Sexuelle Übergriffe: Schule bildet Lehrer weiter

GYMNASIUM ⋅ Das Verhalten gegenüber Schülern stand im Fokus einer Lehrer-Weiterbildung in Immensee.
03. November 2017, 07:39

Das Gymnasium Immensee führte mit seinen Lehrern einen Weiterbildungstag zum Thema sexuelle Übergriffe durch. Unter der Leitung von Eveline Jordi von der Fachstelle Limita zur Prävention sexueller Ausbeutung aus Zürich befassten sich die rund 40 Lehrer am vergangenen Sams­tag mit diesem Thema.

Die Schulleitung hatte einen Weiterbildungstag anberaumt, um die Lehrer entsprechend zu sensibilisieren und Verhaltensmöglichkeiten für Unterricht und Internatsbetrieb zu erarbeiten, heisst es in einer Mitteilung.

Aufarbeitung des Falls einer ehemaligen Schülerin

Das Seminar ist Teil der Aufarbeitung des Falls, der im Frühsommer bekanntgeworden war: Eine Gymi-Schülerin hatte öffentlich gemacht, dass sie in den 1990er-Jahren von einem ehemaligen Lehrer Übergriffe erfahren habe. Zudem wurde ein Psychiater eingesetzt, der die gemeldeten Fälle derzeit begutachtet und dem Gymi bis Ende 2017 einen Bericht vorlegen wird.

Im Laufe der Diskussionen und Gruppenarbeiten am Weiterbildungstag zeigte sich, wie schwierig es ist, Übergriffe irgendwelcher Art im Schul- und Internatsalltag zu entdecken und dingfest zu machen. Zentral sei, dass «die Schule alltagstaugliche Strukturen schafft und einen Verhaltenskodex mit klaren Standards im Umgang mit heiklen Situationen setzt», so Moderatorin Eveline Jordi.

Das Gymi hat nun eine Steuergruppe gebildet, an der mehrere Lehrer mitwirken und die von Prorektor Patric Matter geleitet wird. Sie erarbeitet einen Verhaltenskodex. Dieser regelt, wie sich Lehrer den Schülern gegenüber verhalten sollen. Eine zweite Massnahme ist das Einführen eines Personalmanagements, in das ein Interventions- sowie Beschwerdemanagement integriert ist. Die Idee lautet auch hier: mögliche Übergriffe nicht nur zu erkennen, sondern auch wirkungsvoll zu sanktionieren.

Als dritte Massnahme wird das Gymi seine Reglemente analysieren, entsprechend über­arbei­ten und anpassen. «Bei all unseren Anstrengungen ist zentral», so Rektor Benno Planzer, «dass die festgehaltenen Punkte nicht tote Buchstaben bleiben, sondern an unserer Schule gelebte Wirklichkeit sind.» Er betonte, wie wich­tig ihm die Null-Toleranz im Bereich sexuelle Übergriffe ist.  (pd/em)


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