Diebe klauen Kreditkarten-Daten aus Portemonnaies

GELD ⋅ Kontaktlos bezahlen ist bequem. Fälle in Schwyz zeigen aber, dass das System ausgetrickst werden kann.
07. Oktober 2017, 09:08

Das kontaktlose Bezahlen mit der Kredit- oder Bankkarte wird immer populärer. Dank der NFC-Technologie (Nahfeldkommunikation) können die Kunden ihre Karte kurz vor ein Lesegerät ­halten und so die Rechnung in ­Sekundenschnelle begleichen. Damit dies funktioniert, ist in der Kreditkarte ein NFC-Chip ein­gebaut, der auf Lesegeräte in der Nähe reagiert. Ob die eigene Karte mit solch einem Chip ausgestattet ist, erkennt man daran, ob auf der Karte ein W-LAN-Symbol aufgedruckt ist oder nicht.

Unbestrittenermassen ist diese Zahlungsmethode sehr bequem, doch birgt sie auch Gefahren. Denn: Kriminelle können mittels Scannern – oder sogar mit gewöhnlichen Smartphones und passender App – die Kartendaten stehlen. Und dies durchs Portemonnaie, die Tasche oder den Rucksack. Das Opfer merkt davon in der Regel nichts. Die gestohlene Kartennummer und das Ablaufdatum reichen, um damit bei einigen Anbietern im Internet Ware zu beziehen.

Opfer verliert 4000 Euro

Monika Feubli, Inhaberin des ­Accessoire-Ladens Vivace in Schwyz, verkauft spezielle Etuis und Portemonnaies, die dank eingearbeiteten Metallplättchen oder Membranen solchen Datenklau verunmöglichen. «Mir sind mehrere Personen bekannt, deren Daten auf diese Art und Weise gestohlen wurden», sagt Feubli auf Anfrage des «Boten». Das krasseste Beispiel sei von einer Kundin, die nicht bemerkte, dass ihre Kartendaten «abgesaugt» wurden, und auf deren Kreditkartenabrechnung Ende Monat dann 4000 Euro für Online-Shopping abgebucht wurden, obwohl sie nichts online eingekauft hatte.

Auch Peter Hilfiker, CEO der Schwyzer Kantonalbank, weiss, dass solche Verbrechen vorkommen können. «Bei der Schwyzer Kantonalbank ist glücklicher­weise aber noch kein solcher Fall aufgetreten.» Allgemein werde diese Bezahlmöglichkeit noch ­relativ wenig gebraucht, oft auch nur für kleine Beträge. Doch ­Hilfiker warnt: «Die Benutzer müssen immer vorsichtig sein, wer hinter ihnen steht.»

Bei der Kantonspolizei Schwyz sind in diesem Zusammenhang noch keine Anzeigen eingereicht worden. Doch auch Mediensprecher Florian Grossmann mahnt: «Wie bei allen Zahlungsvorgängen sollte man auch bei der NFC-Technologie die ­nötige Vorsicht und Diskretion walten lassen.»

Doch wie kann man sich gegen potenzielle Datendiebe wappnen? Im Grunde genommen ganz einfach: Eine Aluminiumschicht stört das Signal. Wer seine Kreditkarte nicht in Alufolie einwickeln will, kann auch auf die eingangs erwähnten schützenden Portemonnaies, Etuis und Kartenhalter zurückgreifen. «Die Nachfrage hat in letzter Zeit sehr stark zugenommen», sagt Feubli. Viele Jugendliche, aber auch ­auffallend viele Bankangestellte würden sich ein neues Portemonnaie, das ausreichend Schutz vor Datendieben bietet, zulegen.

Christian Clavadetscher

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch


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