Verteidiger sieht Mandanten medial vorverurteilt

MORDPROZESS ⋅ Im Prozess gegen den Erstfelder Barbetreiber Ignaz W. hat am Montag der Verteidiger erklärt, sein Mandant sei medial vorverurteilt worden. Dies könne für den Beschuldigten verheerende Folgen haben.

Ignaz W. werden zwei Vorfälle von 2010 zur Last gelegt. Damals war im Januar in Erstfeld auf einen Barbesucher geschossen worden; dieser blieb unverletzt. Aus derselben Pistole wurde dann im November auf die damalige Frau des Barbetreibers geschossen; sie wurde schwer verletzt.

Er würde Unwahrheiten verbreiten, aktenwidrig argumentieren und mit "wilden Theorien" bewusst Zweifel säen – mit diesen Vorwürfen des Staatsanwalts hatte sich der Verteidiger des Barbetreibers am Freitag konfrontiert gesehen. In seiner Replik am Montag wies er die Vorwürfe zurück. Seine Aussagen würden sich mit der Aktenlage decken.

DNA des Barbetreibers auf Patronenhülse

Um das Rätsel, wie die DNA des Barbetreibers auf die Hülse der auf den Gast abgefeuerten Patrone kommen konnte, zu entschlüsseln, hatte der Verteidiger in seinem ersten Parteivortrag auch ein mögliches Zutun eines Polizeibeamten in Betracht gezogen. Der Staatsanwalt entgegnete, dass sich die Verteidigung mit solchen Aussagen womöglich strafbar mache.

Hierüber zeigte sich der Verteidiger am Montag "erschüttert". Es sei bedenklich, wie der Staatsanwalt versuche, mit solchen Aussagen die Verteidigung und damit indirekt auch die Richter einzuschüchtern.

Fortsetzung am Dienstag

Der Grund, wieso der Staatsanwalt an der Schuld des angeklagten Barbetreibers festhalte, sei die "mediale Vorverurteilung" seines Mandanten. Bereits wenige Tage nach dem Schuss auf die Frau des Barbetreibers sei die "Geschichte des Auftragsmords aufgrund eines Sorgerechtsstreits" verbreitet worden. Diese Vorverurteilung hätte sich in den Köpfen aller seither festgesetzt, sagte der Verteidiger.

Am Dienstag halten die Staatsanwaltschaft sowie die Privatklägerin ihren zweiten Parteivorträge. Dann wird der Angeklagte das letzte Wort haben. Im ersten Prozess vor dem Landgericht Uri wurde der Barbesitzer zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. (sda)

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