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Bürgler Pfarrer will «Hirte der Herde» bleiben

BÜRGLEN ⋅ Er werde alles daran setzten, dass die Herde in Bürglen, deren Hirte er sei, nicht verletzt werde, hat Wendelin Bucheli am Sonntag nach der heiligen Messe in der Urner Gemeinde gesagt. Dabei hat der Bürgler Pfarrer auch Fehler eingestanden.

Wendelin Bucheli will Hirte seiner Herde in der Pfarrei von Bürglen bleiben. Dies hat er am Sonntagmorgen im Anschluss an die heilige Messe in der Kirche der Urner Gemeinde verkündet. Die Kirchgänger dankten ihm die Worte mit einer Standing Ovation. (Tele 1, 15.02.2015)

Pfarrer Wendelin Bucheli machte einen gefassten Eindruck, als er am Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst vor die Medien trat.  Er zeigte ein schwarzes Hirtenhemd und sagte, dieses habe er bei der Pfarrinstallation in Bürglen geschenkt bekommen. «Ein klares Zeichen, dass der Pfarrer ein Hirte ist.»

Und Wendelin Bucheli will die Rolle des Hirten beibehalten. Er sagte, Bürglen sei «eine Perle unter den Pfarreien», und er werde alles daran setzten, dass diese Herde nicht verletzt werde. Er wünsche sich, dass wieder Ruhe und Friede einkehre.

Segnung in tiefem Frieden erteilt

Als ihn die zwei Frauen im vergangenen Jahr um den Segen gebeten hätten, sei er in die Stille gegangen. Mit «tiefem Frieden im Herzen» habe er ihnen dann den Segen Gottes erteilen können.

Bucheli räumte in seiner Rede aber auch Fehler ein. «Wenn ich jetzt all die Reaktionen in Betracht ziehe, muss ich erkennen, dass ich die Segnung zu wenig diskret vorgenommen habe», sagte er. Es seien Menschen verletzt worden. «Jene, die ich zu wenig geschützt habe, und die dadurch verletzt worden sind, bitte ich nun um Verzeihung.»

Als dann der «Rummel um die Segnung» los ging, habe er erneut die Stille gesucht. Nichts solle in ängstigen, habe er unter anderem als Antwort bekommen. So bat er am Sonntag alle, Gott zu vertrauen. Als Dank für diese Worte erhielt der Pfarrer eine Standing Ovation.

Zuvor führte der Pfarrer durch den Sonntaggottesdienst. Er sprach über Ausgrenzung, Grenzen erleben und Grenzen überwinden. Der Zusammenhalt im 4000-Seelen-Dorf oberhalb von Altdorf war spätestens dann zu spüren, als die gegen 300 Kirchgänger sangen, weit wie das Meer sei Gottes grosse Liebe.

Morerod verteidigt Versetzung

Für den Freiburger Bischof Charles Morerod ist die angekündigte Versetzung Buchelis weiterhin gerechtfertigt, weil gemäss der Bibel Homosexualität eine Sünde ist.

Mit der Segnung eines lesbischen Paares, wie Bucheli das getan habe, entstehe «eine Zweideutigkeit, die man vermeiden muss», sagte er in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» und im «Le Matin Dimanche».

Der für Bürglen zuständige Churer Bischof Vitus Huonder will Bucheli in das Westschweizer Bistum zurückversetzten, in dem er geweiht worden war. Komme Bucheli zurück, um «aus seiner Kirche ein Zentrum für die Segnung von homosexuellen Paaren zu machen, wird das ein Problem.»

Er zeigte Verständnis für die Kritik vieler Gläubiger an der Tatsache, dass die Kirche Fahrzeuge, Tiere und anderes segnet, nicht aber gleichgeschlechtliche Menschen, die sich lieben. Homosexuelle würden als einzelne Personen gesegnet. Bei der Segnung als Paar entstehe der Eindruck, «dass es sich um eine Eheschliessung handelt».

