Grosse Augen im Bundespalast

SCHWYZ ⋅ Das Schwyzer Kinderparlament hat das grosse Vorbild in Bern besucht. Dort traf die Delegation auf einige Überraschungen.
17. Dezember 2017, 05:00

Sie haben sich das Bundeshaus als langweiliges Haus aus Glas vorgestellt, gestehen die fünf Mädchen am Ende des Rundgangs. Dass dies weit gefehlt war, merken sie bereits bei der Ankunft: Sie treffen auf ein prachtvolles Gebäude mit vielen Gemälden, Statuen und anderen Schätzen in seinem Inneren.

Schon das Sicherheitsprozedere am Eingang kommt für einige unerwartet: «Ich habe nicht gedacht, dass es hier Metalldetektoren gibt», bekennt Vanessa Kälin aus Tuggen. Die 12-Jährige präsidiert in diesem Schuljahr die Ratsleitung des Schwyzer Kinderparlaments und steht damit dem einzigen kantonalen Kinderparlament der Schweiz vor. Sie und ihre vier Kolleginnen leiten die beiden Tagungen der jüngsten Politiker in Schwyz.

Als Dankeschön für ihr Engagement darf die Ratsleitung jeweils am Ende des Jahres das nationale Vorbild besuchen. Begleitet werden sie von zwei Vorstandsmitgliedern der IG Schwyzer Kinderparlament, welche sich durch Sponsoren, Stiftungen und Gönner finanziert.

Der Bundesrätin zum Greifen nah

Kaum drinnen, kreuzt schon die nächste Überraschung ihren Weg: Als die Gruppe in der Eingangshalle auf CVP-Nationalrat Alois Gmür wartet, geht Doris Leuthard an ihnen vorbei. Vanessa Kälin strahlt: «Ich habe mir gewünscht, die Bundesrätin zu sehen.» Kurz darauf kommt Alois Gmür und führt die Nachwuchspolitikerinnen in den ersten Stock. Hinter der Glasscheibe ist die grosse Kammer am Debattieren. Die Augen der Kinder weiten sich, als der CVP-Nationalrat aufzählt, dass alle Bundespolitiker einen Laptop, ein Tablet und ein Smartphone erhalten. Auch von der grossen Zeitungsauswahl, die nebenan auf der Theke liegt, zeigen sie sich beeindruckt. Sogar in die berühmte Wandelhalle dürfen die Kinder. Das ist nur von Parlamentariern eingeladenen Besuchern erlaubt.

Am faszinierendsten finden die meisten jedoch die Geschenkevitrine. Im Dunkel des Ganges sind etliche Kostbarkeiten beleuchtet: Etwa eine Perlenkette aus China, bemalte Keramik aus Marokko oder eine silberne Schreibfeder aus Albanien. Es seien Gaben von anderen Staaten an die Eidgenossenschaft, erklärt Gmür. Dann schaut er auf sein piepsendes Natel: «Ich muss zu einer Abstimmung, ich komme gleich wieder», sagt er und eilt in den Nationalratssaal.

Tessiner oder Gersauer Wappen?

Nach ein paar Minuten kehrt Alois Gmür zurück. Er zeigt auf die Kuppel an der Decke. Dort sind alle Kantonswappen schmuckvoll dargestellt. «Das Tessin hat ja dasselbe Wappen wie Gersau», bemerkt Sophia Camenzind. Ihre Kollegin googelt es schnell mit ihrem Handy und bestätigt das. Da hat jetzt auch der Einsiedler Gmür etwas dazugelernt. In der kommenden halben Stunde wiederholt sich das Szenario mit dem Abstimmungsalarm per SMS einige Male.

Zum Abschluss geht es auf eine Erfrischung ins Bistro. Es drängen sich viele Politiker und Journalisten um die Stehtischchen. Auf Bildschirmen werden die Debatten im Ratssaal übertragen. Im Stimmengewirr stillen die Kinder ihren Durst und ihre Neugier. Wie lange er sich auf eine Rede vorbereiten müsse, ob er für oder gegen Tierversuche gestimmt habe und was er neben der Politik sonst noch so treibe, möchten die Mädchen wissen. Der Bierbrauer gibt geduldig Auskunft. Für das abschliessende Gruppenfoto setzen sich die Jungparlamentarierinnen auf die Treppe in der Eingangshalle. Im Hintergrund glänzen die Kugeln des Weihnachtsbaums.

 

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch


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