt keinen Anlass, vor dem Wolf Angst zu haben», sagt der erfahrene Wildhüter Pius Reichlin. «In Mitteleuropa wurde in den letzten Jahrhunderten kein Mensch von einem Wolf angefallen. Die Gefahr, dass man beim Filmen des Wolfes mit dem Auto in einen Graben fährt, ist grösser, als von ihm gefressen zu werden.» Wer ihm begegne, solle einfach ruhig stehen bleiben. Das verunsichere das Tier, und es ergreife die Flucht, rät Reichlin.

Franz Steinegger


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