«Das sieht man sonst nur im Museum»

BERGRENNEN ⋅ Zum fünften Mal knattern an diesem Wochenende historische Motorräder von Küssnacht auf die Seebodenalp. Am Sonntag geht es um die Wurst – wobei am Ende nicht der Schnellste gewinnt.
Aktualisiert: 
13.08.2017, 19:00
13. August 2017, 08:00

Im einen Moment unterhalten sich die Leute im Festzelt noch in normaler Stimmlage, im nächsten versteht man sein eigenes Wort nicht mehr. Unüberhörbar treffen sie ein, die Motorradfahrer auf ihren alten Maschinen, um sich brummend, knatternd und röhrend für das Training bereit zu machen.

Zum fünften Mal wird das Bergrennen für historische Motorräder von Küssnacht auf die Seebodenalp auf der Originalstrecke aus den 1930er-Jahren durchgeführt, nachdem ein paar Enthusiasten den Event im Jahr 2007 wieder ins Leben gerufen haben. «Die Teilnehmer haben es verdient, ihre alten Töffs den Leuten zu zeigen. So etwas bekommt man sonst nur noch in Museen zu sehen», sagt OK-Präsident Edgar Gwerder.

Enge Kurven, holprige Strasse und Ölflecken

Bestätigen kann dies Lokalmatador Franz Truttmann. Der 55-jährige Küssnachter ist einer von insgesamt 222 Cracks, die am Samstag in vier Trainingsläufen die rund fünf Kilometer und fast 600 Höhenmeter zurückgelegt haben. Er sagt: «Wenn ich auf meiner Moto Guzzi mit Jahrgang 1926 eine Ausfahrt mache, werde ich manchmal gefragt, ob ich der Werkfahrer eines Museums sei, der die Aufgabe habe, die Ausstellungsstücke zu bewegen.» Die Fahrt auf seinen Hausberg hat er genossen, die Strecke aber sei herausfordernd: Enge Kurven, holprige Abschnitte, dunkle Lichtverhältnisse im Waldstück und Ölflecken der Konkurrenz – einfach nur drauflosfahren, geht nicht. Am Ende gewinnt ohnehin nicht der Schnellste. Am Sonntag, am eigentlichen Renntag (ab 9 Uhr), geht es vielmehr um Gleichmässigkeit. Das heisst: Wer in den beiden Wertungsläufen die geringste Zeitdifferenz vorweist, ist der Sieger. Mindestens so wichtig wie der sportliche Erfolg ist dabei das Gesellschaftliche: «Zusammen sein und an der Maschine herumschrauben, das macht dieses schöne Wochenende aus», sagt der 28-jährige Rothenburger Jens Buholzer.

Neben der Technik der Vergangenheit kann der Zuschauer auch einen Blick auf die Möglichkeiten der Gegenwart werfen. Vier Fahrer sind mit Elektro-­Motorrädern unterwegs, so wie der Stanser Marco von Büren. «Ein Elektromotor verbindet man ja eher mit einem ferngesteuerten Spielzeugauto», erzählt er schmunzelnd – im Wissen, dass seine Energica Ego in 2,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Zum Bedienen sei sie sehr angenehm, «es ruckelt nicht, ich brauche keine Gangschaltung, sondern kann mich voll aufs Fahren konzentrieren». Dass sie weitaus ruhiger ist als die historischen Maschinen, ist für den einen oder anderen Zaungast gewöhnungsbedürftig. Dafür kann man sich beim Zuschauen im Normalton unterhalten.

 

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

 

Hinweis

Alle Resultate des Rennens finden Sie hier.

  • Am Wochenende fand das Bergrennen von Küssnacht auf die Seebodenalp statt. (© Roger Grütter)
  • Im Bild: Rolf Bossart aus Hochdorf mit seinem 1930 gebauten Motorrad Universal Typ/E. (© Roger Grütter)
  • Karl Bader auf der Triumph T100 Racing. (© Roger Grütter)

Am Wochenende findet zum fünften Mal das Bergrennen von Küssnacht auf die Seebodenalp statt.


Leserkommentare

Anzeige: