Schwyzer Steuern sinken

FINANZEN ⋅ Schwyzer Gemeinden und Bezirke stehen finanziell gut da – ganz im Gegensatz zum Kanton. Nun beantragt bereits der zweite Bezirk, die Steuern zu senken.
27. Oktober 2017, 08:53

Jürg Auf der Maur

zentralschweiz@luzernerzeitung.ch

 

Steuersenkungen sind aktuell das grosse Thema im Kanton Schwyz. Der Ball wird insbesondere den Gemeinden und Bezirken zugespielt, deren finanzielle Situation deutlich besser ist als jene des Kantons. An der Präsentation des Kantonsbudgets wies Finanzdirektor Kaspar Michel (FDP) darauf hin, dass die Bezirks- und Gemeindeversammlungen aktiv werden müssten, wenn Spielraum für Senkungen da ist. Insbesondere die grosszügigere Verteilung aus dem kantonalen Finanzausgleich mache solche Schritte nicht nur möglich, sondern sei vom Gesetz her auch vorgeschrieben, erklärt Kaspar Michel.

Das Eigenkapital sämtlicher Schwyzer Gemeinden und Bezirke umfasste bereits Ende 2015 383,7 Millionen Franken. Wie voll die Kassen heute sind, machte auch Martin Wipfli, Präsident des Schwyzer Gemeindeverbandes, deutlich. Die Gemeinden hätten heute ein Finanzpolster von 165 Millionen Franken. In den letzten 14 Jahren stockten die Schwyzer Bezirke und Gemeinden ihr Eigenkapital um 191 Millionen Franken auf. Per Ende 2016 umfasste das Eigenkapital allein im Bezirk Einsiedeln 21 Millionen Franken, im Bezirk Schwyz beträgt es gar 24 Millionen Franken. Einsiedeln hat allerdings mit 250 Prozent den höchsten Steuerfuss im Kanton, was dem Bezirk den Ruf einer «Steuerhölle» eintrug.

Das soll sich nun jedoch ändern. Einsiedeln beantragt, die Steuern um 20 Prozentpunkte zu senken. «Die öffentliche Diskussion und Kritik haben wir in ­unsere Gesamtbetrachtung zwar einbezogen. Sie war aber nicht entscheidend für unseren Senkungsantrag», erklärt der Einsiedler FDP-Säckelmeister Philipp Fink. «Wir lassen uns nicht von polemischen Aussagen leiten, sondern haben unsere Zahlen selber geprüft.» Mitgeholfen habe insbesondere, dass aus dem Finanzausgleich nochmals zusätzliche 2,7 Millionen Franken fliessen.

Die Steuersenkung um 20 Prozent sei nachhaltig verkraftbar, vorausgesetzt, dass nicht wichtige Parameter wie die Zinsfusspolitik oder Begehrlichkeiten in der Bevölkerung zu einer Neubeurteilung zwingen. Und wie erklärt er sich, dass der Bezirk Schwyz eine viermal kleinere Senkung beantragt? Schwyz habe eine ganz andere Ausgangslage, sagt Philipp Fink.

 

Senkungen auch in Gemeinden angedacht

Die Steuerrechnungen dürften im nächsten Jahr zum Teil wesentlich geringer ausfallen als heute. Der Bezirk Schwyz will die Steuerbelastung um 5 Prozent senken. Das heisst, dass gegen 30000 Firmen und Private im nächsten Jahr weniger zur Kasse gebeten werden, falls die Steuersenkung von der Budgetgemeinde genehmigt wird. Möglich ist auch, dass dort Anträge gar nach einer höheren Senkung gestellt und genehmigt werden.
Nach der Gemeinde Arth wird nun auch in der Gemeinde Schwyz über eine Steuersenkung geredet. «Es ist etwas am Tun», erklärte FDP-Gemeinderat Ivo Husi diese Woche vielsagend an einem Parteianlass. (adm)


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