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Neue Technologie statt zweite Gotthardröhre

VERKEHR ⋅ Aus Sicherheitsgründen ist eine zweite Gotthardröhre gemäss dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) unnötig. Denn mit modernen Fahrassistenzsystemen liessen sich Kollisionen künftig nahezu ausschliessen. Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) sieht das anders.

VCS-Präsidentin Evi Allemann fordert mehrere Massnahmen um das Gotthard-Strassentunnel sicherer zu machen. Nach einer Temporeduktion auf 60 km/h im Tunnel, dem Einbau einer Mittelleitplanke und der Ausstattung der Fahrzeuge mit Fahrassistenten, bräuchte es laut dem VCS keine zweite Gotthardröhre. (Keystone, 14. Juli 2015)

Bereits heute seien viele Autos und Lastwagen mit solchen smarten Technologien ausgerüstet, schreibt der VCS in einer Medienmitteilung vom Dienstag. In 10 bis 15 Jahren - wenn die zweite Röhre fertiggestellt würde - werde dies erst recht der Fall sein.

"Fahrassistenzsysteme werden künftig auch für den Gotthard-Strassentunnel einen Sicherheitsgewinn bringen", sagte VCS-Präsidentin Evi Allemann gemäss Mitteilung vor den Medien. In Tunnels hätten vor allem der Abstandshalter, der Spurhalte- und der Spurwechselassistent grosses Potenzial, sagte Markus Muser, Geschäftsleiter der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik.

Der Bau einer zweiten Röhre sei daher unnötig, hielt Allemann fest. Zumal die Sicherheit zusätzlich mit rasch umsetzbaren, günstigeren Massnahmen verbessert werden könnte.

Thermoportal und Leitplanke

Konkret schlägt der VCS ein Thermoportal am Nordeingang des Tunnels vor. Dieses würde überhitzte Fahrzeuge erkennen und stoppen. Eine weitere Idee ist eine versenkbare Mittelleitplanke. Eine solche könnte laut VCS sogenannte Billardunfälle verhindern. Bei diesen werden die Autos, nachdem sie die Tunnelwand gestreift haben, auf die andere Strassenseite geschleudert.

Auch eine Temporeduktion von 80 auf 60 Kilometer pro Stunde im Tunnel hält der Verband für sinnvoll. Diese Massnahmen kosteten eine Bruchteil der veranschlagten drei Milliarden Franken, die eine zweite Röhre verschlingen würde, sagte Allemann.

"Ungenügende Retouchen"

Der Gewerbeverband bezeichnet diese Vorschläge als "ungenügende technische Sicherheits-Retouchen". Die zweite Gotthardröhre sei notwendig, schreibt der Verband am Dienstag in einer Reaktion auf die Vorschläge des VCS. Nur ein richtungsgetrennter Tunnel bringe Sicherheit am Gotthard.

Der Gotthardtunnel sei einer der längsten Tunnel im Gegenverkehr in Europa, schreibt der Gewerbeverband. Auf über 17 Kilometern kreuzten sich Lastwagen und Autos auf engstem Raum in einer Röhre. Pannenstreifen gebe es keine. Das Risiko einer Frontalkollision sei sehr hoch. Der Gotthardtunnel genüge modernen Sicherheitsstandards nicht.

Nötig für Sanierung

Aus Sicht des Bundesrates und der Parlamentsmehrheit ist ein neuer Strassentunnel nötig, um den ersten, 1980 eröffneten, zu sanieren. Der neue Tunnel soll ab etwa 2020 in sieben Jahren gebaut werden. Anschliessend würde der bestehende gesperrt und saniert. Ab etwa 2030 sollen dann beide Tunnels je einspurig betrieben werden.

Gegen den Bau hatten die Parteien SP, Grüne und GLP sowie über 50 nationale, regionale und lokale Organisationen das Referendum ergriffen. Zur Abstimmung kommt die Vorlage erst nach den eidgenössischen Wahlen.

Es ist das dritte Mal nach 1994 (Alpenschutzinitiative) und 2004 (Gegenvorschlag zur Avanti-Initiative), dass das Volk direkt oder indirekt über den Bau eines zweiten Tunnels durch den Gotthard befinden kann. Bisher lehnte es solche Bestrebungen ab. (sda)

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Leserkommentare (12)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.07.2015 08:14

    Wer gegen die zweite Röhre ist, nimmt weitere Unfalltote in Kauf, denn die Vorschläge des VCS sind Mumpitz. Hoffentlich trifft es bei den Unfällen niemanden aus dem Familien- oder Freundeskreis der Gegner...

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    geschrieben am 14.07.2015 19:38

    Wenn ein Deutscher, Holländer oder Belgier vor dem Gotthardtunnel ist, nimmt mich wunder, wie viel konzentration er noch hat für den Gotthardtunnel hat. Die gleiche Frage stelle ich den Deutschweizern. Wenn Sie zum Beispiel in Rom ankommen und den Hôtel suchen, wie steht es dann mit Konzentrazion ? Eine Idee: in höchstens zwei Jahren ist die NEAT fertig und man kann sicher die Langstrecken Fahrzeuge, LKW oder Auto, aus dem Ausland auf Züge verladen und die Fahrer sich ausruhen lassen.

