Früh aufstehen für die neue Zeitung

ALTDORF ⋅ Die interessierten Leser hielten gestern erstmals die neue «Urner Zeitung» in den Händen. Bei einer Werbeaktion beim Tellbus zeigte sich aber, dass Zeitungen bei vielen jungen Lesern einen schweren Stand haben.

Aktualisiert: 
20.09.2016, 13:00

Die Werbeaktion zur Lancierung des neuen Layouts unserer Zeitung erforderte einen besonderen Einsatz. Stockdunkel war es noch in den Strassen. Bereits morgens um 5.45 Uhr hatten wir beim Telldenkmal abgemacht. Wenig später kreuzte der Verträger mit den Zeitungsbündeln und den Energy-Drinks denn auch auf. Er traf gerade noch rechtzeitig ein, sodass die Benützer des ersten Morgenkurses des Tellbusses nach Luzern doch noch zu ihrer unverhofften frühmorgendlichen Gratislektüre kamen.

Nicht alle warteten gleich gespannt auf die neue «Urner Zeitung». Das Vorurteil, Jugendliche und junge Erwachsene würden heute kaum noch eine Zeitung lesen, erhärtete sich. Die jüngeren Gäste des Tellbusses schnappten sich zwar gerne einen Energy-Drink. Bei der Zeitung sagten sie aber meistens: «Nein, danke.» Einige interessierten sich wohl nicht für die Lektüre, andere glaubten möglicherweise, die Zeitung wäre nicht kostenlos zu haben. Anders sah es bei den Fahrgästen über 40 aus. Sie verzichteten meist auf den Energy-Drink, klemmten sich dafür aber gerne eine Zeitung unter den Arm. Und dabei entpuppten sich gleich mehrere Tellbus-Benützer über 40 als extreme Frühaufsteher. Sie verrieten nämlich, dass sie die Zeitung bereits zu Hause angeschaut hätten. Über das neue Layout oder den Inhalt der Zeitung wurde in der Früh noch wenig gesagt. Überhaupt wurde morgens um 6 Uhr kaum etwas gesprochen. Schnell in den Bus, hiess für die meisten die Devise.

Bei den nächsten Kursen des Tellbusses kam es dann doch noch zu Gesprächen. Sie hätten gehört, dass es ein neues Layout gäbe, sagten einige von ihnen. Die gross angelegte Werbekampagne der vergangenen Wochen verfehlte offensichtlich ihre Wirkung nicht. Eine Frau hatte Bedenken, dass es mit dem neuen Layout auch darum gehen könnte, zu rationalisieren und Arbeitsplätze einzusparen. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kam mit viel Gepäck zum Tellbus. Die Mutter nahm dankend eine Zeitung entgegen. «Wir haben sie nicht mehr abonniert», sagte der Vater. «Zurzeit finde ich kaum Zeit zum Lesen», sagte er fast entschuldigend. Er schliesse aber nicht aus, dass er die Zeitung wieder abonniere. «Vielleicht später, wenn die Kinder grösser sind.»

Die meisten Zeitungen blieben trocken

Bei unserer Werbeaktion zur Lancierung des neuen Layouts hatten wir trotz allem Glück mit dem Wetter. Sie ging zwar bei kühlen Temperaturen aber dennoch trocken über die Bühne. Wenig später änderte sich das Wetter aber schlagartig. Kurz nach 8 Uhr, als der Tellbus beim Altdorfer Telldenkmal weggefahren war, begann es zu regnen. Die Werbe­aktion endete damit gerade zur rechten Zeit. Wir konnten unsere Zeitungen an die Frau respektive den Mann bringen, ohne dass diese nass wurden. Hoffentlich hat die morgendliche Zeitungslektüre den Tellbus-Fahrgästen Spass gemacht. Und zu hoffen bleibt, dass unsere Zeitung auch den einen oder anderen neuen potenziellen Abonnenten dazugewinnen konnte.

Eine Torte zur Belohnung für das frühe Aufstehen

Schnell räumten wir die noch verbliebenen Zeitungen und die Energy-Drinks zusammen. Und auf der Redaktion der Zeitung wurden wir belohnt für den frühmorgendlichen Einsatz. Ein reich bestücktes Sandwich am Meter, feines Gebäck und eine riesige Torte warteten auf uns.

  • Neue Luzerner Zeitung AG
  • Neue Luzerner Zeitung AG

Führungsleute der Luzerner Zeitung und den Regionalausgaben verteilten am Montagmorgen die erste Ausgabe im neuen Layout an Passanten.

Markus Zwyssig, Altdorf

Stimmen zum neuen Layout der Zeitung

Mit dem neuen Kleid komme die Zeitung moderner daher, sagt Roman Balli. Den 49-jährigen Kanzleidirektor spricht das neue Layout an. «Die Seiten sind ruhiger. Es hat bei den Titeln mehr Luft.» Der Lesefluss sei durch die sechs Spalten verbessert. Die Texte wirkten aufgeräumter, es habe nicht so viele verschiedene Schriftarten.