Rückendeckung erhält der Urner Pfarrer von Pfarrer Franz Sabo aus Röschenz BL, dessen Konflikt mit dem Bistum Basel 2005 bis 2008 für Schlagzeilen gesorgt hatte. Im «SonntagsBlick» sagte er, sein Urner Kollege handle nach dem Gewissen und somit richtig.

Welle der Solidarität

Ausgangspunkt des Streits ist die Buchelis Segnung eines lesbischen Paares im vergangenen Herbst. Huonder forderte den Pfarrer zur Demission auf. Der Churer Bischof einigte sich mit Morerod darauf, dass Bucheli in das Westschweizer Bistum zurückgerufen wird. Bucheli lehnte die geforderte Demission ab.

Die Angelegenheit löste – auch über die Landesgrenze hinaus – eine breite Welle der Solidarität aus. Kirchen- und Einwohnergemeinde Bürglen sicherten dem Pfarrer ihre Unterstützung zu. Zudem wurde eine Online-Bürgerpetition gestartet, die bis am Sonntagnachmittag bereits über 33'000 Personen unterzeichnet hatten.

Auch die Junge CVP des Kantons Uri machte sich für Bucheli stark. In einem offenen Brief an Bischof Huonder forderte sie, dass Bucheli «ohne Wenn und Aber Pfarrer von Bürglen bleiben darf».

Die Jungpartei nehme mit grosser Bestürzung einmal mehr zur Kenntnis, «dass das Bistum Chur auch noch im Jahr 2015 rabiat Homosexuelle diskriminiert und ausgrenzt». Damit schade Huonder der ganzen Katholischen Kirche und säe Unfrieden in die Gesellschaft.

Einen offenen Brief an Bischof Huonder verfassten auch verschiedene Urner Seelsorgende.

sda/AH

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Leserkommentare (9)
  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 16.02.2015 23:17

    Kein wunder, dass die musleme uns christen nicht als richtige gottgläubige betrachten!
    wir nehmen ja unser glauben und die bibel nicht einmal ernst.
    Sondern wir ergenzen alles aus moralischem intresse und nicht nach gottes wille!
    Entweder ist der bischof ein vorbild, der uns die bibel lernt, oder er hat selber noch viel über die bibel zu lernen. Der bischof hat eindeutig die grezen überschritten. Immer wie mehr machen wir in der heutigen gesellschaft was wir wollen. Es ist respektlos gegenüber den christen die gottes wot praktizieren. Wie wir die homosexualität in unserer gesellschaft tollerieren, wünschen wir, dass Sie auch unsere priorität als christen respektieren und nicht unser intresse in den hintergrund stellen.
    Das eine ist, segen, der jedem mensch zusteht, das andere ist heirat von homosexuellen in der kirche "im namen gottes" was nicht tolleriert werden kann .
    Z . B. IN GOTTESNAMEN MORDEN DARF AUCH NICHT TOLLERIERT WERDEEN.

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    geschrieben am 17.02.2015 10:13
    als Antwort auf das Posting von Amanda Fluri, Bern am 16.02.2015 23:17

    Was ist die Grundlage des christlichen Glauben ? Man zitiert die Bibel in katholischen Messen, man nimmt dann das Wort Gottes und verdreht und diskutiert z. B. Homosexualitaet einfach unter den Tisch, wenn der Erste Roemerbrief im ersten Kapitel genau erklaert, was Homosexualitaet ist, man hat in dieser Kirche Epidemien von Kinder Missbrauch durch homosexuelle Geistliche und dann erhebt man den verstoerten Pfarrer in Buerglen, wenn er die Homoehen als richtig erklaert, Naiver und Duemmer geht es nicht mehr !!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 18:26

