Überraschende Einblicke ins Kloster Einsiedeln

SCHWYZ ⋅ Im Landesmuseum steht derzeit das Pilgern im Fokus. Die Kuratorin erzählt, wie es dazu gekommen ist.
16. September 2017, 22:25

Normalerweise arbeitet das Landesmuseum in Zürich mit anderen Museen oder privaten Leihgebern zusammen, wenn es eine neue Ausstellung plant. Im Falle der gestern eröffneten Exposition zur Pilgergeschichte des Klosters Einsiedeln war die Ausgangslage eine andere: Sie ist in enger Kooperation mit den Benediktinermönchen und ihrem Abt entstanden. Dabei hat Kuratorin Christine Keller interessante Einblicke hinter die Klostermauern bekommen. «Am meisten hat mich erstaunt, wie modern diese religiöse Stätte funktioniert», sagt sie. Die Pater hätten nicht nur Facebook und Twitter, sondern auch ein Fitnesscenter. «Sie leben nicht in einer von der Gegenwart entrückten Welt.» Viele der Mönche seien zudem Historiker, die ihre eigene Geschichte erforschen und dokumentieren.

Stummer Sohn spricht plötzlich

Die Idee für die Ausstellung stammt vom ehemaligen Denkmalpfleger im Kanton Schwyz, Markus Bamert. Nach seiner Pensionierung übernahm er die Aufgabe, die Kunstsammlung des Klosters Einsiedeln zu dokumentieren. Er entdeckte unzählige wertvolle Schätze, die eine spannende Geschichte erzählen. So ist er zu Abt Urban Federer gegangen und hat ihn gefragt, ob man diesen kostbaren Fundus nicht mal der Öffentlichkeit zeigen könnte. Ebenso hat er die Direktion des Landesmuseums kontaktiert. Während sich der Klostervorsteher anfänglich skeptisch zeigte, war das Landesmuseum sofort begeistert: «Das Kloster Einsiedeln ist ein nationales Heiligtum und deshalb bestens geeignet, um in unserem Museum zum Thema zu werden», so Keller. Die Zusicherung, dass nicht einfach Exponate präsentiert werden, sondern auch die über 1000-jährige Geschichte der Pilgerfahrt aufgegriffen wird, hat den Abt schliesslich überzeugt. Über 350 Gegenstände – von gestickten Marienkleidern über Ölgemälde und Teppiche bis hin zu Wachsfiguren und Urkunden – illustrieren die bewegte Geschichte des berühmten Konvents. Vieles sind sogenannte Votivgaben, also Gaben aus einem Gelübde heraus, wie Keller erklärt. So hat beispielsweise eine fromme Adelige Anfang des 18. Jahrhunderts viele Kinder verloren, und ein Sohn blieb stumm. Nach einer Pilgerreise nach Einsiedeln beginnt er plötzlich zu sprechen. Aus Dankbarkeit schenkt die glückliche Mutter dem Kloster ein Messgewand.

Ein heiliger Ort für alle Gesellschaftsschichten

Ein Exponat, das Keller besonders fasziniert, ist ein Gemälde, welches das Leben auf dem Klosterplatz zeigt. Darauf sind Wohlhabende, Bedürftige, Bauern, Mönche und Pilger am Marienbrunnen zu sehen, versammelt vor der barocken Fassade des Klostergebäudes. «Es zeigt sehr schön, dass dieser heilige Ort alle Gesellschaftsschichten anzieht – und das seit über einem Jahrtausend», sagt die Kuratorin.

Hinweis

Die Ausstellung im Landesmuseum dauert bis 21. Januar 2018.


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