Jugendliche Asylsuchende sollen im Bezirk bleiben

UNTERKUNFT ⋅ Die 42 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden müssen Ende August aus dem «Haus der Jugend» in Immensee raus. Der Kanton sucht nun nach einer neuen Bleibe – und hegt bereits einen Wunsch.
13. April 2018, 08:18

Es war von Anfang an nur eine vorübergehende Bleibe, das sogenannte Haus der Jugend. Dort, im Gebäudekomplex der Missionsgesellschaft Bethlehem in Immensee, wo auch das Gymnasium einquartiert ist, leben seit August 2016 Dutzende minderjährige Asylsuchende, welche ohne Begleitung in die Schweiz geflüchtet sind – sogenannte UMA. Derzeit wohnen hier 42 Jugendliche, betreut werden sie von der Caritas. Dies im Leistungsauftrag des Kantons Schwyz. Er hat die Räumlichkeiten – insgesamt hat es Platz für 45 Jugendliche – denn auch gemietet.

Der Vertrag mit der Missionsgesellschaft Bethlehem läuft allerdings Ende August aus. Verlängert wird er nicht. Denn bekanntlich planen die Hausherren die sanierungsbedürftigen Gebäude abzureissen und mit Neubauten für insgesamt 400 Personen zu ersetzen.

Dem Kanton bleiben also noch knapp viereinhalb Monate, um eine neue Unterkunft zu finden. «Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung und sind auf gutem Weg», beteuert Fiona Elze, Abteilungsleiterin Asylwesen beim Amt für Migration. Man sei sich immer im Klaren gewesen, dass das Haus der Jugend nur eine befristete Lösung ist.

Immer noch «erhöhter» Bestand an UMA

Welche Objekte derzeit in Frage kommen, das will Elze nicht verraten. Nur so viel sei gesagt: «Wir würden gerne im Raum Küssnacht bleiben.» Denn nach den bald zwei Jahren in Immensee blickt Elze auf eine «sehr gute» Zusammenarbeit mit dem «weltoffenen Bezirk Küssnacht» zurück. Dasselbe gelte auch für die Missionsgesellschaft Bethlehem. Elze betont aber auch: «Das Angebot auf dem Markt bestimmt den weiteren Verlauf der Suche.»

Klar ist derzeit einzig, dass es weiterhin ein ähnlich grosses Zentrum für die jugendlichen Asylsuchenden braucht. Denn obwohl die Zahl der Neuzugänger nicht mehr so stark ansteigt wie in den letzten Jahren, verzeichnet der Kanton nach wie vor einen «erhöhten Bestand an UMA», wie er jüngst in einer Kleinen Anfrage von SVP-Kantonsrätin Bernadette Wasescha aus Merlischachen geschrieben hat. «Gestützt auf die Prognosen des Staatssekretariats für Migration ist davon auszugehen, dass die Anzahl zu betreuender UMA in den Jahren 2018 und 2019 voraussichtlich zwischen 32 und 42 Personen liegen wird», heisst es darin weiter. Zu beachten gilt es hierbei, dass sich die UMA wegen ihres besonderen Schutzstatus längerfristig in der Zuständigkeit des Kantons befänden. Ein Zentrum sei auch deshalb nötig, weil man nicht alle UMA in Pflegefamilien unterbringen könne, so Fiona Elze. «So viele Pflegefamilien gäbe es gar nicht.»

Kommt Zentrum in Neubau?

Nicht auszuschliessen ist, dass das neue Zentrum für die minderjährigen Asylsuchenden dereinst in den Neubauten der Missionsgesellschaft eingerichtet wird. Elze: «Das wäre sicherlich eine vielversprechende Option.»

Die erste Bauetappe mit vier Häusern soll voraussichtlich 2020 fertiggestellt sein. Die dortigen rund 50 preisgünstigen Wohnungen sind allerdings für Privatpersonen sowie den internen Bedarf der Missionsgesellschaft vorgesehen, und nicht für ein Zentrum für minderjährige Asylsuchende. Dieses könnte allenfalls in den Gebäuden Platz finden, welche in der zweiten Bauetappe realisiert werden, sagt Patrice Riedo, Geschäftsführer des Vereins Missionshaus Bethlehem, auf Anfrage. Die Gebäude befinden sich derzeit in Planung und sollten Ende 2022 fertiggestellt sein. Bis dahin bräuchte der Kanton also sicherlich noch eine Lösung – allenfalls wieder eine vorübergehende.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch


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