Nebst vielen Gemeinsamkeiten auch Unterschiede

SCHWYZ ⋅ Der Weltflüchtlingstag vom 20. Juni will auf die Stärke von geflüchteten Menschen aufmerksam machen. Der Verein Mitenand in Schwyz tut dies das ganze Jahr über.
18. Juni 2017, 05:00

Jetzt, während des Ramadans, ist der Ansturm zurückgegangen. Aber ausserhalb des muslimischen Fastenmonats strömen jeden Mittwoch rund 70 Personen an den Mittagstisch im Alterszentrum Rubiswil. Asylsuchende bekommen dort für 2 Franken ein Dreigangmenü, Schweizer bezahlen 10 Franken. Initiiert wurde das Projekt vom Verein Mitenand Schwyz. Der Name ist Programm: Mitenand will den Austausch zwischen Einheimischen und Asylsuchenden in der Gemeinde Schwyz fördern. «Wer in Kontakt tritt und sich kennen lernt, merkt, dass Asylsuchende Menschen sind wie du und ich», erklärt Vorstandsmitglied Cornelia Furrer. Zu Beginn wurden die Mahlzeiten gemeinsam mit Flüchtlingen eingekauft und zubereitet. Als der Aufwand zu gross wurde, siedelte der Mittagstisch Anfang 2017 ins nahe gelegene Alterszentrum über. Dieses steht zurzeit leer. Gekocht wird nun vom Küchenteam des Alterszentrums. Mitenand bietet auch Veloflickkurse, Deutschunterricht mit Kinderbetreuung oder Nähworkshops an. Die meisten Aktivitäten finden in den Räumlichkeiten des Vereins statt. «Wir hatten das Glück, dass uns eine Privatperson eine leerstehende Wohnung im Zentrum von Schwyz angeboten hat», erklärt Aurelia Imlig, Vorstandsmitglied und Mitbegründerin des Vereins. Gemeinsam mit Flüchtlingen wurde sie renoviert und wohnlich eingerichtet.

Entscheid über finanzielle Beteiligung steht an

Seither wird dort zum Beispiel jeden Mittwoch zum Spielabend eingeladen. Auch hier geht es um den Austausch: «Einmal habe ich gemeinsam mit Afghanen gejasst», erzählt Aurelia Imlig. Sie hätten das Spiel sehr schnell begriffen, da es in Afghanistan ein ähnliches Kartenspiel gebe. Sie selbst habe die afghanische Variante ebenfalls rasch gelernt. Neben vielen Gemeinsamkeiten werden bei manchen Ideen auch Unterschiede bemerkbar. So ist die Durchführung eines Kinoabends vorerst auf Eis gelegt, nachdem die Filmvorschläge auf gegenseitiges Unverständnis gestossen sind.

Wichtig ist dem Verein, dass die Flüchtlinge ihre eigenen Ideen einbringen und Initiative zeigen. Deshalb ist geplant, eine Vertretung von ihnen in den Vorstand aufzunehmen. Dafür müssen sie noch Überzeugungsarbeit leisten, wie Imlig erklärt: «Es sind Hemmungen da, obwohl einige der Asylsuchenden schon sehr gut Deutsch sprechen.»

Rund zwanzig Freiwillige machen in den Projekten mit. Fi­nanzielle Unterstützung leisten die katholische und reformierte Kirchgemeinde und private Spender, die kirchliche Sozialberatung Innerschwyz übernimmt koordinative Aufgaben mit anderen Mi­tenand-Vereinen im Kanton.

Die Gemeinde Schwyz stellt bisher die Räumlichkeiten im gemeindeeigenen Alterszentrum zur Verfügung. Voraussichtlich Ende Juni wird der Gemeinderat entscheiden, ob er den nicht kostendeckenden Mittagstisch mit einem Beitrag subventioniert.

 

Stephanie Zemp

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch


Leserkommentare

Anzeige: