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Regierung verteidigt Nein zur Gotthardröhre

URI ⋅ Der Urner Regierungsrat ist weiterhin gegen einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard. Er stützt sich dabei auf die bisherigen Volksentscheide der Urner. Seiner Ansicht nach lässt sich eine zweite Röhre nicht mit der Sicherheit rechtfertigen.

Der Regierungsrat hat am Dienstag eine Interpellation der FDP Uri beantwortet. Diese wollte wissen, wieso der Regierungsrat die bundesrätliche Vorlage bekämpfe. Die Interpellanten bezeichnen diese als «Steilpass» für den Regierungsrat, um eine den «realen Interessen» Uris entsprechende Verkehrspolitik einzuschlagen.

Der Bundesrat und die eidgenössischen Räte möchten einen zweiten Tunnel bauen und diesen während der Sanierung der bestehenden, 1980 eröffneten Röhre im Gegenverkehr betreiben. Danach, das heisst ab zirka 2030, sollen beide Röhren je einspurig betrieben werden.

Der Regierungsrat weist darauf hin, dass die Urner Stimmberechtigten 2011 eine praktisch identische Vorlage abgelehnt hätten, eine Initiative der Jungen SVP. Inhaltlich hätten sie damals zu dem Nein gesagt, was jetzt gesamtschweizerisch zur Abstimmung komme. Die Regierung erwähnt zudem weitere Urnengänge, in denen sich die Urner gegen eine zweite Tunnelröhre ausgesprochen hätten.

Wird die zweite Röhre gebaut, nimmt nach Ansicht der Kantonsregierung der Druck zu, die Röhren nicht einspurig zu betreiben, sondern alle Fahrspuren zu nutzen. Die Schweizer Stimmberechtigten müssten dann nicht mehr über die hohen Kosten eines Tunnelbaus abstimmen, sondern nur noch darüber, ob eine gebaute und bezahlte Röhre voll genutzt werden solle.

Beschränkter Sicherheitsnutzen

Der Regierungsrat stimmt den Interpellanten zwar zu, dass zwei richtungsgetrennte Tunnelröhren sicherer seien als der heutige Tunnel mit Gegenverkehr. Der Sicherheitsnutzen sei aber beschränkt, schreibt er.

Die Kantonsregierung stützt sich auf ein Gutachten der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu), gemäss der der Sicherheitsvorteil bei einer Verkehrszunahme von 3 Prozent schon wieder aufgehoben wäre, da das Unfallrisiko auf der gesamten Transitstrecke von Basel bis Chiasso zunehmen würde.

Da in schwere Unfälle meist Lastwagen verwickelt seien, müsse auf die Verlagerung des Schwerverkehrs auf die Schiene gesetzt werden. Ferner gibt der Regierungsrat zu bedenken, dass bis 2030 wohl viele Autos mit elektronischen Assistenzsystem ausgestattet seien, die ein Abweichen von der Spur verhindern könnten. (sda)

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Leserkommentare (8)
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    geschrieben am 06.02.2015 13:28

    Gegenverkehr in einem 17 km langen Tunnel mit bis zu 80 km/h ist verantwortungslos, niemand kann sich mit gutem Gewissen damit identifizieren und - Sicherheit lässt sich nicht durch untaugliche statistische Vergleiche relativieren. Mein Vorschlag für ein anderes Betriebssystem (ohne 2. Tunnel) mit dem Namen "Fährbetrieb" wäre: Der Tunnel wird abwechslungsweise doppelspurig in einer Richtung befahren, konkret 75 Minuten in einer Richtung, Durchschnittsgeschwindigkeit 100 km/h, (also rund 20 km/h mehr als im Gegenverkehr); Umschaltzeit 15 Minuten; Wechsel in die andere Fahrrichtung. Die Durchfahrtsbewilligung erhält man per Handy für ein bestimmtes Zeitfenster (im Sommer kann man auch über den Pass ausweichen), dh. die Durchfahrt ist ohne nennenswerten Stau planbar. Eine einfache Rechnung zeigt, dass die Durchfahrtsfrequenzen über die Zeit gemittelt, gleich bleiben resp. bis zu 10 % höher sein können. Fazit: höchst mögliche Sicherheit im Tunnel, massive Reduktion der Stauphasen (Umwelt)

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    geschrieben am 03.02.2015 20:41

    Es geht mit der zweiten Röhre NICHT um eine Kapazitätserweiterung (Alpeninitiative)! Wem ist denn nicht unwohl, wenn er im Gegenverkehr einen LKW sieht, der dann sehr nahe mit 80km/h kreuzt? Nur ein kleiner Schlenker und es gibt eine Katastrophe ohne Chance zu überleben. Insofern: JA zur zweiten Röhre!

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    geschrieben am 03.02.2015 17:59

    doppelt

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    geschrieben am 03.02.2015 17:31

    Alle jene sture hinter dem großen Stein, ( Seelisbergtunnel ) wollen lieber alle Jahre viele Staukilometer und Abgase eine atmen und ein paar Tote in Kauf nehmen. Anstelle einer 2. Röhre. In 100 Jahren kommt ihr dann auch noch auf die Welt.

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    geschrieben am 04.02.2015 14:20
    als Antwort auf das Posting von Johann- K. Bohnenblust, Luzern am 03.02.2015 17:31

    Vielen Dank, Herr Bohnenblust. Ich bin eine der "Sturen" ennet dem Seelisbergtunnel und stelle fest, dass nach mehreren Abstimmungen gegen eine 2. Röhre niemand mehr davon gesprochen hat. Bis BR Doris Leuthard den Volkswillen krass mit Füssen getreten und - vermutlich um einigen "Wirtschaftsfreunden" und ihr selbst das Portemonnaie zu füllen - das Thema diktatorisch wieder aufs Tapet gebracht hat. Leider geht es aber dem Bundesrat mitnichten um die Verkehrssicherheit. Das beweist erstens seine Antwort auf Markus Stadlers entsprechende Frage und zweitens die Tatsache, dass der Bundesrat es nicht für nötig hält, in den nächsten 15 Jahren für Verkehrssicherheits-Massnahmen im Gotthardtunnel Geld locker zu machen!

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    geschrieben am 03.02.2015 18:02
    als Antwort auf das Posting von Johann- K. Bohnenblust, Luzern am 03.02.2015 17:31

    Sehr geehrter Herr Bohnenblust,
    bitte etwas mehr Sachlichkeit. Das hat doch nichts mit Sturheit zu tun. Das Gegenteil ist der Fall: Eine zweite Röhre bringt mehr Verkehr, mehr Abgase, mehr Staukilometer.
    Tipp: schauen sie mal auf www.zweite-roehre-nein.ch

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    geschrieben am 04.02.2015 07:38
    als Antwort auf das Posting von Kurt Liembd, Hergiswil am 03.02.2015 18:02

    @ Herr Liembd. Na dann träumen Sie weiter. 1 Röhre hat immer weniger durchlass als eine 2. dazu ist die Sicherheit 100% höher. Und warum es bei einer 2. mehr Stau und Abgase geben soll ist mir schleierhaft. Aber man kann auch immer gegen alles sein was vielleicht Vorteile bringen könnte. In diesem Sinne einen guten und Staufreien Tag.

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    geschrieben am 03.02.2015 20:14
    als Antwort auf das Posting von Kurt Liembd, Hergiswil am 03.02.2015 18:02

    Ohne Inhalt

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