Künstlerin kritisiert Kosmetikindustrie

IMMENSEE/LUZERN ⋅ Verena Vanoli hüllt derzeit in der Galerie Müller Gegenstände in Kunstharz ein – darunter Lippenstifte und Puderdöschen. Damit will die Immenseerin zeigen, dass Vergänglichkeit unabwendbar ist.
13. Oktober 2017, 05:15

Konservierung ist ihr Spezialgebiet. Und eigentlich ist Verena Vanoli bekannt dafür, dass sie Holz und andere Gegenstände mit Veloschläuchen umhüllt. Lediglich die schwarzen Konturen waren in ihren früheren Ausstellungen jeweils noch erkennbar. Auch in ihrer aktuellen Ausstellung «Hybrid», in der Galerie Müller in Luzern, sind die Gegenstände komplett umhüllt – aber dennoch sichtbar. Möglich macht es das durchsichtige Kunstharz (Ausgabe vom 5. September).

Während Vanoli bereits Teddybären und andere Souvenirs aus ihrer Vergangenheit ausstellte, sind es diesmal Schwemmhölzer, deren Schönheit sie sich «nicht entziehen konnte», wie sie sagt. Mit dem Kunstharz versucht die in Immensee wohnende Künstlerin, die im Winter von Eis umschlossenen Schwemmhölzer zu inszenieren. «Die Hölzer sind in ihrer Schönheit erstarrt», sagt Vanoli, deren Mann Mitinhaber der gleichnamigen und bekannten Küssnachter Bauunternehmung ist. Mit «Hybrid» thematisiert sie folglich das Schöne in der Welt. Vanoli will es bewahren, was allerdings unmöglich ist, da das Schöne gleichzeitig vergänglich ist, erklärt Vanoli weiter.

Die Besucher dürfen die Hölzer – etwa den grossen Baumstamm, der quer durch den kleinen Raum ragt – auch anfassen. «Es soll ein sinnliches Erlebnis sein», so Vanoli.

Versprechen zur ewigen Schönheit hinterfragen

Neben den Schwemmhölzern, welche sie von Wanderungen nach Hause schleppte, hat Verena Vanoli auch künstliche Gegenstände mit dem Harz eingegossen und ausgestellt: Lippenstifte, Puderdöschen und weitere Kosmetikartikel. So macht die 67-Jährige Anspielungen auf die Kosmetikindustrie, welche ständig Versprechen zur ewigen Schönheit macht. Dabei werde aber das Natürliche am Menschen von der Künstlichkeit eingeschlossen – genau wie die Kosmetikartikel vom Harz. «Der Wunsch nach ewiger Schönheit ist unerfüllbar», sagt Vanoli, «da die Vergänglichkeit unabwendbar ist.» Kosmetik könne das Altern bloss überdecken, nicht aber verhindern. «Alles Leben ist dem Zerfall geweiht», sagt Vanoli weiter, «die Künstlichkeit ist die vermeintliche Rettung.» So werde aber die Kunst zum wahren Retter, welche die Vergänglichkeit ertappt und als solche anerkennt.

 

Priska Lagler und Niels Jost

kanton@luzernerzeitung.ch

Hinweis:Verena Vanolis Ausstellung «Hybrid» ist noch bis zum 28. Oktober in der Galerie Müller an der Haldenstrasse 7 in Luzern zu sehen. Begegnungen mit Vanoli sind Samstag, 14. Oktober sowie am 28. Oktober von 14 bis 16 Uhr möglich.


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