Vermisst hat er in der ersten Ausgabe mit dem neuen Layout die Gastkommentare. «Mir persönlich ist es beim Zeitungslesen etwas vom Wichtigsten, dass sich jemand vertieft Gedanken macht über ein Thema.» Dies sei eine gute Möglichkeit, dass sich Zeitungen voneinander und von anderen Medien abheben könnten. Und vor allem sei dies etwas, was die elektronischen Medien nicht bieten würden. Die News hingegen bekomme man überall mit.

Balli ist sich aber auch bewusst, dass das Schreiben von Meinungen und Kommentaren mit einem grossen Aufwand verbunden ist. «Die Zeitungen müssen aktuell sein und sich dazu noch eine Meinung bilden. Das bringt viel Arbeit mit sich.» Trotzdem ist er überzeugt: «Das ist die Zukunft der Zeitungen.»

Fünfspaltig wären die Texte leserlicher

Charlotte Germann findet Gefallen am neuen Layout der «Urner Zeitung». «Es ist besser geordnet als früher», sagt die 28-jährige Grafikerin aus Altdorf. «Die Zeitung kommt nun internationaler und nicht mehr so regional wie früher daher.» Ihr gefällt, dass vermehrt schwarz und weiss gestaltet ist und nicht mehr so stark das Blaue im Vordergrund steht. Nicht verstehen kann sie, weshalb es zum Teil sechsspaltig und dann wieder fünfspaltig gelayoutet wird. «Sechsspaltig ist recht schmal», sagt sie. «Fünfspaltig wäre leserlicher.» Dies könne aber subjektiv sein, sagt sie. Alles in allem gefalle ihr das neue Layout der Zeitung recht gut. «Es ist eine gute Struktur darin. Für mich wirkt die Zeitung dadurch frischer als früher.» Sich an das neue Layout zu gewöhnen, sei daher nicht so schwierig, glaubt sie.

Der Flüeler Landrat Pius Käslin hat sich in der ersten Ausgabe der «Urner Zeitung» mit dem neuen Layout problemlos zurechtgefunden. Es gefalle ihm gut, denn es sei übersichtlich, sagt der 56-jährige Betriebsfachmann. «Es hat grosse Titel, und die Zeitung ist übersichtlich gestaltet.» Der Regionalteil sei in der gestrigen Ausgabe sehr ausführlich gewesen. «Wahrscheinlich hat man zum Start bewusst etwas mehr Seiten mit Themen aus dem Kanton Uri in der Zeitung gebracht», mutmasst er.

Nicht gefallen hat ihm im Kulturteil die falsche Doppelseite. Diese sei zu wenig übersichtlich. «Da stimmt etwas nicht mit dieser Panoramaseite», sagt der FDP-Politiker. «Das müssten doch zusammenhängende Seiten sein», gibt er sich überzeugt. Es sei wahrscheinlich auch schwierig, dass die Zeitungsseiten bei diesen Vorgaben zusammenstimmen würden.

Vieles bleibt ähnlich

Beim neuen Layout müsse man sich aber nicht grundsätzlich umgewöhnen. Vieles sei ähnlich geblieben. Insbesondere habe man grundsätzlich die Abfolge der verschiedenen Themen in der Zeitung belassen. «Das ist gut so für mich», sagt Käslin. Zuerst komme das Weltgeschehen, dann folgten die News aus dem Inland. Das Regionale nehme nach wie vor einen grossen Stellenwert ein. Zum Schluss der Zeitung folge wie gewohnt die letzte Seite mit den Nachrichten.

«Nach der wochenlangen Vorankündigung war ich gespannt auf das neue Layout», sagt die 38-jährige Hausfrau und Berufsschullehrerin Petra Luzzani aus Schattdorf. Nach dem ersten Durchblättern zeigte sie sich dann ziemlich enttäuscht: «Die ‹Urner Zeitung› kommt wie der ‹Tages-Anzeiger› daher und ist äusserst gewöhnungsbedürftig, gerade was Titel und Lead oder auch das sechs- statt fünfspaltige Layout angeht», meinte sie. Das Auge müsse sich an die häufigeren Sprünge von Spalte zu Spalte gewöhnen, dadurch werde der Lesefluss gebremst, und die Lektüre werde allgemein strenger. «Auch habe ich da und dort Mühe gehabt, eine klare Abgrenzung zwischen redaktionellem Text und Anzeigen zu erkennen», so die Schattdorferin. «Aber vielleicht gewöhnt man sich ja mit der Zeit an diese neue Gestaltung.»

Markus Zwyssig und Bruno Arnold, Altdorf
 


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