Wegen einer Hanf-Indooranlage muss eine Schwangere ins Gefängnis

SCHWYZ ⋅ Das Strafgericht hat eine 28-jährige Kroatin zu einer Haftstrafe von 13 Monaten verurteilt. Ihr Ehemann kommt glimpflicher davon.
12. Oktober 2017, 05:00

Eine schwangere Frau, die zusammen mit ihrem früheren Freund und heutigen Ehepartner in Arth eine Hanf-Indooranlage betrieben hatte, muss für 13 Monate ins Gefängnis. Das hat das Schwyzer Strafgericht entschieden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Frau hatte die Hanf-Indooranlage zusammen mit ihrem Ehemann in ihrem Haus betrieben. Sie taten dies im Auftrag eines Kroaten, der ihnen im Gegenzug die Wohnungsmiete zahlte. Die Frau bestritt vor Gericht, aktiv am Betrieb der Hanfanlage beteiligt gewesen zu sein. Sie habe bloss den Pflanzen Wasser gegeben. Zudem habe sie ihren Partner gedrängt, mit der Hanfzucht aufzuhören.

Das Strafgericht befand die 28-jährige Kroatin zwar nicht der Mittäterschaft, sondern bloss der Gehilfenschaft schuldig. Es ging davon aus, dass die Frau von der Anlage wusste. Zudem habe sie Bargeld, das zur Bezahlung der Miete des Einfamilienhauses diente, in dessen Keller sich die Plantage befand, bei einer Drittperson abgeholt.

Vorstrafe wurde ihr zum Verhängnis

Das Gericht erachtete diese Tatbestände jedoch nicht als massgeblich, weshalb ihr Verschulden als leicht eingestuft wurden. Für die Beschuldigte wirkte sich fatal aus, dass sie bereits 2015 vom Bezirksgericht Zürich wegen Kokainhandels zu einer bedingten Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Deshalb muss sie die Gefängnisstrafe absitzen. Nicht absitzen muss sie hingegen die damals ausgesprochene bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Das Gericht gehe davon aus, dass die Frau keine weiteren Straftaten begehen wird. Es begründete dies mit der erneuten Untersuchungshaft, der unbedingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie der geänderten persönlichen Lebensumstände – sie bekommt im Dezember ihr Kind. Dafür wurde die Probezeit bei dieser Vorstrafe verlängert. Schliesslich muss sie eine Busse von 200 Franken sowie die Verfahrenskosten von rund 21000 Franken übernehmen.

Bedingte Strafe für den Partner

Ihr Ehemann wurde – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einer Busse von 200 Franken verurteilt. Die beschlagnahmten Betäubungsmittel sowie die Bestandteile der Hanf-Indooranlage werden eingezogen, auch das beschlagnahmte Bargeld von 3060 Franken. Dies wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet. Die Verfahrenskosten von rund 32000 Franken muss der 28-Jährige bezahlen. Der Mann hatte vor Gericht das Betreiben der Hanf-Indooranlage zugegeben.

Die Frau hatte vor Gericht auf Freispruch plädiert. Da das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, kann sie dieses an die nächste Instanz weiterziehen. Akzeptiert sie die Strafe, entscheidet das Amt für Justizvollzug des Kantons Schwyz, wann die Frau die Gefängnisstrafe antreten muss. Für eine Auskunft zum weiteren Vorgehen war dort gestern niemand erreichbar. Fakt ist: In der Schweiz gibt es Mütter, die mit Kind hinter Gittern leben. Der einzige Ort in der Deutschschweiz mit einer speziellen Mutter-Kind-Wohngruppe ist die Justizvollzugsanstalt für Frauen in Hindelbank im Kanton Bern. (one/red)

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