    Mag Pfarrer Bucheli nun wider die uralten Gesetze der katholischen Kirche gehandelt haben, aber dass er deswegen wie ein geschlagener Hund aus der Hütte, respektive als "ungehorsamen" Priester aus dem Bistum gejagt wird, grenzt schon an Hartherzigkeit und Unerbittlichkeit. Unverständlich finde ich auch, dass sich der Bischof seines Heinatbistums der Angelegenheit nicht annehmen will. Fragt sich, wie die berufliche Zukunft des Bürgler Pfarrers Wendelin aussehen wird, ob er im Heimatbistum das Priesteramt weiter ausüben darf - ihm aber im Bistum Chur und den restlichen Bistümern die Hände gebunden sind. Da kann man ja nur noch den Kopf schütteln. Der gute Hirte von Bürglen soll sich nur gegen den Rauswurf wehren. ich wünsche ihm viel Kraft und alles Gute.

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 15:55

    es bestätigt mir wieder einmal mehr, dass der entscheid aus der kirche auszutreten richtig war.nicht der glaube, nein die Institution kirche ist das grosse Problem.das ganze Theater mit dem hr.bucheli ist ja wie ein schlechter scherz.wo ist da die vielgepriesene Nächstenliebe etc, von der die katholische kirche dauernd predigt?und es gäbe noch viele Beispiele.wenn diese kirche einmal das lebt was sie predigt (nicht wasser predigen und wein trinken)und die ganze Verlogenheit ablegt,könnte ich mir einen beitritt wieder überlegen,aber das sind noch Lichtjahre entfernt

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 14:28

    Ich war heute Morgen selber in der Kirche in Bürglen anwesend und war einmal mehr stolz auf unseren Pfarrer Wendelin Bucheli. Seine Stellungnahme war sehr persönlich. Er hat das ganze Thema Grenzen und Ausgrenzung auch in die Morgenmesse und in seine Predigt integriert. Brillant! Pfarrer Bucheli ist wirklich wie ein guter Hirte in unserer Gemeinde. Er sorgt sich mit viel Herzblut und riesengrossem Engagement um die Menschen und ihre Anliegen. Aus diesem Grunde ist er bei den Menschen in Bürglen sehr beliebt, egal ob jung oder älter. Er ist ein Pfarrer der Herzen! Ich und meine Familie, wir stehen hinter ihm, und einfach so kampflos werden wir unseren Pfarrer Wendelin Bucheli nicht hergeben!
    Alexandra Zurfluh- Muoser, Bürglen

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 13:58

    Der Papst hat heute in der Predigt an die neuen Kardinäle sinngemäß gesagt, dass sie keine Kaste sein sollen die isoliert in Palästen lebt sondern Seelsorger die zu den Ärmsten der Armen gehen und ihnen demütig und mit Verzeihen in deren Augen schaut. Das ist indirekt eine gültige Antwort auf die Segnung in Bürglen und das vom Chef höchst persönlich!

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 12:53

    "Ich werde meine Herde nicht verlassen! "
    ...Und jetzt ist Ruhe im Stall !

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    geschrieben am 15.02.2015 14:14
    als Antwort auf das Posting von Manfred Eberling, Hochdorf am 15.02.2015 12:53

    Der Papst hat heute in der Predigt an die neuen Kardinäle sinngemäß gesagt die Geistlichen sollen nicht wie eine Kaste in den Palästen wohnen sondern als Seelsorger zu den Ärmsten der Armen gehen und mit Barmherzigkeit und Verzeihen in deren Augen schauen. Das ist doch indirekt eine Antwort auf die Segnung in Bürglen und noch vom Chef persönlich! Das muss Pfarrer Bucheli doch genügen. Irma Büchler Luzern

  • lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
    geschrieben am 15.02.2015 12:28

    Zum Glück wird der gnädige Jesus (Geschichte mit dem Aussätzigen) das jüngste Gericht abhalten und nicht der knallharte Bischof Huonder, sonst würden wohl mehr so genannt "Gestrauchelte" als Höllenkandidaten auf die linke Seite der Bösen gestellt und ins ewige Feuer geworfen..

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