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    geschrieben am 14.07.2015 16:29

    Das mit einer versenkbaren Leitplanke ist totaler blödsinn. Wer garantiert, dass diese versenkbare Leitplanke auch noch nach einem Unfall im Boden verschwindet?
    Auf der Fahrt richtung Süden könnte das zur tödlichen Falle werden, da man nicht mehr in die Fluchtröhre kommt!
    Ein junger kann vielleicht rüber springen aber eine ältere Person schafft das nicht mehr.
    Bei einem Brand entscheiden Sekunden ob man überlebt oder nicht.
    Also vergesst diese Leitplanke bitte ganz schnell!

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    geschrieben am 14.07.2015 15:52

    Die Alpeninitiative und die Verlagerung des Schwerverkehrs sind Voles Wille. Wer das nicht umsetzen will, versteht nichts von Demokratie.

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    geschrieben am 15.07.2015 16:19
    als Antwort auf das Posting von Philipp Wyss, Root am 14.07.2015 15:52

    Komisch, der NICHT-Wechsel von der WUSt zur MWSt. war auch lange Zeit Volkes Wille. Dann wurde halt von linker Seite so oft abgestimmt, bis mal das "richtige" Ergebnis zu Stande kam. Das wurde dann als Demokratie bezeichnet.
    Vielleicht sollten wir diese von links-grüner Seite gern gelebte Form der Demokratie auch mal die Alpeninitiative und ihre Folgen anwenden.
    Wie wäre es mit einer neuen Abstimmung?

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    geschrieben am 14.07.2015 16:33
    als Antwort auf das Posting von Philipp Wyss, Root am 14.07.2015 15:52

    das alles hat einfach nichts mit dem Artikel, bzw. der 2. Gotthardröhre zu tun!

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    geschrieben am 14.07.2015 15:15

    Das sind gute Argumente gegen eine 2. Strassenröhre. Ist endlich der Volkswille, die Verlagerung des Schwerverkehrs von der Strasse auf die Schiene umgesetzt ist eine solche sowieso nicht mehr nötig und die Sicherheit im Tunnel wird erheblich verbessert.
    Die Lastwagen sind doch oft an (schweren) Unfällen und Staus schuldig.

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    geschrieben am 14.07.2015 15:29
    als Antwort auf das Posting von Marcel Homberger, Schenkon am 14.07.2015 15:15

    Genau jeder dieser (jeder für sich tragischen) Unfälle und jede Panne, die den Tunnel mindestens in eine Richtung blockieren, sind je ein Argument für eine zweite Röhre. Und wer an die Mär von der Verlagerung auf die Schiene glaubt, glaubt auch an den Klapperstorch und dass die Erde eine Scheibe ist. Bei den Preisen fährt schon heute keiner mehr mit der Bahn, es sei denn, es wird ihm/ihr gesponsert (Nationalräte bekommen GAs zusätzlich zum Lohn).

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    geschrieben am 14.07.2015 13:35

    Eine zweite Röhre bringt Mehrverkehr und damit eine erneute Verlagerung der Probleme, sicher rund um Luzern. Und Ihre gewünschte Röhre, Herr Frenzen, wird ja auch nicht in einem Monat gebaut ! Ich sehe nicht ein, weshalb die halbe Welt für 40. Fr. das ganze Jahr durch den Gotthard blochen kann. Eine Retourfahrt durch den Grossen St. Bernhard, resp. Montblanc-Tunnel kostet 45 - 50 Euro. Und wenn Sie nach Italien oder Frankreich in die Ferien fahren, können Sie ebensoviel für eine Retourfahrt ausgeben, ohne einen Tunnel benützt zu haben. Die sinnlosen Leerfahrten würden dann garantiert abnehmen.

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    geschrieben am 14.07.2015 13:35

    Warum lässt man EVI Allemann überhaupt einen Kommentar zu. Diese Frau hat überhaupt keine Ahnung von Verkehr, nur wie man den Veloverkehr gegen den privaten Verkehr ausspielen kann. Dem VCS und zahlreichen Politikern der GLP, der CVP und den Linksparteien, ist es egal, wenn ein ganzes Tal während Jahren ausstirbt, dass überhaupt niemand mehr dort ein -einkommen erziehlen kann. Was ist mit dem Gewerbeverband, wie kann dieser National- und Ständeräte unterstützen, welche gegen den Bau der 2. Röhre sind?

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 14.07.2015 12:57

    Klar doch Frau Allemann. In 15 Jahren sind alle Fahrzeuge mit den oben genannten Sicherheitsassistenten ausgerüstet! Natürlich bis zum letzten polnischen und rumänischen Lastwagen ...und die versenkbaren Leitplanken sind selbstverständlich auch in einer Nacht auf die kompletten 17km installiert!
    Da sieht man wieder einmal eindrücklich, dass Frau Allemann und ihr VCS weder Ahnung von Technik, noch von Sicherheit haben und einfach nur in einer Traumwelt, fern von jeder Realität leben und politisieren.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 14.07.2015 12:43

    Wie der Name es schon sagt, es handelt sich bei Fahrassistenzsystemen eben nur um Assistenz-Systeme, die dem Fahrer assistieren sollen. Offensichtlich gehen den Gegner der zweiten Röhre langsam die Argumente aus, wenn sich jetzt mit sofort für jeden Laien erkennbarer Unwissenheit in die Thematik der Verkehrssicherheit einbringen. Der Einbau einer versenkbaren Leitplanke würde auch eine mehrmonatige Vollsperrung des Tunnels erforderlich machen.
    Eine zweite Röhre brauchen wir nur dann nicht, wenn künftig nur noch mit dem Velo durch den Gotthardtunnel gefahren werden darf.

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