Verbände kämpfen um den Erhalt alter Häuser

KÜSSNACHT ⋅ Vier Häuser im Dorfkern sollen abgerissen werden. Dagegen wehren sich Heimatschutz und Pro Natura – und führen eine Vielzahl von Argumenten ins Feld.
24. November 2017, 09:16

Drei Häuser an der Rigigasse und eines im Rosengarten sorgen derzeit für Streit in Küssnacht: Die Eigentümerin, die Sincasa AG mit Sitz in Küssnacht, will die Liegenschaften abreissen – so schnell wie möglich. Die Häuser seien nicht mehr bewohnbar, so die Argumentation der Eigentümerin. Das sehen der Schweizer Heimatschutz, Pro Natura und deren Schwyzer Kantonalsektionen anders. Sie haben gegen das Baugesuch für eine vorzeitige Abbruchbewilligung der Bauten eine Einsprache eingereicht.

Darin verlangen sie die Abweisung des entsprechenden Abbruchgesuches. Die Einsprecher machen geltend, dass ein Abriss ohne Neubauprojekt gegen die Bauordnung verstösst. Die Häuser seien Teil des Ortsbildes von nationaler Bedeutung (Isos) und daher entsprechend ungeschmälert zu erhalten.

Einsprecher sehen Gesetze verletzt

«Ungeachtet ihres aktuellen Zustandes sind die Häuser Denkmäler von aussergewöhnlichem universellem, ja sogar globalem Wert», sagt dazu Isabelle Schwander, Präsidentin des Schwyzer Heimatschutzes.

Das Gebiet der Rigigasse sei als ein besonders qualitätsvolles, kulturelles Erbe zu betrachten. Weiter argumentieren die Einsprecher, die unregelmässige dichte Bebauung mit ihrem organisch geformten Netzwerk aus Strassen- und Gassenzügen präge den historischen Dorfteil. «Die Schweiz hat sich international verpflichtet, Kultur- und Naturgut der Welt zu schützen», betont Schwander. Der Dorfkern mit der Rigigasse gehöre dazu, weshalb der Bereich unter diesem Aspekt gesamtheitlich behandelt werden müsse. Pro Natura und der Heimatschutz sagen weiter, ein Abriss verstosse gegen verschiedene Gesetze, Reglemente und Übereinkommen. Zudem bemängeln sie, dass die konkrete Fachmeinung des Schwyzer Denkmalschutzes fehle. Weiter werde die Sorgfaltspflicht im Umgang mit Gewässern im Rahmen des Gewässerschutzgesetzes verletzt. «Die betroffenen Häuser befinden sich im Gewässerschutzbereich Au, und es wird anerkannt, dass es sich um Bauten mit Untergeschossen handelt», heisst es in der Einsprache. Mangels Angaben und Plänen im Bezug auf den Gewässerschutz werde die Sorgfaltspflicht im Umgang mit Gewässern verletzt.

Auch fehle eine Untersuchung geschützter Tierarten wie Fledermäuse oder Siebenschläfer. «Die Häuser wurden während mehrerer Jahre nicht bewohnt, und es besteht dadurch die Möglichkeit, dass dort geschützte Tiere leben», heisst es dazu in der Einsprache. Die Einsprecher insistieren darauf, dass die Häuser mit wenig Aufwand wieder bewohnbar gemacht werden könnten.

Auch Private wehren sich

Der Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee begleitet die Einsprache, ist aber selbst nicht zur Unterzeichnung legitimiert.

Doch bei der Einsprache aus dem Lager des Heimatschutzes und Pro Natura bleibt es nicht. Laut dem Küssnachter Bauamt ging bis zum Ablauf der Einsprachefrist eine weitere private Einsprache ein.

Edith Meyer


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